Sie sind hier: Home > Panorama > Tiere >

Eisbär Knut ist tot: "Er war der Star des Berliner Zoos"

"Er war der Star des Berliner Zoos"

21.03.2011, 09:16 Uhr | dapd , dpa

Die Ursache für den plötzlichen Tod von Eisbär Knut ist immer noch unklar. Die Obduktion des Tieres sei erst am Montag möglich, weil am Wochenende die geeigneten Pathologen nicht arbeiteten, sagte Heiner Klös, Bärenkurator des Berliner Zoos. Knut hatte die Kassen das Zoos in den letzten Jahren mächtig klingeln lassen. "Es gehen Beileidsbekundungen aus aller Welt ein", sagt Klös.

"Wir alle hatten den Eisbären ins Herz geschlossen. Er war der Star des Berliner Zoos", sagte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit. Renate Künast, Spitzenkandidatin der Grünen zur Berliner Abgeordnetenhauswahl, ließ die Gelegenheit nicht aus, auf die globalen Probleme der Eisbären hinzuweisen: "Berlin hat den kleinen Knut mit Hingabe begleitet. Damit er nicht vergessen wird, sollten wir uns den Schutz seiner großen Familie zur Aufgabe machen."

Knut sollte zur Nachzucht beitragen

Zoodirektor Bernhard Blaskiewitz bedauerte den Tod Knuts ebenfalls. "Der Verlust ist traurig für uns alle", sagte er der "B.Z. am Sonntag". Er habe Knut das letztes Mal bei seinem obligatorischen Zoorundgang am vergangenen Donnerstag gesehen. Knut habe fit gewirkt und gespielt, sagte Blaszkiewitz. "Es ist schon ungewöhnlich für einen Eisbären im Alter von vier Jahren zu sterben. Und es ist schade, denn Knut sollte zur Nachzucht beitragen", sagte der Direktor. Allerdings sei der Tod eines Tieres ein "normaler Vorgang in einem Zoologischen Garten, der immer wieder auftritt".

Der weltbekannte Eisbär war am Samstag kurz nach 15 Uhr in seinem Wasserbecken gestorben. Es hatte tagsüber keinerlei Anzeichen für ein Unwohlsein des Bären gegeben. Knut war allein im Wasser. Seine drei Mitbewohnerinnen Tosca, Nancy und Katjuscha waren bereits eingesperrt gewesen, als sich der Bär ins Wasser begab und urplötzlich starb. Augenzeugen berichteten von einer Art Anfall, den das Tier im Wasser erlitten habe. Zahlreiche Zoobesucher hätten seinen Tod beobachtet.

"Dörflein und Knut wieder vereint"

In sozialen Netzwerken hinterließen die Nutzer ihre Abschiedsgrüße an Knut. "Du warst ein besonderer Bär, denn Du hast den Menschen Freude gebracht. Ich danke dir für die schönen Momente mit dir und wegen dir. Nun seid ihr wieder vereint - Thomas Dörflein und Knut", schreibt eine Facebook-Nutzerin. Knuts Ziehvater Dörflein war 2008 einen plötzlichen Herztod gestorben.

Auch im Berliner Zoo trauerten Knut-Fans. Am Eingang prangten Schilder mit Aufschriften wie "Tschüss Knut!", "Wir haben Dich sooo geliebt!" und "Du wirst uns fehlen, Knut".

Eisbären-Anlage bleibt zunächst leer

Der Zoo kündigte an, dass bis zur Sektion von Knuts Leiche die Eisbären-Anlage vorsorglich leer bleibe. Außerdem werde es ab Montag ein Sonderkonto geben, auf das Spenden zugunsten der Erforschung und Erhaltung des Lebensraumes für Eisbären eingezahlt werden können. Bei der Bergung des toten Eisbären am Samstagabend sei das Wasser im großen Eisbärengehege fast vollständig ausgelassen worden. Proben des Wassers seien nicht genommen worden. Dies sei aber bei Bedarf noch möglich.

Weitere Nachrichten und Links

Knut hatte nicht nur ein weltweites Medieninteresse ausgelöst, er setzte auch eine Merchandising-Welle ungeahnten Ausmaßes in Gang. An der berühmten Bärenmarke verdiente der Berliner Zoo Millionen. Ob Kuscheltiere, Klingeltöne, Bildbände, Briefmarken, Süßigkeiten oder Porzellanfiguren - alle Produkte rund um den Medienstar und Umweltbotschafter Knut fanden reißenden Absatz. Sie ließen auch die Kassen vieler Unternehmen klingeln.

Tierschützer kritisieren Berliner Zoo

Mehrere Tierschutzvereine kritisierten den Berliner Zoo und die Haltung von Eisbären in Gefangenschaft überhaupt. So sagte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, "aus Zuchtehrgeiz" habe der Zoo Knut gemeinsam mit seinen Artgenossinnen untergebracht. Für Eisbären, die eigentlich Einzelgänger seien, sei dies "purer Stress". Dies habe sicherlich dazu beigetragen, Knut zu schwächen, sagte Apel. Unabhängig davon, was das Ergebnis der Obduktion ergebe, trage der Berliner Zoo in jedem Fall die alleinige Verantwortung für den Tod Knuts.

Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" forderte erneut das Ende der Eisbärenhaltung in Zoos. Zentrale Bedürfnisse wie Partner- und Nahrungssuche, Jagd- und Fluchtverhalten würden dauerhaft unterdrückt, sagte Wildtierexperte Thomas Pietsch. Die Folge seien schwere Verhaltensstörungen. Auch die Zucht von Eisbären im Zoo kritisierte er. Laut Pietsch sind die Verluste sehr hoch, viele Junge werden kurz nach der Geburt von ihren Müttern verstoßen oder getötet. Eine Handaufzucht durch den Menschen wie bei Knut führe dazu, dass die Bären lebenslang Probleme im Umgang mit Artgenossen hätten und es nicht schafften, erfolgreich eigenen Nachwuchs großzuziehen.

Noch drastischer äußerte sich Tierrechtler Frank Albrecht: "Die Natur hat sich nur gerächt und Knut die erheblichen Qualen der Gefangenschaft erspart. Man sollte sich eher für Knut freuen anstatt der quälenden Gefangenschaft nachzutrauern."

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR;

shopping-portal