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Berlin-Anschlag: Brüder des Terrorverdächtigen schockiert über Lkw-Attentat

"Vater und Mutter weinen"  

Brüder des Terrorverdächtigen schockiert über Anschlag

22.12.2016, 16:35 Uhr | AP, dpa, rtr

Berlin-Anschlag: Brüder des Terrorverdächtigen schockiert über Lkw-Attentat. Anis Amri steht im Verdacht, den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt verübt zu haben. (Quelle: Screenshot Facebook / Reuters)

Anis Amri steht im Verdacht, den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt verübt zu haben. (Quelle: Screenshot Facebook / Reuters)

Zwei Brüder des Tatverdächtigen Anis Amri haben sich schockiert über den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt gezeigt und zweifeln seine Beteiligung an dem Attentat an. "Wenn er das getan hat, dann hat er Schande über uns gebracht", sagte Abdelkader Amri im tunesischen Oueslatia. "Aber ich bin mir sicher, dass er es nicht war."

Er sei nach Europa gegangen, "um zu arbeiten und unserer Familie zu helfen". Auch der zweite Bruder, Walid Amri, sagte, Anis habe keine Verbindung zum Terrorismus. "Wir standen per Facebook und Telefon mit ihm in Kontakt." Sie hätten vor zehn Tagen gesprochen. "Er hat mir gesagt, dass er im Januar nach Tunesien kommt und dass er sich für ein Projekt ein Auto gekauft hat", erklärte Walid unter Tränen.

"Dein Vater und deine Mutter weinen" 

Dem Sender Sky News Arabia sagte Walid, Anis habe Tunesien nach der Revolution verlassen und sei als Teil einer Gruppe nach Italien gereist. Diese sei dort in eine Schlägerei geraten, nach der sie ihre Bleibe angezündet hätten. Anis habe deswegen dreieinhalb Jahre im Gefängnis verbracht.

Anschließend sei er über die Schweiz nach Deutschland eingereist. "Als er Tunesien verließ, war er ein normaler Mensch", sagte Walid. "Er hat Alkohol getrunken und nicht einmal gebetet." Möglicherweise habe er sich im Gefängnis verändert, wo er "Algerier, Ägypter und Syrer" getroffen habe.

Auch Abdelkader Amri sagte Sky News Arabia, dass sich sein Bruder in der Haft verändert haben könnte. "Er ist mit einer Einstellung ins Gefängnis gegangen und mit einer anderen herausgekommen." Wenn Anis ihm zuschaue, würde er ihm sagen wollen: "Möge Gott dir dafür vergeben, dass du uns in diese Lage gebracht hast. Dein Vater und deine Mutter weinen." 

"Ich bitte ihn, sich der Polizei zu stellen", sagte Abdelkader weiter. Sollte seine Schuld bewiesen werden, will sich die Familie von ihm lossagen. 

Mutter kann sich Täterschaft nicht vorstellen 

Unterdessen hat die Mutter des mutmaßlichen Attentäters in Frage gestellt, dass ihr Sohn wirklich den Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gefahren hat. Der 24-Jährige habe in Gesprächen keine Anzeichen von Radikalisierung gezeigt, sagte Nur al-Huda Hassani.  

"Ich möchte, dass die Wahrheit über meinen Sohn aufgedeckt wird", sagte die Mutter. Wenn er wirklich der Täter sei, müsse er die Verantwortung dafür übernehmen. Sie werde sich dann vor Gott von ihm lossagen.

Mehrere Hausdurchsuchungen

Die Duldungspapiere Anis Amris waren in dem für den Anschlag verwendeten Lastwagen gefunden worden. Die Bundesanwaltschaft hat eine Belohnung von 100.000 Euro auf Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des Verdächtigen führen. Sie riet jedoch zur Vorsicht, weil der Gesuchte gewalttätig und bewaffnet sein könne. 

Nach dem Anschlag haben Polizisten eine Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Emmerich durchsucht. Dort soll Amri zeitweise gemeldet gewesen sein. Die Aktion am Donnerstagmorgen, an der schätzungsweise 100 Beamte beteiligt waren, darunter Spezialeinsatzkräfte, war nach etwa einer Stunde beendet. Über das Ergebnis war zunächst nichts bekannt.

Auch in Dortmund hat es nach WDR-Informationen einen Anti-Terror-Einsatz gegeben. Ob die Aktion im Zusammenhang mit der Fahndung nach dem Tatverdächtigen beim Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt steht, war zunächst nicht bekannt. Amri lebte unter anderem auch in Dortmund.

Die Generalbundesanwaltschaft hat Berichte dementiert, wonach vier Festnahmen in Dortmund in Zusammenhang mit der Fahndung nach dem Terrorverdächtigen stehen. "Es handelt sich dabei nicht um vorläufige Festnahmen von Beschuldigten oder Tatverdächtigen in diesem Verfahren", sagte ein Sprecher des Generalbundesanwalts.

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