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Chemnitz: Syrer feiern Festnahme des mutmaßlichen IS-Terroristen

Syrer feiern Festnahme  

"Möge Gott ihm nicht verzeihen"

11.10.2016, 13:52 Uhr | Von Christian Kreutzer und Arabella Youssef-Zgheib, t-online.de

Chemnitz: Syrer feiern Festnahme des mutmaßlichen IS-Terroristen. Nach der Festnahme: Polizei und Spurensicherung im Leipziger Stadtteil Paunsdorf. (Quelle: dpa)

Nach der Festnahme: Polizei und Spurensicherung im Leipziger Stadtteil Paunsdorf. (Quelle: dpa)

Nach der Festnahme des Syrers Dschaber al-Bakr aus Chemnitz feiern Syrer in Deutschland ihre Helden - und ermahnen sich gegenseitig, weiter die Augen offen zu halten.

"Tolle Nachricht", heißt es auf der Facebook-Seite "German LifeStyle GLS" zur Festnahme von Dschaber al-Bakr. Syrer geben auf "GLS" anderen Syrern Tipps zur Integration. Seit gestern wird dort gejubelt - und geflucht.

"Möge Gott ihm nicht verzeihen", schreibt Mohamad A. über den verhinderten Terroristen. "Zur Hölle" wünscht ihn Ammar S.. Es ist die Stunde derer, die sich offen zu Deutschland bekennen: "Wir sind nach Deutschland gekommen - auf der Suche nach Sicherheit und mit dem Ziel beim Aufbau dieses Landes zu helfen", schreibt der Syrer Raeed D..

"Ich hoffe, dass nicht ich ihn finde"

"Wir sind nicht gekommen, um Ärger zu machen. Wir weigern uns bei irgendetwas mitzumachen, dass diesem Land schaden könnte. Diese Terroristen gehören weder zu uns, noch zum Islam." Es sind deutliche Worte, mit denen die syrische Gemeinschaft ihren Gefühlen Luft macht.

Der syrische Aktivist Monis Bukhari schreibt auf seiner Facebook-Seite: "Ich grüße den Syrer, der den syrischen Terroristen festgenommen und ihn sofort der Polizei übergeben hat... Das ist unser Beitrag zur Sicherheit."

Schon am Tag davor hatten Syrer, die auf Facebook oder Whatsapp vernetzt sind, Nachrichten mit Fotos von Al-Bakr geteilt, um den Mann zu schnappen, der mutmaßlich unter ihnen lebte. Die meisten machten dabei aus ihren Herzen keine Mördergrube: "Wenn jemand ihn sieht, soll er ihn an einem Baum aufhängen, damit jeder auf ihn spuckt", postete einer, der sich Hazem S. nennt.

Ein anderer schrieb: "Ich hoffe, dass nicht ich ihn finde. Wenn ich ihn sehe, wird er nicht gesund zur Polizei kommen."

"Wir sind diejenigen, die es fressen"

Nur ganz vereinzelt finden sich die klassischen Verschwörungstheorien und Vorurteile, die es im Nahen Osten genauso gibt, wie in Europa. So postet ein Zakarea A.: "Wie kann ein syrischer Flüchtling eine Bombe und Dynamit haben und wurde nicht erwischt? Das ist einfach eine Lüge von deutschen Medien, um den deutschen Rassismus zu decken. Und wenn es stimmt, dann hängt der amerikanische Geheimdienst dahinter."

Doch Statements wie dieses sind die Ausnahme. In Leipzig, wo Al-Bakr verhaftet wurde, feiern viele Syrer ihre Landsleute, die ihn der Polizei übergeben hatten. Sie seien "Helden", zitiert die "Berliner Morgenpost" einen 28-jährigen Nachbarn der Helfer. Er und seine Freunde hätten es genauso gemacht, sagt er.

Und Hamza Z. gibt auf Facebook den Syrern eine Ermahnung mit auf den Weg, die Polizei und Verfassungsschutz wohl direkt unterschreiben würden: "Wir müssen alle die Augen offen halten. Wir sind letztlich diejenigen, die es fressen [ausbaden] müssen. Möge Gott Euch schützen."

Lange Diskussion in der Nacht

Der 22-jährige Dschabr al-Bakr hatte offenbar einen Anschlag auf einen der Berliner Flughäfen geplant. Kurz vor seiner Festnahme konnte er entkommen und schlüpfte bei zwei unwissenden Syrern in Leipzig unter. Die erfuhren erst im Laufe des Sonntagabends, wen sie da beherbergten.

Als Al-Bakr sich schließlich schlafen gelegt habe, hätten sie ein Foto von ihm auf Facebook gepostet und mit anderen Syrern diskutiert, ob er der gesuchte Terrorist sei, so einer der beiden zur "Bild"-Zeitung. Dann hätten sie ihn mit mehreren Verlängerungskabeln gefesselt und die Polizei informiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach ihnen am Montag ihren Dank aus.

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