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Antisemitischer Angriff in Bonn: Professor wirft Polizei Lügen vor

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Antisemitische Attacke in Bonn  

Angegriffener Professor aus Israel wirft Polizei Lügen vor

15.07.2018, 16:34 Uhr | dpa

Antisemitischer Angriff in Bonn: Professor wirft Polizei Lügen vor. Blick in den Bonner Hofgarten: Dort soll der israelische Professor erst von einem Jugendlichen angegriffen und dann von Polizisten verletzt worden sein. (Quelle: dpa/ Volker Lannert)

Blick in den Bonner Hofgarten: Dort soll der israelische Professor erst von einem Jugendlichen angegriffen und dann von Polizisten verletzt worden sein. (Quelle: Volker Lannert/dpa)

Ein israelischer Professor ist in Bonn antisemitisch attackiert worden, im Anschluss gingen Polizisten auf ihn los. Nun erhebt der Mann schwere Vorwürfe gegen die Beamten.

Der israelische Hochschullehrer aus den USA, der am Mittwoch in Bonn von einem Deutschen mit palästinensischen Wurzeln angegriffen worden war, hat schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. In einem auf Facebook veröffentlichten Brief beschuldigt Professor Jitzchak Jochanan Melamed von der Universität Baltimore die Polizei, "Lügen" über den Vorfall zu verbreiten.

The Events at the Bonner Hofgarten this July 11th: A Letter to a German Friend, In the past two days I have been...

Gepostet von Yitzhak Melamed am Freitag, 13. Juli 2018

Melamed war von der Polizei zunächst irrtümlich für den Angreifer gehalten, überwältigt und geschlagen worden. Dies hatte die Polizei auch zugegeben und sich entschuldigt. Sie schrieb in ihrer Pressemitteilung allerdings auch, dass die beteiligten Polizisten angegeben hätten, Melamed sei auf ihre Zurufe hin nicht stehen geblieben und habe sich dann gewehrt.

Dutzende Male ins Gesicht geschlagen

Der Philosophie-Professor bestreitet jedoch entschieden, sich in irgendeiner Form zur Wehr gesetzt zu haben. Die Polizisten seien sofort auf ihn losgegangen, und er habe danach kaum noch atmen, geschweige denn Widerstand leisten können. Er habe lediglich gerufen, dass er der Falsche sei.


Die Polizei habe ihm seine Hände mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt und ihn Dutzende Male ins Gesicht geschlagen. Sein Gesicht habe anschließend geblutet.

"Legen Sie sich nicht mit der deutschen Polizei an"

Kurz nachdem ihm die Handschellen wieder abgenommen worden seien, habe ihn einer der Polizisten belehrt: "Don't get in trouble with the German police!" ("Legen Sie sich nicht mit der deutschen Polizei an"). Darauf habe er geantwortet, dass die deutsche Polizei 1942 seinen Großvater, seine Großmutter, seinen Onkel und seine Tante ermordet habe.

Auf der Wache hätten die Polizisten eineinhalb Stunden lang versucht, ihn von einer Beschwerde abzubringen. Einer der Beamten habe ihm gesagt, er sei von ihm an der Hand berührt worden, und erst als Reaktion darauf seien sie gegen ihn vorgegangen. "Ich sagte ihm, das wäre eine glatte Lüge." Die Polizisten hätten sich sofort auf ihn gestürzt, ohne dass es zuvor zu irgendeinem Körperkontakt zwischen ihnen gekommen sei. Am Ende hätten sie ihm deutlich gemacht, sollte er sich über sie beschweren, wären sie gezwungen, ihn zu beschuldigen, sich seiner Festnahme widersetzt zu haben.

20 Minuten bis zum Eintreffen der Polizei

Der einzige Grund, warum ihn hinterher noch die Polizeipräsidentin aufgesucht habe, sei der Tatsache geschuldet, dass er Professor an einer amerikanischen Universität sei. "Wenn ich nur ein Underdog der deutschen Gesellschaft wäre, würde sich niemand dafür interessieren (und sicher würde auch niemand der Beschwerde glauben schenken)."

Über den antisemitischen Angriff selbst berichtete Melamed, der Mann habe ihn mit den Worten "Bist du Jude?" angesprochen und hinzugefügt, dass er Palästinenser sei. Er habe daraufhin seine Sympathie für die Palästinenser zum Ausdruck gemacht. Der Mann habe ihn nun auf Englisch angeschrien und beleidigt.

Im weiteren Verlauf habe er ihm dreimal die Kippa vom Kopf geschlagen und dabei gerufen, in Deutschland sei es nicht erlaubt, sie zu tragen. Außerdem habe er ihn geschubst. Bis zum Eintreffen der Polizei seien mindestens 20 Minuten vergangen.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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