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"Er war ein unermüdlicher Verteidiger Israels"

Zum Tode von Ariel Scharon  

"Er war ein unermüdlicher Verteidiger Israels"

12.01.2014, 10:39 Uhr | dpa, rtr, t-online.de, AFP

"Er war ein unermüdlicher Verteidiger Israels". Israels früherer Ministerpräsident Ariel Scharon ist im Alter von 85 Jahren gestorben. (Quelle: Reuters)

Israels früherer Ministerpräsident Ariel Scharon ist im Alter von 85 Jahren gestorben. (Quelle: Reuters)

Israel nimmt am Montag mit einer staatlichen Trauerfeier im Parlament Abschied von seinem verstorbenen Ex-Regierungschef Ariel Scharon. Das anschließende Begräbnis findet am Nachmittag auf Scharons Ranch in der Negev-Wüste im Süden des Landes statt, wie Medien unter Berufung auf die mit der Organisation des Begräbnisses betraute Minister-Kommission berichten. Am Sonntag wurde Scharons Leichnam vor dem Parlament in Jerusalem aufgebahrt.

Die Trauerfeier am Montag, zu der unter anderen auch US-Vizepräsident Joe Biden erwartet wird, beginnt den Berichten zufolge um 8.30 Uhr (MEZ). Scharon war am Samstag in einem Krankenhaus bei Tel Aviv im Alter von 85 Jahren gestorben. Vor acht Jahren erlitt er einen schweren Schlaganfall und lag seither im Koma. Ärzte hatten zuletzt multiples Organversagen diagnostiziert.

Der israelische Präsident Schimon Peres würdigte seinen langjährigen Weggefährten mit bewegenden Worten: "Mein lieber Freund, Ariel Scharon, hat heute seinen letzten Kampf verloren. Ariel war ein tapferer Soldat und kühner Führer, der sein Land liebte, und sein Land liebte ihn. Er war einer der größten Beschützer und wichtigsten Architekten Israels, der keine Furcht kannte und bestimmt keine Furcht vor Zukunftsvisionen hatte. Er wusste, wie man schwierige Entscheidungen trifft und durchsetzt. Wir alle liebten ihn, und er wird eine große Lücke reißen. Ich spreche der Familie mein Beileid aus, möge er in Frieden ruhen."

"Ein israelischer Patriot"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte: "Ariel Scharon war ein israelischer Patriot, der sich große Verdienste um sein Land erworben hat. Mit seiner mutigen Entscheidung, die israelischen Siedler aus dem Gazastreifen abzuziehen, hat er einen historischen Schritt auf dem Weg zu einem Ausgleich mit den Palästinensern und zu einer Zwei-Staaten-Lösung getan."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) würdigte Scharon ebenfalls. "Ariel Scharon war buchstäblich von Beginn an ein unermüdlicher Verteidiger seines geliebten Heimatlandes Israel", erklärte er in Berlin. "Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme ist mit seiner Familie und seinen Angehörigen."

Der britische Premierminister David Cameron bezeichnete Scharon als eine der signifikantesten Figuren in der israelischen Geschichte. "Als Premierminister hat er tapfere und kontroverse Entscheidungen getroffen, um nach Frieden zu streben." Frankreichs Präsident François Hollande würdigte Sharon als "wichtigen Akteur in der Geschichte" Israels, Kremlchef Wladimir Putin bezeichnete ihn als Verteidiger seines Volkes.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton erklärte, Scharon habe sein Leben dafür gegeben, Israel zu schützen. "Es war eine Ehre, mit ihm zu arbeiten, zu diskutieren und zuzusehen, wie er stets versuchte, den richtigen Weg für sein geliebtes Land zu finden."

Zweite Intifada ausgelöst

Der frühere Armeegeneral, der seiner Autobiografie den Titel "Krieger" gab, war im Februar 2001 für die konservative Likud-Partei erstmals zum israelischen Ministerpräsidenten gewählt worden.

Vier Monate vorher hatte der Rechtspolitiker mit seinem demonstrativen Besuch auf dem Ost-Jerusalemer Tempelberg die zweite Intifada ausgelöst, die von zahlreichen Selbstmordanschlägen palästinensischer Nationalisten geprägt war.

Überraschende Kursänderung

Nachdem er zunächst die israelische Siedlungspolitik in den Palästinensergebieten vorbehaltlos unterstützt hatte, änderte Scharon nach seiner Wiederwahl im Jahr 2003 überraschend seinen Kurs und verfolgte eine "einseitige Trennung" von manchen Palästinensergebieten. 2005 setzte er den israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen und die Auflösung der dortigen jüdischen Siedlungen durch.

Da Scharon deshalb seine Machtbasis in der Likud-Bewegung verlor, verließ er diese im November 2005 und gründete sechs Wochen vor seinem Schlaganfall die Zentrumspartei Kadima.

Negatives Bild in den Nachbarländern

Trotz seiner zuletzt kompromissbereiteren Haltung im Nahostkonflikt wird die Rolle Ariel Scharons von den Palästinensern und in den arabischen Nachbarländern sehr negativ bewertet. Während die israelischen Medien ihm wegen seines politischen Stils und seiner Statur den Beinamen "Bulldozer" gaben, bezeichnen ihn die Araber immer wieder als "Schlächter von Beirut".

Damit erinnern sie an die Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila, die von libanesischen Christenmilizen 1982 unter den Augen israelischer Besatzungstruppen begangen wurden; Scharon war seinerzeit Verteidigungsminister.

Palästinenser enttäuscht

Scharon sei ein "Verbrecher" gewesen, sagte kurz nach der Todesnachricht ein Vertreter der palästinensischen Fatah, Dschibril Rabub. Scharon sei auch für die "Ermordung" des langjährigen palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat verantwortlich gewesen. Die Palästinenser hätten gehofft, dass sich Scharon "vor dem Internationalen Strafgerichtshof als Kriegsverbrecher hätte verantworten müssen".

Die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas erklärte Scharons Tod zum "historischen Augenblick". Mit Scharon sei ein "Verbrecher" gestorben, "dessen Hände mit palästinensischem Blut besudelt sind".

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