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Margot Honecker vermisst Deutschland

Margot Honecker vermisst Deutschland

07.02.2012, 08:50 Uhr | dapd

Margot Honecker vermisst Deutschland . Margot Honecker hat sich in Chile dem Zugriff der deutschen Justiz entzogen (Quelle: dpa)

Margot Honecker hat sich in Chile dem Zugriff der deutschen Justiz entzogen (Quelle: dpa)

Die in Chile lebende Witwe des früheren Staats- und Parteichefs Erich Honecker, Margot Honecker, hat offenbar Sehnsucht nach Deutschland. "Sie lebt mit dem Kopf in Deutschland", sagte der Berliner Autor Frank Schumann, der die 84-Jährige in Chile traf, dem "Berliner Kurier". Am meisten vermisse sie die Wälder und die Pilze.

Schumann beschreibt sie als "sehr selbstbewusst", "tough", "sportiv" und "intellektuell voll wach". Über Deutschland informiere sie sich über das Internet, in dem sie täglich fünf bis sechs Stunden surfe.

Strafanträge gegen Margot Honecker

Margot Honecker wurde 1963 Ministerin für Volksbildung der DDR. Sie wirkte maßgeblich am "Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem" und führte gegen den Widerstand der Kirchen und vieler Eltern den Wehrunterricht für Schüler der 9. und 10. Klassen ein.

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Nach der Wende gab es Strafanträge gegen Margot Honecker mit dem Vorwurf, sie habe in Fällen von Inhaftierung politisch Unliebsamer oder bei Republikflucht Zwangsadoptionen von Kindern der Betroffenen angeordnet, die Kinder gegen deren Willen von ihren Eltern getrennt und zur Adoption an Fremde weitergegeben. Direkte Anweisungen von ihr an die Jugendhilfen ließen sich jedoch nicht nachweisen.

Flucht nach Chile

Als im Dezember 1990 gegen Erich Honecker Haftbefehl erging, floh er mit seiner Frau in den Bereich des Militärhospitals der sowjetischen Streitkräfte in den Beelitz-Heilstätten, von wo das Ehepaar im März 1991 nach Moskau ausgeflogen wurde. Aus Sorge vor Auslieferung nach Deutschland flüchteten sie im August 1991 in die Moskauer chilenische Botschaft.

Erich Honecker wurde im Juli 1992 doch nach Deutschland ausgeliefert. Margot Honecker reiste weiter nach Santiago de Chile zur Familie ihrer Tochter Sonja. Sämtliche Ermittlungsverfahren gegen sie mussten schließlich eingestellt werden, da sie für die bundesdeutsche Justiz nicht mehr greifbar war.

Der ehemalige Staatsratsvorsitzende der DDR Erich Honecker trug als Sicherheitssekretär des Zentralkomitees auch die Verantwortung für den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze. Nach Angaben der Zentralen Ermittlungsgruppe für Regierungs- und Vereinigungskriminalität wurden durch diesen Befehl mindestens 421 Menschen getötet. Das Mauermuseum am Checkpoint Charlie geht sogar von 1245 Getöteten aus. Honecker musste sich 1992 unter anderem wegen Totschlag im Zusammenhang mit dem Schießbefehl an der deutsch-deutschen Grenze vor Gericht verantworten. Er saß in Berlin-Moabit in Untersuchungshaft. Nach 169 Tagen Haft wurde der schwer krebskranke Honecker entlassen, das Verfahren eingestellt. Er flog umgehend zu seiner Frau nach Chile, wo der 81-Jährige im Mai 1994 seinem Krebsleiden erlag.

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