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Chemnitz-Terror: Sprengstoff TATP gilt als "Mutter des Satans"

Terrorverdächtiger mit IS-Kontakten  

Sprengstoff aus Chemnitz gilt als "Mutter des Satans"

11.10.2016, 06:47 Uhr | dpa

Chemnitz-Terror: Sprengstoff TATP gilt als "Mutter des Satans". Der Terrorverdächtige Jaber Albakr ist in Leipzig festgenommen worden. (Quelle: dpa)

Der Terrorverdächtige Jaber Albakr ist in Leipzig festgenommen worden. (Quelle: dpa)

Der Terrorverdächtige Jaber Albakr ist nach dem Bombenfund in Chemnitz festgenommen worden. Die Mittel, mit denen der 22-Jährige den Sprengsatz gebaut hatte, sind einfach - die Wirkung ist verheerend.

Die Hauptzutaten können Nagellackentferner und Haarbleichmittel sein: Der Sprengstoff Triacetontriperoxid (TATP) lässt sich mit sehr einfachen Mitteln herstellen, ist billig und hat eine hohe Wucht. Das alles macht ihn attraktiv für Terroristen.

TATP, im Nahen Osten auch bekannt als "Mutter des Satans", wurde bei den Terroranschlägen in London 2005 und in Paris 2015 benutzt. Auch bei den mutmaßlichen Attentätern von Brüssel fanden ihn Ermittler dieses Jahr. Jetzt wurde die Substanz laut Landeskriminalamt in der Wohnung des Terrorverdächtigen von Chemnitz entdeckt.

Gefahr auch für den Hersteller

Sprengstoffe auf der Basis von Peroxid sind sogar für den Attentäter hochgefährlich. Ohne Fachwissen und Vorsichtsmaßnahmen kann das Mischen in einer tödlichen Explosion enden. Der fertige Sprengstoff kann zudem beim Umfüllen in ein Gefäß seinem Hersteller um die Ohren fliegen. Dann kommt der Transport: Sowohl Erschütterung als auch hohe Temperaturen oder Reibung können eine schwere Detonation auslösen.

Deutsche Chemiker erkannten bereits Ende des 19. Jahrhunderts die Sprengkraft von TATP - ein Zufallsfund. Wegen der Risiken bei der Handhabung erlangte der Stoff aber jahrzehntelang keine nennenswerte Bedeutung als Waffe, obwohl er 80 Prozent der Zerstörungskraft von TNT besitzt und preisgünstig in der Herstellung ist. Der erste dokumentierte Einsatz ist ein Anschlag auf eine Studentengruppe im israelischen Hebron durch die Terrororganisation PLO 1980.

Bezug zum IS?

Jaber Albakr hatte nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler Bezug zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS). "Vorgehensweise und Verhalten des Verdächtigen sprechen derzeit für einen IS-Kontext", sagte der Präsident des sächsischen Landeskriminalamts, Jörg Michaelis.

"Die Vorbereitungen in Chemnitz ähneln nach allem, was wir heute wissen, den Vorbereitungen zu den Anschlägen in Paris und Brüssel", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Offenbar Züge oder Flughäfen im Visier

Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes hatte der Syrer Pläne für Angriffe auf Züge in Deutschland und zuletzt auf Flughäfen in Berlin. "Wir hatten Hinweise - nachrichtendienstliche Hinweise - dass er zunächst einmal Züge in Deutschland angreifen wollte", sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen dem ARD-Hauptstadtstudio. "Zuletzt konkretisierte sich dies mit Blick auf Flughäfen in Berlin."

Dem Verfassungsschutz lag laut Maaßen seit Anfang September ein Hinweis vor, dass die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland einen Anschlag gegen Infrastruktur plane. Bis zum vergangenen Donnerstag habe der Verfassungsschutz gebraucht, um herauszufinden, wer dafür in Deutschland verantwortlich sein solle. Dann sei der Verdächtige rund um die Uhr observiert worden.

Komplize in Untersuchungshaft

Bei einer Anti-Terror-Razzia hatte die Polizei in Chemnitz am Samstag 1,5 Kilogramm hochexplosiven Sprengstoff sichergestellt.

Ein möglicher Komplize des Hauptverdächtigen, der 33-jährige Wohnungsmieter, kam in Untersuchungshaft. Er ist wie Albakr Flüchtling und war Mitte Juli aus Nordrhein-Westfalen nach Chemnitz gezogen, wie Michaelis sagte.

Bundesanwaltschaft führt Ermittlungen

Die Polizei fasste den 22-jährigen Syrer in einer Wohnung in Leipzig, wo zwei Landsleute ihn festhielten, wie die Polizei auf Facebook mitteilte. Er hatte am Leipziger Hauptbahnhof einen Landsmann angesprochen und gefragt haben, ob er bei ihm schlafen könne. Der Syrer lud ihn demnach zu sich ein und informierte die Polizei.

Auf Facebook teilte die Polizei mit, dass der Verdächtige "sicher identifiziert" sei. Die bundesweite und internationale Fahndung wurde aufgehoben. Über das Wochenende waren die Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen und Flughäfen verschärft worden.

Die Bundesanwaltschaft führt die Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat.

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