Sie sind hier: Home > Politik >

Der Vertrag des Vatikans mit den Nazis

75 Jahre Reichskonkordat  

Der Vertrag des Vatikans mit den Nazis

29.07.2008, 11:12 Uhr | Von Ingo Senft-Werner, dpa

Der Apostolische Nuntius Eugenio Pacelli (links) handelte maßgeblich das Reichskonkordat mit dem NS-Regime aus (Quelle: dpa)Der Apostolische Nuntius Eugenio Pacelli (links) handelte maßgeblich das Reichskonkordat mit dem NS-Regime aus (Quelle: dpa) Es ist das einzige außenpolitische Abkommen aus der Nazi-Zeit, das heute noch gültig ist: das Reichskonkordat. Der Vertrag, den der Vatikan und das Hitler-Regime am 20. Juli 1933 schlossen, schrieb die Beziehungen zwischen Staat und Kirche fest. Inhaltlich war das beileibe kein Pakt mit dem Teufel - doch natürlich wertete das Abkommen mit dem Heiligen Stuhl die Diktatur der Nationalsozialisten innenpolitisch wie international auf.

Die Spanne des Vereinbarten reicht von der Kirchensteuer über die Militärseelsorge bis zum Religionsunterricht und sorgt immer wieder für Auseinandersetzungen. Etliche Regelungen wurden inzwischen durch Landesgesetze ersetzt, teilweise auch infrage gestellt. Dennoch will niemand an dem Vertrag rütteln. "Weder Kirche noch Staat haben Interesse daran, eine solche Debatte loszutreten", glaubt der Potsdamer Historiker Thomas Brechenmacher.

Nationalsozialismus und Kirche Historiker verteidigt Reichskonkordat

Special

Grundsätzliches und Details

Die 34 Artikel sind ein Sammelsurium aus Grundsätzlichem und Details. Manifestiert wird die "Freiheit des Bekenntnisses" und das Recht der katholischen Kirche, "ihre Angelegenheiten selbstständig zu ordnen und zu verwalten". Der Bestand theologischer Fakultäten, Bekenntnisschulen, Orden und Stiftungen wird garantiert. Gefordert wird aber auch ein Treueeid der Bischöfe gegenüber dem Reichspräsidenten und ein sonntägliches "Gebet für das Wohlergehen des Deutschen Reiches und Volkes".

Interesse der Kirche

Ausgangspunkt für die Verhandlungen waren die politischen Umbrüche des Ersten Weltkrieges. Die katholische Kirche versuchte in mehreren Ländern, ihr Verhältnis zum Staat vertraglich zu regeln. Als Menetekel stand die Situation in der Sowjetunion vor Augen: Dort setzte nach dem Abbruch der Kontakte 1925 die Verfolgung von Priestern durch die Kommunisten ein.

Umschwung 1933

In Deutschland war der Apostolische Nuntius Eugenio Pacelli - der spätere Papst Pius XII. - unterwegs und schloss Konkordate mit Bayern, Preußen und Baden. Auf Reichsebene fand er in der Weimarer Republik wenig Unterstützung. Das änderte sich mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten. Franz von Papen, Vizekanzler unter Adolf Hitler, gab bereits im April 1933 bekannt, dass er eine Einigung mit der Kirche anstrebe.

Sie möchten mehr über das Reichskonkordat erfahren? Dann klicken Sie einfach doppelt auf das Wort und danach in dem kleinen Popup-Fenster auf "Wikipedia". Probieren Sie's mal aus. Das geht übrigens auch mit allen anderen Begriffen.

Gegenleistung akzeptiert

Der Vatikan wollte damit vor allem die katholischen Priester und Verbände schützen. Als Gegenleistung akzeptierte er, dass diese sich nicht mehr politisch betätigen durften - eine von Hitlers Hauptforderungen. Die einflussreiche katholische Zentrumspartei, der von Papen angehörte, löste sich unter dem Druck der Nazis bereits vor dem Vertragsabschluss auf.

Prestigegewinn für die Nazis

Uneinig sind sich die Historiker darüber, ob der Vatikan das aufstrebende Nazi-Regime mit dem Vertrag anerkannte und damit zu seiner Aufwertung beitrug. Der Prestigegewinn für die Nazis, vor allem in der Außenpolitik, ist allerdings unbestritten.

Kalkül nicht aufgegangen

Der von der Kirche erhoffte Schutz blieb jedoch aus. Die Nazis ließen Priester und Bischöfe in den Folgejahren wegen vorgeschobener Devisen- und Sittlichkeitsvergehen verurteilen, verboten Jugendorganisationen, schlossen Bekenntnisschulen. Sie drängten die katholische Kirche "sukzessive auf ein Sakristeichristentum" zurück, urteilt der Bonner Theologe Christoph Kösters heute.

"Mit brennender Sorge"

Der Vatikan kündigte das Konkordat trotzdem nicht auf. Papst Pius XI. - Vorgänger von Eugenio Pacelli auf dem Heiligen Stuhl - beließ es 1937 bei einer Enzyklika "Mit brennender Sorge", in der er die Vertragsverletzungen anprangerte. "Innerkirchlich wuchsen dadurch die Spannungen im Episkopat über den richtigen Kurs gegenüber dem Regime", schreibt Kösters in seinem Aufsatz "Katholische Kirche im nationalsozialistischen Deutschland" (Kösters Text beginnt auf der ersten Seite der pdf-Datei, die Sie hier downloaden können, etwas weiter unten).

Der Bruch blieb aus

Allerdings führte dies nicht wie bei den Protestanten zum internen Bruch. Die evangelischen Pfarrer liefen nach der Machtergreifung mehrheitlich zu den gleichgeschalteten Deutschen Christen über. Nur eine Minderheit sammelte sich in der Bekennenden Kirche, deren Vordenker Dietrich Bonhoeffer wegen Widerstands gegen die Nazis hingerichtet wurde. "Eine katholische Widerstandsbewegung gab es nicht", konstatiert Kösters. Nach seinen Erkenntnissen verhielten sich die meisten Gläubigen gegenüber dem Staat als Ordnungsmacht loyal. Einzelne Bischöfe bezogen jedoch kritische Positionen und unterstützten Hilfsorganisationen für Verfolgte der Nazis.

Immer wieder Zweifel

Nach der Nazi-Diktatur wurde die Gültigkeit des Konkordats immer wieder in Zweifel gezogen. Der Streit entzündete sich meist am Religionsunterricht. 1957 erklärte das Bundesverfassungsgericht den Vertrag für gültig. Allerdings obliege die Verantwortung für die Bildung den Ländern, die damit auch Regelungen treffen könnten, die dem Konkordat widersprechen. Dies ist inzwischen gängige Praxis.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
iPhone Xs Max für 549,95 €* im Tarif MagentaMobil M
zum Angebot von der Telekom
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018