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Axt-Attacke von Würzburg: Ermittler geben Details zum Motiv preis

Details zum Motiv des Würzburg-Täters  

"Bete für mich, dass ich mich an Ungläubigen rächen kann"

19.07.2016, 19:19 Uhr | dpa, AFP

Axt-Attacke von Würzburg: Ermittler geben Details zum Motiv preis. Die Leiche des 17-jährigen Attentäters wird weggetragen. (Quelle: AP/dpa)

Die Leiche des 17-jährigen Attentäters wird weggetragen. (Quelle: AP/dpa)

Die Bluttat des 17-jährigen Afghanen mit Axt und Messer in einem Zug bei Würzburg hat offenbar einen islamistischen Hintergrund. Darauf deuten die Erkenntnisse hin, die die Ermittler bisher zusammentragen konnten.

Der Täter habe sich an Nicht-Muslimen rächen wollen, die seinen Glaubensbrüdern Leid angetan hätten, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager.

Bei dem Angriff am Montagabend waren fünf Menschen verletzt worden, zwei von ihnen schweben noch in Lebensgefahr. Unter den Opfern waren eine Familie aus Hongkong und eine Passantin.

Der auf der Flucht erschossene junge Mann sei mit dem vorgefassten Entschluss in den Zug gestiegen, ihm unbekannte "Ungläubige" umzubringen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte nach wenigen Stunden das Attentat für sich beansprucht. Außerdem wurde ein Bekenner-Video veröffentlicht, das den mutmaßlichen Attentäter vor der Tat zeigen soll.

Abschiedsbrief an den Vater

Er wohnte seit Kurzem bei einer Pflegefamilie. In seinem Zimmer dort wurde ein Block mit einem IS-Symbol gefunden sowie einer Textpassage, die wohl ein Abschiedsbrief an seinen Vater ist. Darin beklagte sich der Jugendliche "über Ungläubige und Taten, die diesen Ungläubigen zuzurechnen sind".

Vor allem eine Passage untermauere die Vermutung, dass die Tat mit einer islamistischen Überzeugung in Verbindung gebracht werden müsse. Der Jugendliche habe an seinen Vater geschrieben: "Jetzt bete für mich, dass ich mich an diesen Ungläubigen rächen kann und bete für mich, dass ich in den Himmel komme."

Tod eines Freundes könnte Auslöser gewesen sein

Ein möglicher Auslöser für den Angriff im Zug könnte die Nachricht vom Tod eines Freundes in Afghanistan gewesen sein. Am vergangenen Samstag habe der 17-Jährige davon erfahren. Dies habe großen Eindruck auf ihn gemacht und ihn nachhaltig verändert, sagte Lothar Köhler vom bayerischen Landeskriminalamt. Der junge Mann habe danach sehr viel telefoniert. Mit wem, sei noch unklar, denn das Handy müsse erst noch ausgewertet werden.

Es gebe keine Beweise, dass der Täter sich bereits vor seiner Einreise am 30. Juni 2015 als Flüchtling nach Deutschland radikalisiert habe, so Ohlenschlager. Auch seien konkrete Verbindungen zum IS nicht belegt, selbst wenn der Angreifer wohl eine Sympathie für die Terrorgruppe gehabt habe.

"Völlig unbeschriebenes Blatt"

Während der Tat habe er mehrmals "Allahu akbar" ("Gott ist groß") gerufen, so LKA-Ermittler Lothar Köhler. Auf dem Handy-Notruf einer Zeugin, der von der Polizei aufgezeichnet worden sei, sei dieser Ausruf "deutlich zu verstehen", sagte Ohlenschlager. Die Zeugin war eine Mitarbeiterin eines Heims für Asylbewerber, die den 17-Jährigen erkannt habe.

Bisher sei der Mann strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten, erklärte der LKA-Ermittler weiter. Er sei "polizeilich ein völlig unbeschriebenes Blatt" gewesen, so Köhler. Auch die Nachrichtendienste hätten ihn nicht registriert. Der Jugendliche sei ein gläubiger Muslim gewesen, der aber nicht regelmäßig in die Moschee gegangen sei und privat gebetet habe.

Auch Zeugen fiel er bisher nicht als aggressiv oder reizbar auf. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft war die Tat daher nicht vorhersehbar.

Polizisten gaben mindestens vier Schüsse ab

Der 17-Jährige war mit einer Axt und einem Messer auf Fahrgäste in einem Regionalzug bei Würzburg-Heidingsfeld losgegangen. Als der Zug per Notbremse stoppte, sprang er aus dem Zug, flüchtete und schlug unterwegs unvermittelt einer Spaziergängerin mindestens zwei Mal mit der Axt ins Gesicht. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei, das zufällig wegen eines anderen Einsatzes in der Nähe gewesen war, nahm die Verfolgung auf.

Die Polizisten hätten in einer Notwehrsituation auf den 17-Jährigen geschossen und "in höchster Not keine andere Möglichkeit gehabt". Mindestes vier Schüsse seien abgegeben worden. Wie viele Schüsse es genau waren, müsse die Obduktion zeigen.

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

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