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Cornelius Gurlitt stirbt in München: Er war seit Monaten krank

Nach Herz-OP nicht erholt  

Kunstsammler Cornelius Gurlitt ist tot

06.05.2014, 18:11 Uhr | AFP, dpa

Der Kunstsammler Cornelius Gurlitt ist tot. Er starb am Dienstag am späten Vormittag im Alter von 81 Jahren in seiner Münchner Wohnung, wie sein Sprecher Stephan Holzinger bestätigte.

Gurlitt, der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, war seit Monaten schwer krank. Er hatte sich nach Angaben seines Sprechers nicht mehr von einer schweren Herzoperation erholt.

Gurlitt sei im Beisein seines Arztes und seines Pflegers verstorben. Nach der Herz-OP und einem wochenlangen Aufenthalt in einer Klinik sei es sein Wunsch gewesen, in seine Schwabinger Wohnung zurückzukehren. Dort sei er in den letzten Wochen rund um die Uhr pflegerisch betreut und versorgt worden.

Ins Visier der Justiz geraten

Gurlitt befand sich seit Ende vergangenen Jahres unter amtlicher Betreuung. Wie sein Sprecher gemeinsam mit seinem Rechtsanwalt und Betreuer weiter mitteilte, endet mit dem Tod Gurlitts auch das Betreuungs- und Ermittlungsverfahren.

Gurlitt war im Herbst 2011 zufällig ins Visier der Justiz geraten. Bei einer Durchsuchung in seiner Schwabinger Wohnung entdeckten die Ermittler dann im Februar 2012 rund 1400 Meisterwerke, von denen viele seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen galten. Dazu zählten Werke von Picasso, Chagall, Matisse, Beckmann und Nolde.

Bilder lagern an einem geheimen Ort

Wie es nun mit dem millionenschweren Nachlass weitergeht, ist offen. Gurlitt hatte keine eigenen Nachkommen, seine einzige Schwester ist verstorben, hinterließ aber ihren Mann.

"Es ist Aufgabe des Nachlassgerichts zu ermitteln, ob es ein gültiges Testament und/oder einen Erbvertrag gibt", teilte Gurlitts Sprecher Holzinger mit. Die Zukunft der wertvollen Kunstsammlungen in München und Salzburg, wo Gurlitts Betreuer später zahlreiche weitere wertvolle Bilder fanden, ist damit noch ungewiss. Sie lagern weiter an einem geheimen Ort.

Beschlagnahmung im April aufgehoben

Unter dem Verdacht der Unterschlagung beschlagnahmten die Behörden damals die Bilder, von denen mehrere hundert in die Kategorie NS-Raubkunst fallen könnten. Erst im April hatte die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahmung nach einer Einigung mit Gurlitt wieder aufgehoben.

Anfang April hatte Gurlitt der Bundesregierung und dem Freistaat Bayern vertraglich zugesichert, seine millionenschwere Sammlung auch nach dem Ende der Beschlagnahme von Experten untersuchen zu lassen und unter Nazi-Raubkunstverdacht stehende Werke gegebenenfalls zurückzugeben. Daraufhin gab die Staatsanwaltschaft Augsburg die Werke frei.

Der Tod des 81-Jährigen ändert nach Angaben des bayerischen Justizministeriums nichts an der Vereinbarung. Danach sollen die Besitzverhältnisse der Bilder geklärt werden und im Fall eines unrechtmäßigen Besitzes faire Lösungen mit den rechtmäßigen Besitzern getroffen werden. "Die geschlossene Vereinbarung bindet auch die Erben", sagte eine Sprecherin des Justizministeriums.

Anerkennung und Respekt für Gurlitt

Die Kulturstaatsministerin der Bundesregierung, Monika Grütters (CDU), würdigte Gurlitt wegen der Vereinbarung mit den Regierungsstellen. "Es wird ein Verdienst von Cornelius Gurlitt bleiben, dass er als Privatperson mit diesem Bekenntnis zur moralischen Verantwortung ein beispielhaftes Zeichen für die Suche nach fairen und gerechten Lösungen gesetzt hat. Für diesen Schritt wurde ihm zu Recht Anerkennung und Respekt entgegengebracht."

Der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) erklärte, Gurlitt habe an seinem Lebensabend "eine großmütige Entscheidung getroffen". Er habe mit der Vereinbarung dafür Sorge getragen, dass die Erforschung der Herkunft der Bilder auf jeden Fall weitergehen kann. Damit könne nationalsozialistisches Unrecht aufgearbeitet werden.

Zurückgezogenes Leben in Schwabing

Bis er in das Zentrum der wohl spektakulärsten Kunstsensation der vergangenen Jahrzehnte geriet, hatte Gurlitt ein zurückgezogenes Leben in seiner Schwabinger Wohnung und seinem Haus in Salzburg geführt. "Mehr als meine Bilder habe ich nichts geliebt in meinem Leben", sagte er in seinem einzigen Interview im "Spiegel".

Gurlitt hatte verstört auf das weltweite öffentliche Interesse reagiert: "Ich bin doch nicht Boris Becker, was wollen diese Menschen nur von mir? Ich bin doch etwas ganz Stilles. Ich habe doch nur mit meinen Bildern leben wollen."

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