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Opfer in K├Âthen starb nach Streit an Herzversagen

Von dpa, law

Aktualisiert am 10.09.2018Lesedauer: 4 Min.
"Trauermarsch": 2500 Menschen zogen in K├Âthen zur Stelle des Streits mit t├Âdlichem Ausgang f├╝r Markus B. und dann zur├╝ck Darunter waren bekannte Neonazis, aber auch Freunde und Angeh├Ârige des jungen Mannes.
"Trauermarsch": 2.500 Menschen zogen in K├Âthen zur Stelle des Streits mit t├Âdlichem Ausgang f├╝r Markus B. und dann zur├╝ck. Darunter waren bekannte Neonazis, aber auch Freunde und Angeh├Ârige des jungen Mannes. (Quelle: Reuters-bilder)
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Nach einem Streit mit t├Âdlichem Ausgang in K├Âthen hat ein rechtsextremer Redner beim "Trauermarsch" von "Rassenkrieg" gesprochen und wurde bejubelt. Zwei Afghanen sitzen wegen K├Ârperverletzung mit Todesfolge in Haft.

Nach dem Tod eines 22-J├Ąhrigen aus K├Âthen bei einer Auseinandersetzung mit jungen M├Ąnnern aus Afghanistan wurden bei einem "Trauermarsch" Reden mit rassistisch und m├Âglicherweise volksverhetzendem Inhalt gehalten. Der gestorbene junge Mann ist der Polizei zufolge "einem akuten Herzversagen erlegen, das nicht im direkten kausalen Zusammenhang mit den erlittenen Verletzungen steht".

Ein Sprecher eines rechtsextremen B├╝ndnisses forderte unter Jubel seiner Zuh├Ârer in K├Âthen mehrfach "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Die Polizei hatte sich mit einem gro├čen Aufgebot auf m├Âgliche Auseinandersetzungen vorbereitet.

"Trauermarsch" verharrte schweigend am Tatort

Unter anderem die Partei "Die Rechte" und Vertreter der NPD und der Partei "Der Dritte Weg" hatten zu einer Versammlung aufgerufen, die sie als Trauermarsch deklarierten. Nach Berichten von Journalisten vor Ort startete der Zug mit mehreren Hundert Demonstranten, die Teilnehmerzahl wuchs danach noch. Das Lagezentrum des Innenministeriums gab die Teilnehmerzahl sp├Ąter mit 2.500 an.

Der Zug f├╝hrte zum Tatort, einem Spielplatz, wo die Demonstranten schweigend verharrten. Bei dem "Trauermarsch" liefen Familien ebenso mit wie Hooligans und Neonazis verschiedener Parteien in T-Shirts mit Aufdrucken wie "White Resistance" oder "Hatred worldwide" (Hass weltweit).

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An der Gedenkstelle verharrte der Zug schweigend, Menschen z├╝ndeten Feuerzeuge und Kerzen an.
An der Gedenkstelle verharrte der Zug schweigend, Menschen z├╝ndeten Feuerzeuge und Kerzen an. (Quelle: Reuters-bilder)

Redner spricht von "Rassenkrieg"

David K├Âckert, Chef der rechtsextremen Bewegung "Th├╝gida", sprach danach von einem "Rassenkrieg gegen das deutsche Volk". Unter lautem Jubel sagte er: "Wir m├╝ssen erwachen und sagen, die wollen nicht friedlich mit uns leben. Also Auge um Auge, Zahn um Zahn."

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Er setzte seine rassistischen und m├Âglicherweise volksverhetzenden Ausf├Ąlle fort: Auf der Welt seien von acht Milliarden Menschen Bev├Âlkerung nur noch 300 bis 400 Millionen wei├č. "Wir sind eine Minderheit, aber eine Minderheit, die eine Faust hat und sich wehren kann." Unter "Widerstand"-Rufen wurde zum Marsch auf Berlin aufgerufen.

