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Würzburg Axt-Attacke: Neue Details zur Bluttat des 17-Jährigen

Axt-Attacke  

Neue Details zur Bluttat von Würzburg

19.07.2016, 14:43 Uhr | dpa

Würzburg Axt-Attacke: Neue Details zur Bluttat des 17-Jährigen. Der Attentäter vom Würzburger Zug-Attentat stieg vermutlich am Bahnhof Ochsenfurt zu. (Quelle: dpa)

Der Attentäter vom Würzburger Zug-Attentat stieg vermutlich am Bahnhof Ochsenfurt zu. (Quelle: dpa)

Nach der brutalen Attacke eines 17-jährigen Afghanen auf Zugreisende in Bayern prüfen die Ermittler, ob es einen islamistischen Hintergrund gibt. Bei dem Täter ist eine IS-Flagge gefunden worden. Die Terror-Miliz beansprucht den Angriff bereits für sich - doch daran gibt es Zweifel.

Bei dem Axt-Angriff in einem Regionalzug bei Würzburg sieht Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bisher keine Hinweise für eine Verbindung mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Der IS hatte die Tat mit fünf Verletzten laut IS-nahen Medien für sich beansprucht.

Bei dem Angreifer handele es sich um einen IS-Kämpfer, berichteten die IS-nahe Nachrichtenagentur Amak und das IS-Radio Al-Bajan. Die Echtheit der Erklärung ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Keine Indizien für die Behauptung

Die Ermittler hätten am Wohn- und Tatort jedoch "keinerlei Indizien" für eine Vernetzung des 17 Jahre alten Angreifers mit islamistischen Organisationen gefunden, sagte Herrmann.

Der 17-Jährige war am Montagabend mit einer Axt und einem Messer auf Fahrgäste in einem Regionalzug bei Würzburg-Heidingsfeld losgegangen. Er verletzte vier Menschen schwer und einen leicht. Drei Menschen schwebten am Dienstag laut Würzburger Uniklinik noch in Lebensgefahr. Auch eine Passantin wurde bei der Attacke verletzt.

Es wurde eine handgemalte IS-Flagge gefunden

Bei dem Angreifer, einem Jugendlichen aus Afghanistan, sei ein Text gefunden worden, der darauf hindeutet, dass sich der 17-Jährige "in letzter Zeit selbst radikalisiert hat", sagte Herrmann. Doch "das ist alles noch nicht erwiesen".

Der Text drehe sich um das Leben der Muslime, wonach diese sich zur Wehr setzen müssten. Auch ein Zeuge berichtete Hermann zufolge, der Täter habe bei seinen Attacken "Allahu akbar" ("Gott ist groß") gerufen. Zudem wurde im Zimmer des 17-Jährigen eine handgemalte IS-Flagge gefunden.

Für alle Menschen, die in den vergangen Monaten in Kontakt mit dem Jugendlichen waren, sei diese Tat jedoch "völlig unbegreiflich". Der 17-Jährige sei als ruhiger und ausgeglichener Mensch geschildert worden. Er sei zwar ein "gläubiger Muslim" gewesen, doch "nur zu wichtigen Feiertagen in der Moschee" gewesen und "nicht jede Woche".

Jugendlicher schrieb "Abschiedstext an den Vater"

Herrmann sagte, es müsse nun dringend geklärt werden, wie es sein könne, "dass jemand, der nach Wahrnehmung seiner Mitmenschen bislang eigentlich eher unauffällig war und auf keinen Fall als radikal erschien, sich mutmaßlich in kurzer Zeit plötzlich umorientiert".

Der Jugendliche hatte ein Praktikum in einer Bäckerei gemacht - mit der Aussicht auf eine Lehrstelle. Er sei im Rahmen der Jugendhilfe intensiv betreut worden, sagte Sozialministerin Emilia Müller (CSU) nach Angaben einer Sprecherin. Auch Müller sagte: "Wir müssen jetzt sehr genau analysieren, wie es trotz dieser guten Voraussetzungen dennoch zu dieser Gewalttat kommen konnte."

Möglicherweise hat der Täter einen Abschiedsbrief hinterlassen. Es gebe ein Schriftstück, das nach erster Durchsicht als "Abschiedstext an den Vater" interpretiert werden könnte, sagte Herrmann.

Die Opfer wurden zufällig gewählt

Der Jugendliche habe am Montagabend gegen 20 Uhr seine Pflegefamilie verlassen. Vermutlich in Ochsenfurt sei er dann in den Zug gestiegen und habe dann "sehr schnell" Fahrgäste attackiert. Nach ersten Ermittlungen habe er seine Opfer zufällig ausgesucht.

Der Staatsschutz konzentriert sich nun darauf, das Motiv des Täters aufzuklären. Den Ermittlungen zufolge war der Jugendliche vor etwa zwei Jahren als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen. Seit vergangenem Jahr war er als Asylbewerber registriert. Seit März war er in einem Heim im Landkreis Würzburg untergebracht, die vergangenen zwei Wochen in einer Pflegefamilie.

Die vier Opfer gehören zu einer Familie

Die vier Verletzten im Zug gehörten zu einer Urlauberfamilie aus Hongkong. Vater (62), Mutter (58), ihre Tochter (26) sowie deren Freund (30) wurden verletzt. Ein fünfter Mitreisender, der 17-jährige Sohn, sei unverletzt davon gekommen, berichtete eine amtliche Quelle, die nicht genannt werden wollte. 14 Menschen erlitten einen Schock.

Nach Angaben der Bundespolizei saßen 25 bis 30 Menschen in dem Regionalzug von Treuchtlingen nach Würzburg. Die Bahn war kurz vor dem Ziel, als der Angreifer losschlug. Als der Zug per Notbremse stoppte, sprang er aus dem Zug und flüchtete. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei, das zufällig wegen eines anderen Einsatzes in der Nähe gewesen war, nahm die Verfolgung auf.

Täter griff die Polizei mit der Axt an

Herrmann sagte, der 17-Jährige sei "mit der Axt auf Polizeibeamte losgegangen". Daraufhin hätten diese das Feuer eröffnet und den Jugendlichen erschossen. Das Landeskriminalamt hat dazu auch interne Ermittlungen aufgenommen. Dies sei ein üblicher Vorgang beim Schusswaffengebrauch von Beamten, sagte ein Sprecher in München.

Solche Anschläge sind nicht auszuschließen

Herrmann zeigte Verständnis für wachsende Ängste in der Bevölkerung. Im Prinzip könne an jedem Tag an jedem Ort weltweit eine solche Tat verübt werden, sagte der CSU-Politiker. "Die Bedrohung ist da." Aufgabe der Sicherheitskräfte sei es, ein "Höchstmaß an Sicherheit" zu gewährleisten. Doch Herrmann betonte: "Auch das umfassendste und intensivste Sicherheitskonzept wird solche schrecklichen Anschläge wie gestern Abend nie restlos ausschließen können."

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sprach den Opfern sein Mitgefühl aus. "Die Brutalität und hemmungslose Gewaltbereitschaft, die aus dieser Tat spricht, macht mich sehr betroffen", sagte der CSU-Chef nach Angaben der Staatskanzlei. Zugleich stellte er sich hinter die Polizeibeamten, die den Täter erschossen hatten: "Der Polizei danke ich ausdrücklich für ihr entschlossenes und schnelles Handeln bei der Bewältigung dieser schwierigen Situation."

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