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Gericht in Irland: Hirntote Schwangere darf sterben

Gericht in Irland stoppt künstliche Beatmung  

Hirntote Schwangere darf sterben

27.12.2014, 11:24 Uhr | AP

Gericht in Irland: Hirntote Schwangere darf sterben. Mediziner sind sich sicher, dass der Fötus im Bauch der hirntoten Frau nicht überleben kann. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mediziner sind sich sicher, dass der Fötus im Bauch der hirntoten Frau nicht überleben kann. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Über drei Wochen stritten Ärzte und Juristen in Irland darüber, ob eine hirntote Schwangere so lange künstlich beatmet werden soll, bis ihr Kind möglicherweise lebensfähig ist. Jetzt entschied ein Gericht, dass die Maschinen abgeschaltet werden dürfen. Grund für den Rechtsstreit ist die irische Verfassung, die das Lebensrecht ungeborener Kinder betont.

Die irische Klinik hat die künstliche Ernährung und Beatmung der hirntoten Frau beendet. Sie folgte damit einer Gerichtsentscheidung, die das Abschalten der Maschinen gestattete. Es sei klar, dass der 18 Wochen alte Fötus nicht bis zur Geburt überleben werde, argumentierten die drei Richter. Ein Baby ist in der Regel mit rund 24 Wochen selbst lebensfähig.

"Nichts als Elend und Tod" zu erwarten

Die Schwangere hatte bei einem Sturz schwere Kopfverletzungen erlitten und wurde am 3. Dezember für hirntot erklärt. Die Ärzte weigerten sich jedoch, die künstliche Beatmung abzuschalten, weil sie fürchteten, wegen Fahrlässigkeit oder sogar Mordes an dem Fötus vor Gericht gestellt zu werden. Daher mussten die Richter entscheiden, ob die Frau so lange an die Geräte angeschlossen bleiben sollte, bis das Baby entbunden werden könnte.

Die Richter des High Court in Dublin hörten sieben Ärzte als Zeugen an. Diese sagten aus, dass der Fötus zunehmend unter den hohen Körpertemperaturen und hohem Blutdruck der Frau sowie unter Infektionsgefahr leiden werde und weitere zwei Monate bis zu einer Geburt nicht überlebe.

Mehrere Zeugen sagten, der Körper der klinisch toten Frau sei kaum noch zu wiederzuerkennen. Er werde mit Medikamenten vollgepumpt, die bei einer lebenden Schwangeren nie gestattet würden. Es sei grotesk, eine solche Behandlung fortzusetzen.

Die Richter entschieden, das ungeborene Kind habe "nichts als Elend und Tod" zu erwarten. Es sei falsch, die Würde der Toten zu missachten und ihren Ehemann, ihre Eltern und Kinder in Verzweiflung zu stürzen, nur weil einige Mediziner Angst vor rechtlichen Konsequenzen hätten.

Irisches Parlament mehrheitlich gegen Abtreibung

Während die Angehörigen am Abend Abschied von der Toten nahmen, kritisierte die katholische Kirche, dass der Gesetzgeber keine klaren Anweisungen für solche Fälle erlassen habe. "Eine Frau ist nicht einfach ein Brutkasten", sagte der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin. Man müsse sehen, wie weit der Fötus entwickelt sei und welche Möglichkeiten es gebe. "Es gibt keine Verpflichtung, außerordentliche Maßnahmen zur Lebenserhaltung zu ergreifen. Das gilt für beide - die Frau und das Kind", so Martin.

Das Gericht ließ offen, ob in anderen Fällen von hirntoten Schwangeren anders entschieden wird, wenn sich der Fötus entscheidend näher am überlebensfähigen Alter befindet. Im aktuellen Fall, so befanden sie, habe keine Überlebenschance für das Ungeborene bestanden.

Das Thema Abtreibung beschäftigt gegenwärtig auch wieder einmal das irische Parlament. Immer mehr irische Abgeordnete sind dafür, Abtreibungen in Fällen von Vergewaltigung, tödlicher Missbildungen eines Fötus oder langfristiger gesundheitlicher Risiken für die Frau zu erlauben. In der vergangenen Woche lehnten Parlamentarier aber mit überwältigender Mehrheit einen Antrag der Opposition ab, Abtreibungen ganz zu legalisieren.

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