Ku-Klux-Klan-Symbol: Ein Mann trug beim "Trauermarsch" ein Shirt mit dem "Blood-Drop CrossÔÇť. Das Blutstropfen-Kreuz soll f├╝r Jesus stehen, der nach der Ideologie des Klans ("Invisible Empire", unsichtbares Imperium) nur f├╝r die wei├če Rasse gestorben sei. Das Shirt ist ein Fanartikel der britischen Neonazi-Band "No Remorse", die zu den Gr├╝ndern des seit 2000 in Deutschland verbotenen "Blood & Honour"-Netzwerks geh├Ârte. Verboten sind der KKK und seine Symbole in Deutschland nicht.
Ku-Klux-Klan-Symbol: Ein Mann trug beim "Trauermarsch" ein Shirt mit dem "Blood-Drop Cross". Das Blutstropfen-Kreuz soll f├╝r Jesus stehen, der nach der Ideologie des Klans ("Invisible Empire", unsichtbares Imperium) nur f├╝r die "wei├če Rasse" gestorben sei. Das Shirt ist ein Fanartikel der britischen Neonazi-Band "No Remorse", die zu den Gr├╝ndern des seit 2000 in Deutschland verbotenen "Blood & Honour"-Netzwerks geh├Ârte. Verboten sind der KKK und seine Symbole in Deutschland nicht. (Quelle: Hannibal Hanschhke/Reuters-bilder)

Journalisten attackiert

Eine junge Frau forderte anschlie├čend: "Wir sollten k├Ąmpfen, und das macht man nicht mit dem Smartphone". Sie stellte sich als Sch├╝lerin der ├Ârtlichen Berufsschule vor, einer "Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage" ÔÇô "mal schauen, ob ich am Donnerstag noch dorthin darf." Die Demonstration zog anschlie├čend zur├╝ck zu ihrem Startpunkt. Dabei wurde "Nationaler Sozialismus! Jetzt! Jetzt! Jetzt!" skandiert.

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Mehrere Reporter wurden bedr├Ąngt, ein "taz"-Reporter von der Polizei in Sicherheit gebracht, ein Journalist von Buzzfeed News wurde geschubst und ihm wurde das T-Shirt zerrissen, als ihn Teilnehmer erkannten.

B├╝rgermeister riet von Teilnahme ab

Mit weniger als 100 Teilnehmern hatte um 18 Uhr eine Demonstration "Rassistische Hetzjagden verhindern, bevor sie entstehen" begonnen, die die Linken-Politikerin Henriette Quade angemeldet hatte. Die Teilnehmerzahl wuchs danach noch auf 200.

K├Âthens B├╝rgermeister Bernd Hauschild (SPD) war am Mittag mit anderen Politikern zum Tatort gekommen, um des Opfers zu gedenken. Um 16 Uhr begann eine Gedenkveranstaltung in der zentralen St.-Jacobs-Kirche.

Hausschild sagte, er habe mit gro├čer Best├╝rzung vom Tod des 22-J├Ąhrigen erfahren. Er rief auf Facebook auf, nicht am "Trauermarsch" teilzunehmen.

Der junge Mann war nach einem Streit am Samstagabend gestorben. Die Polizei teilte am Abend mit, nach dem vorl├Ąufigen Obduktionsergebnis sei der junge Mann einem akuten Herzversagen erlegen. Dieses stehe nicht im direkten kausalen Zusammenhang mit den erlittenen Verletzungen.

Trauer: Menschen gedenken w├Ąhrend einer Andacht in der St.-Jacob-Kirche in K├Âthen des get├Âteten 22-J├Ąhrigen.
Trauer: Menschen gedenken w├Ąhrend einer Andacht in der St.-Jacob-Kirche in K├Âthen des get├Âteten 22-J├Ąhrigen. (Quelle: dpa-bilder)

Zwei Afghanen im Alter von 18 und 20 Jahren waren festgenommen worden. Die Polizei teilte am Abend mit, dass das zust├Ąndige Amtsgericht Dessau-Ro├člau gegen beide Haftbefehle wegen K├Ârperverletzung mit Todesfolge erlassen hat. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen einen der M├Ąnner zuvor nur einen Haftbefehl wegen gef├Ąhrlicher K├Ârperverletzung beantragt, das Gericht habe das aber anders eingesch├Ątzt.

