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Burkini-Verbot - ein Kommentar: "Ich liebe Deutschland so, wie es ist"

Burkas, Burkinis und Verbote  

"Ich liebe Deutschland so, wie es ist"

28.08.2016, 10:46 Uhr | Von Laila Abroudi, t-online.de

Burkini-Verbot - ein Kommentar: "Ich liebe Deutschland so, wie es ist". Junge Burkini-Trägerin in einem Freiburger Hallenbad (Quelle: dpa)

Junge Burkini-Trägerin in einem Freiburger Hallenbad (Quelle: dpa)

t-online.de hat in den vergangenen Tagen zwei unterschiedliche Kommentare zum mittlerweile gekippten Burkini-Verbot an Frankreichs Stränden veröffentlicht. Heute antwortet t-online.de-Mitarbeiterin Laila Abroudi, eine "Burkini tragende Feministin":  

Ich bin Muslimin und trage am Strand einen Burkini. Lange ging es ja hauptsächlich um das Kopftuch, dann kam die Burka-Debatte. Nach dem Terroranschlag von Nizza - ein Drittel der Opfer waren übrigens Glaubensbrüder und -schwestern von mir - hat sich die Diskussion an den Strand verlegt. 

Die muslimische Frau, die befreit werden muss

Auch wenn Frankreich das Burkini-Verbot am Freitag gekippt hat: Die Diskussion und die Argumente, werden dieselben bleiben. Mal ist die muslimische Frau das arme Opfer, das befreit werden muss, mal ist sie die Provokateurin, die sich nur für diese Kleidung entschieden hat, um andere zu ärgern und Angst zu schüren. 

Ist es aber nicht paradox, jemanden von seinen Zwängen befreien zu wollen, indem man ihn zu etwas zwingt - in diesem Fall, eine bestimmte Bekleidung abzulegen? Kann man Frauen wirklich zu ihren freiheitlichen Rechten verhelfen, indem man ihnen im Gegenzug andere Rechte nimmt? 

Ich betrachte mich als junge, integrierte Muslima, deren Kopftuch eine innere religiöse Einstellung zum Ausdruck bringt. Und auch, wenn es sich für manche seltsam anhören mag: Es symbolisiert für mich meine persönliche Freiheit. Mit dem Kopftuch kann ich mein "Inneres" und mein "Äußeres" miteinander in Einklang bringen.

Kopftuch als Symbol des Sexismus 

Ich bin mir bewusst, dass ich in einem christlich geprägten Land lebe, in dem das Kopftuch auf viele "fremd" wirkt. Aber auch das hat mich nie daran gehindert, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und "integriert" zu sein.

Wie die meisten Muslime käme ich nie auf die Idee, Frauen, die kein Kopftuch tragen, zu unterstellen, sie seien auf sexuelle Kontakte aus. Die Freiheit sich so zu kleiden, wie man möchte, ist eine wertvolle Errungenschaft, die ich nicht missen möchte. Und genau diese Freiheit sollte jede Frau in jeder Form ausleben dürfen - so, oder so.  

Wie man das Männerproblem löst

Übrigens: Von geschmacklosen Anmachen und unmoralischen Angeboten bleibe selbst ich mit meinem Kopftuch nicht verschont. Das ist natürlich für keine Frau hinnehmbar. 

Was man da tun kann? Ich für meinen Teil stelle solche Männer gerne mal laut auf offener Straße bloß. Erfahrungsgemäß weicht das anzügliche Grinsen dann ganz schnell einem beschämten Blick. In derartigen Situationen kommt eben die deutsch-muslimische Feministin in mir durch. 

Ich muss zugeben: Die wachsende Angst der deutschen Mitbürger vor dem Islam beunruhigt mich. Ich singe die Nationalhymne im schwarz-rot-goldenen Kopftuch und liebe Deutschland, so wie es ist: unislamisiert, säkularisiert und christlich geprägt. Ich als Muslima habe kein Interesse, daran irgendetwas zu ändern. Ich hoffe, Sie auch nicht. 

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