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Holocaust-Überlebender Max Mannheimer ist tot

Mit 96 Jahren gestorben  

Holocaust-Überlebender Max Mannheimer ist tot

24.09.2016, 19:39 Uhr | dpa

Holocaust-Überlebender Max Mannheimer ist tot. Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer starb am Freitag in einem Münchner Krankenhaus. (Quelle: dpa)

Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer starb am Freitag in einem Münchner Krankenhaus. (Quelle: dpa)

Der Holocaust-Zeitzeuge Max Mannheimer ist im Alter von 96 Jahren in einer Münchner Klinik gestorben. Dies teilte die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann, mit. Mannheimer engagierte sich jahrzehntelang unermüdlich gegen Antisemitismus und Rechtsradikalismus.

Wie kein Zweiter habe sich Mannheimer mit seiner ganzen Person eingebracht, um gegen das Vergessen anzukämpfen und gleichzeitig als Versöhner aufzutreten. Mannheimer sei am Freitagnachmittag gestorben, sagte Hammermann.

"Wehmut und großer Dank"

Das Internationale Auschwitz Komitee gedachte des Verstorbenen "mit Wehmut und großem Dank". "Max Mannheimer war ein Überlebender des Grauens, der die Menschen trotz aller bitteren Erfahrungen liebte", erklärte Christoph Heubner, Vizepräsident des Komitees.

Er habe das Gespräch vor allem mit jungen Menschen gesucht. "Viele dieser jungen Menschen hat er in ihrer Entscheidung für die Demokratie, gegen den Antisemitismus und gegen den Hass entscheidend geprägt."

"Deutschland verliert großartigen Menschen"

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Mannheime als "einen großartigen Menschen und einen bedeutenden Zeitzeugen". In einem Kondolenzschreiben an den Sohn Ernst Mannheimer schreibt Gauck: "Er, der durch die Hölle mehrerer Konzentrationslager ging, trat unermüdlich für Rechtsstaat und Demokratie ein. Niemals hat er Rache oder Vergeltung das Wort geredet, sondern immer Zeichen der Versöhnung gesetzt." 

In dem am Samstagabend vom Bundespräsidialamt veröffentlichten Kondolenzschreiben heißt es weiter, Max Mannheimer sei es eine "innere Verpflichtung" gewesen, "als Zeitzeuge die Erinnerung an die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte wach zu halten" und vor allem junge Menschen vor den Gefahren von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu warnen.

"Seine Stimme ist nun verstummt, aber was er uns sagte, wird in Erinnerung bleiben", so Gauck. "Mit dem Tod von Max Mannheimer haben wir einen großen Verlust erlitten. Wir werden ihn niemals vergessen."

"Ein großer Versöhner"

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Mannheimer. "Wir schulden ihm Dank", twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert. Mannheimer sei ein "Mahner gegen das Vergessen und großer Versöhner" gewesen.

Als "schmerzlichen Verlust" bezeichnete Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) den Tod des Holocaust-Überlebenden. "Er wird uns allen fehlen", sagte Seehofer laut Mitteilung. Mit leidenschaftlichem Engagement habe Mannheimer eine Brücke gerade zu jungen Menschen gebaut.

"Erinnerungen wach halten"

Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter betonten, Mannheimer sei ein wichtiger Zeitzeuge der Nazi-Verbrechen gewesen. "Es ist unsere Aufgabe, diese Erinnerungen an die Grausamkeiten des Nazi-Regimes wach zu halten."

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte, Deutschland verliere "eine tief beeindruckende, herausragende Persönlichkeit". Zeitzeugen-Stimmen wie die Mannheimers hätten "großen Anteil an der Erinnerungskultur, die Deutschland mühsam erlernt hat".

Fast die ganze Familie verloren

Die jüdische Familie Mannheimer aus Mähren im heutigen Tschechien geriet trotz Flucht in die Hände der Hitler-Schergen. Sie wurde ins Konzentrationslager Theresienstadt und von dort nach Auschwitz-Birkenau gebracht.

Mannheimer verlor fast seine ganze Familie. Er selbst war mehr als zwei Jahre in Konzentrationslagern gefangen, ehe er wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges von US-Soldaten befreit wurde.

Kampf gegen Rechtsradikalismus

Es wurde seine Lebensaufgabe, öffentlich gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus zu kämpfen. Unermüdlich engagierte er sich seit den 1980er Jahren als Zeitzeuge für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.

Mannheimer engagierte sich in der Lagergemeinschaft Dachau und war seit 1988 deren Vorsitzender.

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