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Versuchte Anschläge auf Ludwigshafener Weihnachtsmarkt: Experte spricht

Versuchte Anschläge in LU  

Terror-Experte: Zwölfjähriger wohl "ferngesteuert"

17.12.2016, 08:22 Uhr | dpa

Versuchte Anschläge auf Ludwigshafener Weihnachtsmarkt: Experte spricht. Ein zwölf Jahre alter Junge hat offenbar versucht, in Ludwigshafen am Rhein zwei Anschläge zu begehen. Einen davon auf dem Weihnachtsmarkt. (Quelle: dpa)

Ein zwölf Jahre alter Junge hat offenbar versucht, in Ludwigshafen am Rhein zwei Anschläge zu begehen. Einen davon auf dem Weihnachtsmarkt. (Quelle: dpa)

Ein zwölf Jahre alter Junge soll zweimal versucht haben, einen Anschlag in seiner Heimatstadt Ludwigshafen zu verüben. Nach Auffassung eines Terrorismusexperten hat sich der Junge wohl im Internet radikalisiert. Es würde zur Strategie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) passen.

Im Internet "könnte der Junge mit einem Rekruteur in Syrien in Kontakt gekommen sein, der ihn gewissermaßen über Messengerdienste in Echtzeit ferngesteuert hat", erklärt Peter Neumann vom King's College in London. Der IS sei so schon in der Vergangenheit mit jungen Menschen verfahren. Über verschlüsselte Messengerdienste können zum Beispiel per Mobiltelefon Nachrichten ausgetauscht werden.

Wie in Hannover, Ansbach und Würzburg

"Das hatten wir ja auch schon in Hannover gesehen Anfang des Jahres, auch in Ansbach und Würzburg", so der deutsche Radikalisierungsforscher. Die Vorgehensweise, Attentäter quasi in Echtzeit über diese Messengerdienste zu steuern, sei eine recht neue Vorgehensweise.

Der "Focus" berichtet über Erkenntnisse der Ermittler, die von einer starken religiösen Radikalisierung ausgehen und ebenfalls den Verdacht haben, der Zwölfjährige könnte von einem unbekannten Mitglied des IS angestiftet oder angeleitet worden sein. Der strafunmündige Junge befindet sich nach Angaben der Stadt Ludwigshafen inzwischen in einer geschützten Einrichtung. Deswegen gehe von ihm keine Gefahr aus, sagte Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) auf einer Pressekonferenz.

Das Alter des Verdächtigen verblüfft den Terrorismusexperten Neumann nicht: "Es ist schon ungewöhnlich, einen Zwölfjährigen zu sehen, aber es ist keine vollkommene Überraschung. Denn wir wissen, dass der Islamische Staat zum Beispiel auch sehr, sehr junge Rekruten hat. In Deutschland war der jüngste Syrien-Kämpfer 13 Jahre alt."

Sprengsatz zündete nicht

Der Junge soll laut "Focus" am 26. November versucht haben, den Sprengsatz auf dem Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen zu zünden, was misslang. Das Magazin beruft sich auf Angaben der Justiz- und Sicherheitsbehörden. Am 5. Dezember habe der Junge den in einem Rucksack versteckten Sprengsatz - ein mit Sprengpulver gefülltes Konservenglas - dann in einem Gebüsch nahe dem Rathaus deponiert.

Die genauen Hintergründe der Tat und die Gefährlichkeit des verwendeten Materials sind noch nicht klar. Der Zwölfjährige wurde in Ludwigshafen geboren und wohnte dort auch während der Vorfälle, wie der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Hubert Ströber, sagte. Wegen des Umfeldes des Kindes habe er die Bundesanwaltschaft informiert. Die Staatsanwaltschaft selbst sehe von Ermittlungen gegen das strafunmündige Kind ab, das sowohl die deutsche als auch die irakische Staatsbürgerschaft habe, so Ströber.

Welche Rolle spielte das Umfeld?

Es müsse sich noch zeigen, ob auch das Elternhaus oder das sonstige Umfeld eine Rolle bei der Entwicklung des Jungen gespielt habe, sagte Neumann. "Wir haben aber durchaus schon einige Fälle gesehen, wo sehr junge Kinder sich auf eigene Faust zu dieser Ideologie und Gruppe im Internet durchgekämpft haben (...) - und am Ende als einsame Wölfe des Islamischen Staates aktiv wurden."

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