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Pferdekrankheit "atypische Weidemyopathie" breitet sich in NRW aus

Tod auf der Weide  

Pferdekrankheit breitet sich in NRW aus

27.11.2013, 17:37 Uhr | dpa

Pferdekrankheit "atypische Weidemyopathie" breitet sich in NRW aus. Nur Pferde auf der Weide sind von der heimtückischen Krankheit betroffen - vermutlich sind Ahornsamen die Ursache. (Quelle: dpa)

Nur Pferde auf der Weide sind von der heimtückischen Krankheit betroffen - vermutlich sind Ahornsamen die Ursache. (Quelle: dpa)

Eine tödlich verlaufende Muskelkrankheit breitet sich erneut in Nordrhein-Westfalen aus: Pferde verenden auf der Weide, als ob sie vergiftet worden wären.

Laut einem Bericht der "Aachner Zeitung" sind alleine in NRW bereits über 50 Tiere verendet, auch in Belgien habe es viele tote Pferde gegeben.

Ahorn-Samen unter Verdacht

Der Name der Krankheit lautet "atypische Weidemyopathie" - wobei der Begriff Myopathie für Muskelerkrankung steht. Tiermediziner gehen inzwischen davon aus, dass das pflanzliche Gift Hypoglycin A hinter den Erkrankungen steckt. Es ist zum Beispiel in den Samen des Berg-Ahorns enthalten. Das würde erklären, weshalb nur Weidetiere betroffen sind - und das vor allem jetzt im Herbst, wenn die verwelkten Samen zu Boden fallen.

Die atypische Weidemyopathie hat auch schon die Polizei auf den Plan gerufen - so etwa im Jahr 2009. Damals hatten etliche Pferde auf einem Gestüt in Büren-Ahden (Nordrhein-Westfalen) Vergiftungserscheinungen gezeigt, sechs der Tiere verendeten schließlich - die Polizei ermittelte. Erst die veterinärmedizinischen Untersuchungen ergaben, dass keine Kriminellen hinter dahinter steckten. 

"Eine Vergiftung beginnt meist mit Schwitzen, Koordinationsstörungen, Koliken und Muskelzittern", hieß es in einer Mitteilung der Städteregion Aachen. Der Tierarzt Johannes Hörmeyer vom Veterinäramt der Städteregion empfahl Pferdebesitzern, zu überprüfen, ob Ahornbäume auf der Weide und in der Umgebung stehen.

Krankheit tritt in Wellen auf

Die Expertin Jessika Cavalleri von der Klinik für Pferde der Tierärztlichen Hochschule Hannover sagt: "Es handelt sich um eine sehr gefährliche Erkrankung, die meistens tödlich verläuft." Die Krankheit trete offensichtlich in Wellenbewegungen auf - in den Jahren 2005 und 2009 seien besonders viele Fälle bekannt geworden. Möglicherweise liege das an den Wetterbedingungen der jeweiligen Jahre oder an schwankenden Toxinbelastungen der Bäume, vermutet Cavalleri.

Nach verschiedenen Medienberichten sollen in den vergangenen Wochen allein in Nordrhein-Westfalen Dutzende Pferde an der atypischen Weidemyopathie verendet sein. Die Fachtierärztin für Pferde, Professorin Heidrun Gehlen von der Freien Universität Berlin, spricht von einer regional auffälligen Häufung in Nordrhein-Westfalen.

Hohe Dunkelziffer

Aber weil die Krankheit nicht meldepflichtig ist, können weder Wissenschaftler noch Behörden genaue Zahlen nennen. Und wenn über steigende Fallzahlen berichtet wird, kann das auch daran liegen, dass die atypische Weidemyopathie mittlerweile eher erkannt wird als noch vor einigen Jahren.

Die veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Lüttich, federführend in der Erforschung der Krankheit, hat im Herbst 2000 eine Meldestelle eingerichtet. Damals waren in Belgien die ersten Fälle publik geworden. Allein seit Mitte Oktober diesen Jahres sind dort über 200 Meldungen vor allem aus Deutschland, Belgien, Frankreich und den Niederlanden eingegangen.

Vermutlich gebe es aber viel mehr, sagt Expertin Cavalleri - ebenso wie ihre Kollegin Katja Roscher, Tierärztin an der Klinik für Pferdeder Universität Gießen. Roscher weist auf immerhin einen beruhigenden Aspekt hin: "Auch wenn die Erkrankung für die betroffenen Pferde meist tödlich endet, gibt es zumindest keinerlei Hinweise darauf, dass sie auf andere Pferde übertragen werden kann." Um eine Tierseuche handelt es sich also nicht.

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