Was "K├Ârperverletzung mit Todesfolge bedeutet"

Bei K├Ârperverletzung mit Todesfolge liegt die Mindeststrafe bei drei Jahren. Das Delikt ist dadurch definiert, dass der T├Ąter durch die K├Ârperverletzung den Tod der verletzten Person verursacht, aber die andere Person nicht t├Âten wollte.

Die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtete, Zeugen zufolge sei Markus B. mehrfach gegen den Kopf getreten worden und er habe gerufen, er bekomme keine Luft mehr. Die Zeitung meldete auch, dass der junge Mann eine Vorerkrankung hatte. Olaf Braun, Sprecher der ├Ârtlichen Staatsanwaltschaft, wollte das jeweils nicht best├Ątigen. "Wir kennen diese Information aus sozialen Medien, aber wir haben daf├╝r keine Best├Ątigung."

In sozialen Netzwerken kursiert auch ein Tondokument, in dem eine Frau schildert, wie sie die Situation erlebt und versucht hat, Markus B. wiederzubeleben. Die Echtheit der Aufzeichnung ist unklar. Ein Sprecher der Polizeidirektion Ost sagte t-online.de, er kenne das Dokument nicht. Unsere Redaktion hat es an die Polizei weitergeleitet.

Darin berichtet die Frau, dass andere Fl├╝chtlinge Markus B. zun├Ąchst geholfen h├Ątten, als er bei einem Streit schlichten wollte, dann aber von den T├Ątern vertrieben worden seien.

Die T├Ąter h├Ątten zum Treten "ausgeholt wie beim Fu├čball" und Markus B. gegen den Kopf getreten. Sie schildert auch, dass Markus B. blau angelaufen sei. Die Polizei dementierte einen Tag sp├Ąter diese Darstellung, der Obduktionsbericht schloss Gewalt gegen den Kopf als Todesursache aus.

Ein Tatverd├Ąchtiger sollte abgeschoben werden

Wegen K├Ârperverletzung mit Todesfolge war auch der Mann verurteilt worden, der 2014 in Offenbach auf einem Parkplatz Tugce A. niedergeschlagen hatte. Bei dem dadurch ausgel├Âsten Sturz hatte sie so schwere Kopfverletzungen erlitten, dass sie daran starb. Der T├Ąter wurde nach Jugendstrafrecht zu drei Jahren Gef├Ąngnis verurteilt und 2017 nach Serbien abgeschoben.

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Landrat Uwe Schulze (CDU) sagte dem MDR Sachsen-Anhalt, einer der beiden Afghanen sei als Fl├╝chtling anerkannt, der andere habe abgeschoben werden sollen. Wegen laufender Ermittlungen gegen ihn wegen gef├Ąhrlicher K├Ârperverletzung sei das noch nicht erfolgt, aber unmittelbar geplant gewesen, berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung".

Anm. d. Red.: In einer fr├╝heren Version hatten wir von Herzinfarkt geschrieben. Die Polizei spricht von Herzversagen. Au├čerdem hatten wir von "Gef├Ąhrlicher K├Ârperverletzung mit Todesfolge" berichtet. Der Straftatbestand hei├čt aber korrekt "K├Ârperverletzung mit Todesfolge".

Auf der Pressekonferenz am Montag stellte die Landesregierung den vorl├Ąufigen Obduktionsbericht vor. Demnach wird von "Herzversagen" als Todesursache gesprochen, Gewalt gegen den Kopf des Verstorbenen als Todesursache wurde ausgeschlossen.

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