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Morgenstory: Mutmaßlicher Attentäter von Berlin recherchierte zu Sprengsätzen

Neue Details zum mutmaßlichen Attentäter  

"New York Times": Amri recherchierte zum Bau von Sprengsätzen

22.12.2016, 07:36 Uhr | dpa

Morgenstory: Mutmaßlicher Attentäter von Berlin recherchierte zu Sprengsätzen. Die vom Bundeskriminalamt veröffentlichten Fahndungsfotos des Verdächtigen Anis Amri. (Quelle: dpa)

Die vom Bundeskriminalamt veröffentlichten Fahndungsfotos des Verdächtigen Anis Amri. (Quelle: dpa)

Die europaweite Suche nach Anis Amri ist in vollem Gange. Er steht unter Verdacht, am Montagabend den Lastwagen auf den Berliner Weihnachtsmarkt gelenkt und so zwölf Menschen getötet zu haben. Nun gibt es Hinweise, dass er zudem ein Sprengstoffattentat geplant hatte. Wer ist der Mann?

Amri soll sich im Internet über den Bau von Sprengsätzen informiert und direkten Kontakt zum IS gehabt haben. Das berichtet die "New York Times" und beruft sich auf Aussagen nicht näher genannter amerikanischer Offizieller. Unklar blieb zunächst, auf welchen Zeitraum sich diese Angaben beziehen.

Amri stand dem Bericht zufolge mindestens einmal über den Messengerdienst Telegram in Kontakt zum IS. Sein Name habe auch auf der Flugverbotsliste der USA gestanden.

Das wissen wir ansonsten über den mutmaßlichen Attentäter:

Wie stark ist der Verdacht?

Amris Papiere lagen im Fußraum des Lastwagens, der für den Anschlag benutzt wurde. Entscheidend ist, wie sie dorthin kamen: Wurden sie - quasi als Bekenntnis - absichtlich dorthin gelegt? Verlor Amri sie im Kampf mit dem polnischen Lastwagenfahrer? Wurden sie gestohlen und dort platziert, um eine falsche Fährte zu legen? "Die Tatbeteiligung ist überhaupt nicht geklärt", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD).

Seit wann ist Amri in Deutschland?

Amri kam im Juli 2015 nach Deutschland. Er sei "hochmobil" gewesen, berichtete Jäger. Er tauchte zunächst in Freiburg in Baden-Württemberg auf, dann in Nordrhein-Westfalen und Berlin - dort habe er seit Februar 2016 überwiegend gelebt.

Wie ist sein Status?

Das zuständige Bundesamt hatte seinen Asylantrag im Juni dieses Jahres abgelehnt, die Behörden in Kleve (NRW) betrieben seine Ausweisung. "Der Mann konnte aber nicht abgeschoben werden, weil er keine gültigen Ausweispapiere hatte", so Jäger. Tunesien habe zunächst bestritten, dass es sich um seinen Staatsbürger handele.

Schließlich stellte das nordafrikanische Land aber doch Ersatzpapiere aus - sie seien an diesem Mittwoch eingetroffen - zwei Tage nach dem Anschlag. "Ich will diesen Umstand nicht weiter kommentieren", sagte der NRW-Innenminister. Er hatte zuvor bereits mehrfach beklagt, wie schwierig es ist, nordafrikanische Straftäter in ihre Heimatländer abzuschieben.

Was weiß man über Amri?

Dem Geburtsdatum zufolge, dass für ihn angegeben ist, wird er an diesem Donnerstag 24 Jahre alt. Er wurde von mehreren Behörden in Deutschland als islamistischer Gefährder beobachtet und verwendete mehrere Alias-Namen. Amri habe Kontakt zur radikal-islamistischen Szene gehabt, sagte Jäger.

Die "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR berichteten von Kontakten zum Netzwerk des kürzlich verhafteten Hildesheimer Salafisten-Predigers Abu Walaa, laut Jäger der "Chefideologe" der Salafisten-Szene. Zuletzt tauschten sich die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern im November im Terrorismusabwehrzentrum in Berlin über ihn aus.

Gab es bereits Ermittlungen gegen Amri?

Ja. In Berlin wurde zeitweise vom dortigen Generalstaatsanwalt gegen Amri ermittelt, und zwar wegen des Verdachts der Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat. Hintergrund waren nach Angaben der Behörde Hinweise auf einen geplanten Einbruch, um Geld für den Kauf von Waffen zu beschaffen - möglicherweise für einen Anschlag.

Amri wurde deshalb in Berlin von März bis September dieses Jahres überwacht. Die Observation lieferte aber nur Hinweise, dass er als Kleindealer im Görlitzer Park tätig sein könnte, einem bekannten Drogen-Umschlagplatz in Berlin. Diese Erkenntnisse wurden laut Generalstaatsanwaltschaft zur Strafverfolgung an die zuständigen Stellen weitergeleitet, die Observation eingestellt.

Gibt es Parallelen?

Ermittler sehen auffällige Parallelen zum Fall von Tarik B. Die Polizei in Paris hatte den 24-jährigen Tunesier im vergangenen Januar erschossen, als er Polizisten mit einem Schlachterbeil und dem Ruf "Allah ist groß" angriff. Der Asylbewerber kam damals aus einer Unterkunft in Recklinghausen. Er hatte in sieben europäischen Ländern Asylanträge gestellt und 20 verschiedene Identitäten vorgetäuscht.

Was weiß man über die Vorgeschichte des Verdächtigen?

Amri soll nach Medienberichten vier Jahre in Italien im Gefängnis gesessen haben. Er sei 2011 als Flüchtling nach Italien gekommen und in einem Auffanglager für Minderjährige auf Sizilien untergebracht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf Ermittlerkreise. In dem Lager habe er "diverse Straftaten" begangen.

Nach Berichten der Zeitung "La Stampa" soll er das Auffanglager angezündet haben. Als Volljähriger wurde er den Informationen zufolge festgenommen, kam vor Gericht und wurde zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach der Verbüßung sei er des Landes verwiesen worden, bei der geplanten Ausweisung habe es jedoch Probleme mit den tunesischen Behörden gegeben. Amri habe Italien verlassen und sich nach Deutschland absetzen können.

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