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Kriegsreporter im Irak: "Selbst Kinder kennen Merkel"

Kriegsreporter im Irak  

Mein Alltag an der Kurdistan-Front

30.01.2015, 12:34 Uhr | Von Özkan Canel Altintop, t-online.de

Kriegsreporter im Irak: "Selbst Kinder kennen Merkel". Mit den Peschmerga: Enno Lenze l. mit Helm und Tobias Huch r. (FDP) im Shingal Gebirge, im Hintergrund der Ort Sindschar. (Quelle: Enno Lenze)

Mit den Peschmerga: Enno Lenze l. mit Helm und Tobias Huch r. (FDP) im Shingal Gebirge, im Hintergrund der Ort Sindschar. (Quelle: Enno Lenze)

Ob Irak oder Syrien: Kriegsreporter arbeiten oft unter hohen Risiken. Laut dem Committee to Protect Journalists (CPJ) sind im vergangenen Jahr allein 5 Reporter im Irak umgekommen. In Syrien waren es sogar 17 Journalisten. t-online. de sprach mit Enno Lenze. Der Journalist und Aktivist kommt gerade aus dem Irak zurück. Lenze bereitet sich nicht auf den Tod vor: "Wenn man das macht, dann hat man Angst davor", sagt der gebürtige Ruhrpottler.

t-online.de: Guten Tag Herr Lenze, wie geht es Ihnen?

Enno Lenze: Vielen Dank. Mir geht es gut.

Sie waren als Kriegsreporter im Irak. Wo genau?

In verschiedenen Teilen des Landes. In Dohuk und den Bergen drum herum. Von dort sind wir zum Sindschar-Gebirge gefahren und dann bis an die Grenze des Ortes Sindschar, in das Gebiet das bis vor ein paar Wochen noch ISIS-Gebiet war. Davor gehörte es zum Irak und wurde jetzt von Kurden eingenommen.

Wo haben Sie übernachtet?

Im Hotel. Auch wenn man an der Front ist, so ist die Gegend relativ wohlhabend und gut ausgebaut. Da gibt es über Sheraton, Diwan und Hilton eigentlich alle großen Hotelketten und haufenweise kleinere Hotels. Eine Nacht haben wir bei den Peschmerga in einem Ausbildungslager verbracht.

Wie haben Sie Ihren Tag gestartet?

Jeder Tag startet anders. Im Normalfall haben wir uns am Tag vorher überlegt, was wir machen wollen. Immer mal war es dann so, dass wir nach Kontakten angefragt haben. Dann auch mit den Peschmerga redeten, um zu erfahren, können wir unseren Plan heute machen. Was erlaubt die Tageslage. Alleine kann man das aber nicht machen, weil das ein gefährlicher Bereich ist.

Klingt auch irgendwie nach Abenteuer. Gehört die Abenteuerlust zu Ihrem Beruf dazu?

Jein. Abenteuer in dem Sinne nicht, sondern eher die Neugier, zu wissen, wie die Welt wirklich aussieht. Diese Neugier überwiegt dann auch das, was eigentlich gefährlich ist. Dass heißt, wer Abenteuer sucht, steigt eher auf hohe Berge. Ich weiß, das ist gefährlich, aber ich will es einfach wissen. Man sollte aber nicht allzu schreckhaft sein.

Bereitet man sich auf den Tod vor?

Nein, das eigentlich nicht. Wenn man das macht, dann hat man Angst davor. Man weiß, dass es gefährlich wird und man versucht, Risiken abzuwägen. Die ganz schlimmen Risiken versucht man zu umgehen. Man trägt einen Helm und eine dicke schusssichere Weste, um die offensichtlichen Probleme abzustellen. Man überlegt sich vorher, was für Waffen die andere Seite hat. Ab welcher Distanz wird es gefährlich. Es gab Sachen, die wir nach Abwägung auch abgelehnt haben, von der Risikobewertung her.

Wie denken Sie über den ISIS?

Da sind drei Schichten im Prinzip. Man hat in der Basis die Leute, die man auch im Fernsehen sieht. Also so richtig verstrahlte Dschihadisten, die ernsthaft an das glauben, was sie da tun. Die sind aber das Kanonenfutter. Da drüber kommen dann die Kommandanten der einzelnen Truppen. Sehr viele tschetschenische Söldner, die einfach angemietet werden, die dann in den mittleren Rang des ISIS gehören. Oben drüber sind alte Generäle aus Saddams Zeiten. Das Problem bei denen ist, dass sie sehr kriegserfahren sind, sehr sehr gut die Gegend kennen und vor allen Dingen wissen, wie die irakische Armee reagiert und wie die Peschmerga reagieren. Die sind praktisch die Drahtzieher dahinter, denen es nur um Macht und Geld geht. Ganz gefährlich macht die Sache auch, dass Soldaten eigentlich nicht sterben wollen, bei der Basis von der ISIS ist es aber so, dass sie bereitwillig sterben.

Wie denken die Kurden über Deutschland?

Extrem gut. Was mich sehr gewundert hat, selbst im Sindschar-Gebirge, wo die Jesiden leben, die eigentlich wenig Kontakt zur Außenwelt pflegen, kannten alle Kanzlerin Merkel und die kannten alle MILAN, die Raketenwerfer. Selbst die Kinder – MILAN und Merkel kannte man. Die haben auch alle noch im Kopf, das Deutschland in den 90er Jahren viele kurdische Flüchtlinge aufgenommen hat.  Alle wissen, dass die Kurden von der Bundeswehr das Training bekommen, und die allerersten panzerbrechende Waffen erhalten haben, die dafür sorgten, dass sie nach der Patt-Situation mit dem ISIS die Oberhand gewinnen konnten. Was es eigentlich trivial auf den Punkt bringt – die Paar Raketenwerfer aus den 70er Jahren, die wir geliefert haben, weil wir sie nicht mehr brauchen, haben dazu geführt, dass sie in 48 Stunden 3000 km² von dem ISIS geräumt haben.

Sollte Deutschland die Kurden weiter unterstützen?

Ja! Man müsste aber sehr differenzieren. Die Kurden im Nordirak also die Peschmerga-Truppen sind eine reguläre Armee und auch in der irakischen Verfassung verankertes Militär. Diese sollte man unterstützen. Die haben jetzt den ISIS bekämpft. Zudem haben sie in der gesamten Vergangenheit noch nie Waffen verkauft oder verbummelt und sie haben außer zwei Ausnahmen, auch als sie gegen Saddam gekämpft haben, noch nie Rache verübt. Sie haben keine Massaker verübt, als sie die Möglichkeit dazu hatten.

Anders ist es bei den Kurden in Syrien oder in der Türkei. Da war ich nicht, die Leute kenne ich auch nicht gut. Aber denen würde ich nicht ohne weiteres Waffen liefern. Weil sie keine kontrollierten Truppen sind von einer Regierung und auch gar nicht Rechenschaft ablegen müssten.

Sicher haben Sie auch schreckliche Dinge gesehen. Wie verarbeiten Sie Ihre Erlebnisse?

Ja durchaus. Zum einen schreibe ich ja meine Berichte nachher runter und ich spreche auch mit Leuten. Das tut mir eigentlich ganz gut. Zum anderen durch gutes Vorbereiten. Den Plan vorliegen haben, damit man in realistischen Situationen keine Panik bekommt.

Enno Lenze ist Unternehmer, Journalist und Aktivist. Er studierte Rechtswissenschaften und Informationstechnik in Bochum und Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Reporter in Krisengebieten ist er Geschäftsführer mehrerer Unternehmen.

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