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Chemnitz: Syrer entkam den Ermittlern nur knapp

Sprengstoff-Fund in Chemnitz  

Syrer entkam den Ermittlern offenbar nur knapp

09.10.2016, 18:28 Uhr | dpa , AFP , rtr

Chemnitz: Syrer entkam den Ermittlern nur knapp. Die Polizei fahndet nach dem terrorverdächtigen Syrer Jaber Albakr. (Quelle: dpa)

Die Polizei fahndet nach dem terrorverdächtigen Syrer Jaber Albakr. (Quelle: dpa)

Bei dem Anti-Terror-Einsatz in Chemnitz ist der hauptverdächtige Syrer der Polizei offenbar nur knapp entwischt. Die Polizisten hatten den Verdächtigen zwar gesehen, ihn aber nicht fassen können. 

Die Beamten gaben bei dem Einsatz am Samstag in dem Plattenbau-Viertel einen Warnschuss ab, sagte eine Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen. Bei der anschließenden Erstürmung einer Wohnung, in der sich der 22-Jährige aufgehalten hatte, waren Hunderte Gramm eines hochexplosiven Sprengstoffs gefunden worden.

Auf der Suche nach dem Terrorverdächtigen befragt die Polizei einen weiteren Mann. Er wurde am Sonntag bei der Durchsuchung einer Wohnung im Chemnitzer Yorckgebiet vorläufig in Gewahrsam genommen, wie die Polizei mitteilte. Zur Nationalität machte sie keine Angaben.

Erneut Tür aufgesprengt

Der Mann habe in irgendeiner Weise Kontakt zu der Wohnung im Fritz-Heckert-Gebiet oder dem 22-jährigen Syrer gehabt. Die Wohnung seiner Familie war eine von mehreren Kontaktadressen des Gesuchten, die derzeit überprüft werden. Das SEK hatte auch hier die Tür aufgesprengt. Ein Sprecher des Landeskriminalamtes begründete die direkte Vorgehensweise damit, dass Sprengstoff im Spiel sei. "Wir können es uns nicht leisten, hier zu taktieren."

Bundesanwalt übernimmt Ermittlungen

Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen an sich gezogen. "Die Gesamtschau der Ermittlungen, insbesondere die Menge des gefundenen Sprengstoffs deuten darauf hin, dass die Person vor hatte, einen islamistisch motivierten Anschlag durchzuführen", sagte die Sprecherin zur Begründung dem SWR. Deswegen habe der Generalbundesanwalt die Ermittlungen wegen des Verdachts einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat (Paragraf 89a Strafgesetzbuch) aufgrund der besonderen Bedeutung des Falls übernommen.

Die Polizei fahndet weiterhin bundesweit nach dem mutmaßlichen Islamisten, der Kontakte zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben soll. Mehr als 80 Hinweise waren bis zum Sonntagmorgen eingegangen. Sie sollen laut LKA bundesweit überprüft werden. Die Polizei in Chemnitz sprach im Kurzbotschaftendienst Twitter von "ernst zu nehmenden Hinweisen".

Der junge Syrer steht im Verdacht, einen Bombenanschlag geplant zu haben. Es ist unklar, ob der Mann auf der Flucht eine Waffe oder Sprengstoff bei sich trägt. Er hält sich laut LKA seit 2015 in Deutschland auf und ist seit mehreren Monaten als Flüchtling anerkannt.

Auch zu möglichen Anschlagszielen gibt es bislang keine Informationen seitens der Behörden. Der Hinweis auf den Syrer war vom Bundesamt für Verfassungsschutz gekommen. Es ist noch unklar, ob der Verdächtige aus dem Ausland gezielt gesteuert wurde. Weder der Geheimdienst noch die Polizei wollten sich zu einem "Focus"-Bericht äußern, wonach ein deutscher Flughafen angegriffen werden sollte.

Bundespolizei erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Die für Flughäfen und Bahnhöfe zuständige Bundespolizei erhöhte nach den Vorfällen in Chemnitz die Sicherheitsvorkehrungen. Zudem beteiligten sich die Einsatzkräfte an der Fahndung nach dem flüchtigen Terrorverdächtigen.

In Chemnitz wird der festgenommene Mieter der erstürmten Wohnung der Mittäterschaft verdächtigt. Zwei weitere Bekannte des flüchtigen Hauptverdächtigen wurden am Sonntag wieder freigelassen.

Spezialisten ließen den gefundenen Sprengstoff am Samstagabend kontrolliert detonieren. Das Gemisch sei weit gefährlicher als TNT gewesen, hieß es. Die betroffene Plattenbau-Siedlung war stundenlang abgesperrt und wurde teilweise geräumt, zwischenzeitlich war auch der Chemnitzer Hauptbahnhof teilweise gesperrt.

Auf dem Berliner Flughafen Tegel wurde am Sonntag ein Mann aus einer Eurowings-Maschine geholt, der Ähnlichkeit mit dem gesuchten Syrer gehabt haben soll. Die Bundespolizei und die Fluggesellschaft bestätigten einen Bericht der "B.Z.".

Das Landeskriminalamt (LKA) hatte den 22 Jahre alten, in der Nähe von Damaskus geborenen Syrer Jaber Albakr (alternative Schreibweise: Dschaber Al-Bakr) zur Fahndung ausgeschrieben - die bislang erfolglos blieb. Hinweise sollen telefonisch an das Landeskriminalamt Sachsen unter 0800/855 2055 oder an jede andere Polizeidienststelle oder per E-Mail an lka@polizei.sachsen.de gerichtet werden.

Der gesuchte 22-jährige Syrer Jaber Albakr soll aktuell das auf dem Bild zu sehende auffällige schwarze Kapuzenshirt tragen. (Quelle: Landeskriminalamt Sachsen)Der gesuchte 22-jährige Syrer Jaber Albakr soll aktuell das auf dem Bild zu sehende auffällige schwarze Kapuzenshirt tragen. (Quelle: Landeskriminalamt Sachsen)

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