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Letztes Interview: Grass warnte vor drittem Weltkrieg

Letztes Interview veröffentlicht  

Grass warnte vor drittem Weltkrieg

14.04.2015, 19:07 Uhr | dpa

Letztes Interview: Grass warnte vor drittem Weltkrieg. Günter Grass hat vor den Auswirkungen globaler Krisen gewarnt. (Quelle: dpa)

Günter Grass hat vor den Auswirkungen globaler Krisen gewarnt. (Quelle: dpa)

Günter Grass lebte und starb als politischer Mahner und kritische Stimme. In einem nun veröffentlichten, letzten Interview äußerte der Autor große Angst vor einem dritten Weltkrieg und verriet, was seine berühmte Romanfigur Oskar Matzerath heute tun würde.

"Wir steuern auf den dritten großen Krieg zu", sagte der Literaturnobelpreisträger in einem Interview der spanischen Zeitung "El País", das nach Angaben des Blattes am 21. März in Lübeck geführt und nun erstmals veröffentlicht wurde. "Es gibt überall Krieg. Wir laufen Gefahr, die selben Fehler wie früher zu machen. Ohne es zu merken, als wären wir Schlafwandler, können wir in einen neuen Weltkrieg gehen", warnte er. Der Autor des Romans "Die Blechtrommel" war am Montagmorgen im Alter von 87 Jahren in einem Lübecker Krankenhaus gestorben.

Schwere Vorwürfe gegen die USA

Grass analysierte in dem Gespräch die aktuelle Situation kritisch: "Heute haben wir auf der einen Seite die Ukraine, deren Situation einfach nicht besser wird. In Israel und Palästina wird es immer schlimmer. Im Irak haben uns die Amerikaner ein Desaster hinterlassen. Es gibt die Gräueltaten des Islamischen Staates und das Problem in Syrien, das fast aus den Nachrichten verschwunden ist, obwohl sich die Menschen dort weiter gegenseitig umbringen."

Die Europäer rief Grass dazu auf, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verstehen und sich nicht so sehr von den Interessen der USA leiten zu lassen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion seien "keine ernsthaften Versuche" unternommen worden, unter Einbeziehung Russlands eine neue Sicherheitsallianz zu gründen. Das sei ein Riesenfehler gewesen. "Der Ukraine wird ein Beitritt in die EU und danach in die Nato versprochen, da ist es nur logisch, dass ein Land wie Russland nervös reagiert."

"Es wird nichts getan"

Neben den vielen politischen Konflikten beklagte Grass im Gespräch auch "das soziale Elend überall auf der Welt" sowie die Probleme der Überbevölkerung, des Klimawandels und des Atommülls, "deren Folgen gar nicht beachtet werden". "Es gibt ein Treffen nach dem anderen, aber die Problematik bleibt bestehen: Es wird nichts getan", meinte er. Der Kapitalismus zerstöre sich unterdessen selbst. "All diese irrationalen Mengen Geld, die weltweit fließen, haben mit der Realwirtschaft nichts mehr zu tun."

Im 20. Jahrhundert sei "die Unvernunft weniger ausgeprägt" gewesen. Seine "Blechtrommel"-Figur Oskar Matzerath wäre nach Überzeugung von Grass dieser Tage "ein anderer Mensch", der gegen "andere Widerstände" würde kämpfen müssen. "Heute wäre er ein Computer-Freak, ein Hacker oder so etwas Ähnliches."

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