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Brittany Maynard nimmt sich wie angekündigt das Leben

US-Amerikanerin wollte nicht leiden  

Krebskranke Brittany Maynard nimmt sich das Leben

03.11.2014, 10:09 Uhr | t-online.de, dpa, AFP

Brittany Maynard nimmt sich wie angekündigt das Leben. Die 29-jährige US-Amerikanerin Brittany Maynard  hat sich mit tödlichen Medikamenten das Leben genommen.  (Quelle: AP/dpa)

Die 29-jährige US-Amerikanerin Brittany Maynard hat sich mit tödlichen Medikamenten das Leben genommen. (Quelle: AP/dpa)

Es war ein öffentlicher Countdown bis zum Tod. Statt sich der zerstörerischen Kraft ihres Gehirntumors hinzugeben, hat die sterbenskranke US-Amerikanerin Brittany Maynard ihr Ableben selbst in die Hand genommen und sich mit Sterbehilfe-Medikamenten wie geplant das Leben genommen. Ein Sprecher der Gruppe "Compassion & Choices" (deutsch: "Mitgefühl und Wahlmöglichkeiten", Anm. der Red.) erklärte, dass die 29-Jährige von einem Arzt tödliche Medikamente verschrieben bekommen, diese eingenommen habe und anschließend bewusst eingeschlafen sei.

Die sterbenskranke Frau starb am Samstag "wie von ihr beabsichtigt - friedlich in ihrem Schlafzimmer, in den Armen ihrer Liebsten", wie der Sprecher Sean Crowley berichtete. Dafür war sie aus ihrer kalifornischen Heimat in den US-Staat Oregon gegangen, wo Sterbehilfe erlaubt ist.

Umgeben von ihren Liebsten

Zum Schluss sei alles so verlaufen, wie sie es sich unter diesen Umständen gewünscht hatte. Maynard lag im Schlafzimmer, umgeben von Menschen, die sie liebte. Ihren Mann, ihre Mutter, ihren Stiefvater und ihre beste Freundin wollte sie in diesen letzten Momenten ihres Lebens um sich haben. Die tödlichen Medikamente aus den gelben Plastikbehältern hatte die Krebskranke wie geplant eingenommen. 

Wochenlang hatte die Amerikanerin die Geschichte ihres Leidens erzählt, hatte Interviews gegeben und sich mit bewegenden Video-Botschaften an ein Millionenpublikum gewandt. Fest stand, dass das Krebsgeschwür sie nach ärztlicher Diagnose in wenigen Monaten qualvoll töten würde. Ihre Entscheidung, stattdessen mit einer Art öffentlichem Suizid dafür zu kämpfen, dass todkranke Menschen selbst über ihr Ableben entscheiden können, fachte die Debatte um aktive Sterbehilfe neu an.

Ihre letzte Reise

Maynard hatte vor Reportern angekündigt, sich an diesem Samstag das Leben zu nehmen - weniger als drei Wochen vor ihrem 30. Geburtstag. Später hatte sie sich allerdings zwischenzeitlich besser gefühlt und ihren Todestag verschoben.

Sie sagte, sie sei nicht von Selbstmordgedanken getrieben, wolle aber nach ihren eigenen Bedingungen sterben. Ihr Ehemann und weitere Angehörige hatten ihren Entschluss akzeptiert. "Am Anfang wollte meine Familie ein Wunder; sie wollten eine Heilung meines Krebs", hatte Maynard Anfang Oktober der Nachrichtenagentur AP gesagt. Nüchtern hatte sie festgestellt: "Wenn wir uns alle hinsetzen und auf die Fakten schauen, gibt es nicht eine unter den Personen, die mich lieben, die mir mehr Schmerzen und mehr Leid wünscht."

Vor ihrem Tod wollte Maynard auf jeden Fall noch den Grand Canyon sehen. Vergangene Woche stand sie dann im knallgelbem Hemd vor der Schlucht mit ihren schroffen, orangeroten Felswänden. Ein Foto auf ihrer Website zeigte, wie sie ihren Ehemann Dan vor der erhabenen Kulisse küsst.

Am Samstag verfasste Maynard schließlich eine Abschiedsnachricht und setzte sie per Facebook in die Welt. "Die Welt ist ein wunderschöner Ort, Reisen sind mein größter Lehrer gewesen, meine engen Freunde und meine Eltern sind die größten Geber. Ich habe sogar einen Ring der Unterstützung um mein Bett während ich tippe."

Gesetz zum "Sterben mit Würde"

Bei Maynard war am Neujahrstag ein Gehirntumor festgestellt worden, die Ärzte gaben ihr daraufhin noch rund sechs Monate zu leben. Maynard entschied sich gemeinsam mit ihrem Ehemann, von Kalifornien nach Oregon zu gehen, um von dem dortigen Sterbehilfe-Gesetz Gebrauch zu machen. In Oregon gibt es den "Death with Dignity Act" (deutsch: "Sterben-mit-Würde-Gesetz") bereits seit 1994. Oregon ist damit der erste US-Staat, der Sterbehilfe für unheilbar Kranke legal gemacht hatte.

Während in Maynards kalifornischer Heimat ein solcher Tod nicht erlaubt ist, nahmen in Oregon allein in diesem Jahr mehr als 750 Menschen Sterbehilfe in Anspruch. Von diesen waren nur sechs jünger als 35. Das Durchschnittsalter liegt bei 71 Jahren.

Wollte Todestag zunächst verschieben

Maynard hatte es in den USA zu nationaler Bekanntheit gebracht, weil sie sich für die Gruppe "Compassion & Choices" einsetzte. Die Organisation fordert, dass Sterbehilfe in den Vereinigten Staaten in deutlich mehr als lediglich einer Hand voll Staaten erlaubt wird, wie es bislang der Fall ist. Maynards Fall wurde auch über die US-Grenzen hinweg verfolgt, weil auch andere Länder über einen von Ärzten unterstützten Selbstmord debattieren.

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