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Sterbehilfe: Diese Frau will sich am 1. November das Leben nehmen

Krebskranke Amerikanerin will nicht leiden  

"Ich hoffe, dass ich in Frieden sterben werde"

12.10.2014, 14:19 Uhr | t-online.de

Sterbehilfe: Diese Frau will sich am 1. November das Leben nehmen. Brittany Maynard will im Kreise der Familie in Würde sterben - noch aber fühlt sie sich nicht bereit dazu. (Quelle: thebrittanyfund.org)

Brittany Maynard will im Kreise der Familie in Würde sterben - noch aber fühlt sie sich nicht bereit dazu. (Quelle: thebrittanyfund.org)

Mit 29 Jahren hat Brittany Maynard ihren Tod im Detail geplant. Die Ärzte geben der krebskranken Frau aus Portland im US-Bundesstaat Oregon, die an einem aggressiven Hirntumor leidet, nur noch wenige Monate. Die US-Amerikanerin will in ihrem Ehebett sterben, mit ihrem Mann und ihrer engsten Familie an der Seite. Dazu soll leise Musik spielen, wenn sie ein tödliches Betäubungsmittel schluckt. Brittany hofft, dass sie damit anderen helfen kann.

"Ich hoffe, dass ich in Frieden sterben werde", sagt die todkranke Amerikanerin in einem Video, das im August aufgezeichnet wurde und das sie vor einer Woche ins Netz stellte.

Tödlicher Tumor kam nach Hochzeit

Mutter Debbie Ziegler beschreibt ihre Tochter in dem Video als reiselustige, sportliche Abenteurerin. 2012 hatte sie auf einem Weingut in ihrem Heimatstaat Kalifornien ihren Freund Dan Diaz (42) geheiratet. Kurz danach fingen die starken Kopfschmerzen an, erzählt Brittany.

Im vorigen Januar erhielt sie die tödliche Diagnose. Die Ärzte operierten und gaben ihr zunächst weitere drei bis zehn Jahre. Doch der Tumor kam noch aggressiver zurück und nach ärztlicher Diagnose würde der Tumor sie in wenigen Monaten qualvoll töten. Danach war die junge Frau von San Francisco nach Portland umgezogen, weil Sterbehilfe dort erlaubt ist.

"Die Reise" beginnt nach dem Geburtstag ihres Mannes

Brittany Maynard weiß auch schon, wann sie aus dem Leben scheiden möchte. Sie hat den 1. November gewählt - Ende Oktober will sie noch den Geburtstag ihres Mannes erleben. Ihre restlichen Tage "auf dieser wunderbaren Erde" wolle sie mit ihrer Familie und möglichst in der Natur verbringen, sagt Maynard in dem Video. Ihr Gesicht ist von den starken Krebsmedikamenten sichtlich geschwollen.

"Brittany hat Krampfanfälle und starke Schmerzen und braucht rund um die Uhr Hilfe", sagt Gwen Fitzgerald, Sprecherin der Sterbehilfe-Organisation "Compassion & Choices". "Wir wissen nicht genau, ob sie es am 1. November tatsächlich tun wird. Natürlich kann sie ihre Meinung noch ändern." Maynard arbeitet eng mit der Organisation zusammen.

Die Medikamente hat sie bei sich zu Hause in einer kleinen Tasche parat, wie Maynard in ihrem sechsminütigen Video zeigt. "Ich kann es kaum in Worte fassen, wie erleichtert ich bin, dass ich nicht den Tod erleiden muss, den der Tumor mir bereiten würde." Sie wünsche sich eine Welt, in der jeder in Würde sterben kann. "Meine Reise ist einfacher, weil ich diese Wahl habe."

Aushängeschild der Sterbehilfe-Bewegung

Ihr freimütiges Bekenntnis für die Sterbehilfe sorgt in den USA seit Tagen für Schlagzeilen. Ihr Fall wird in den Nachrichten, in Talkshows und in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. "Die Reaktionen von euch allen haben unsere kühnsten Erwartungen übertroffen", schreibt die Todkranke auf ihrer Webseite. Im Namen ihrer Familie bedankt sie sich für "die Welle von Liebe und Unterstützung".

Es gibt aber auch kritische Stimmen: Es störe ihn, dass sie öffentlich ein Datum für ihren Tod festgesetzt habe, sagte beispielsweise der Bioethiker Arthur Caplan vom Langone Medical Center der New York University dem US-Sender CNN. Selbsttötung sollte das letzte Mittel sein. "Mit dem Termin setzt sie sich selbst unter Druck", befürchtet Caplan.

"Ihr Schicksal berührt viele Menschen, sie ist so jung und dennoch unglaublich entschlossen, etwas zu bewirken", sagte Fitzgerald von "Compassion & Choices". "Wir hoffen dasselbe wie Brittany, nämlich, dass ihre Geschichte Anstoß für Gesetzesänderungen ist, so dass mehr Menschen Zugang zu einem würdevollen Tod haben", erklärt Fitzgerald.

Sterbehilfe in USA umstritten

Aktive Sterbehilfe ist in den USA verboten. Aber die Beihilfe zur Selbsttötung, indem tödliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, ist in fünf Staaten. Den dortigen Sterbehilfegesetzen zufolge muss der unheilbar kranke Patient die tödliche Dosis selbst einnehmen, der Arzt darf dabei nicht helfen.

In Oregon trat der sogenannte "Death with Dignity Act" (Gesetz für ein Sterben in Würde) auf Drängen der Wähler bereits 1997 in Kraft. Nach den jüngsten Statistiken der Gesundheitsbehörde haben seither 1173 Sterbenskranke ein tödliches Betäubungsmittel verschrieben bekommen. 752 von ihnen hätten sich mit den Medikamenten tatsächlich das Leben genommen.

Die meisten Kirchen lehnen sie strikt ab. Gleichzeitig gibt es in sieben US-Staaten Initiativen für Gesetzesänderungen nach dem Vorbild von Oregon - dort, wo Brittany Maynard am 1. November sterben will.

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