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Haus der Geschichte in Stuttgart: Historiker erforschen den "Mythos Rommel"

Stuttgarter Ausstellung über den "Wüstenfuchs"  

Historiker erforschen den "Mythos Rommel"

02.09.2008, 12:35 Uhr | Von Heike Sonnenberger, dpa

"Der Wüstenfuchs": Zwei Jahre kommandierte Erwin Rommel das deutsche Afrikakorps (Quelle: Haus der Geschichte Baden-Württemberg)"Der Wüstenfuchs": Zwei Jahre kommandierte Erwin Rommel das deutsche Afrikakorps (Quelle: Haus der Geschichte Baden-Württemberg) Der Wüstenfuchs steht aufrecht auf einem Panzer, im schwarzen Ledermantel, das Fernglas um den Hals und die Ehrenorden an der Brust hat blickt er konzentriert auf den Horizont. Dieses Bild des Generals Erwin Rommel hat sich ins kollektive Gedächtnis ganzer Generationen gebrannt. Das ist kein Zufall. Der "Mythos Rommel" wurde von der Propagandamaschine der Nazis eifrig gepflegt. Am Stuttgarter Haus der Geschichte erforschen Historiker, wieso Hitlers Stratege seine Faszination bis heute nicht verloren hat.

Historikerin Cornelia Hecht hat für ihr Forschungsprojekt tausende Fotos, Fachliteratur, NS-Zeitungen und Beiträge der "Deutschen Wochenschau" gesichtet. Seit gut einem Jahr trägt sie mit einem Kollegen Material zusammen. Die Sonderausstellung "Mythos Rommel" im Haus der Geschichte wird am 18. Dezember eröffnet.

Foto-Serie Rommel - "der Wüstenfuchs"

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Steile Karriere

Johannes Erwin Eugen Rommel wird am 15. November 1891 als Sohn eines Mathematiklehrers in Heidenheim geboren. Nach einer steilen Karriere beim Militär und großen Erfolgen im Ersten Weltkrieg schickt Adolf Hitler den schwäbischen Generalleutnant 1941 nach Libyen. Zwei Jahre kämpft er in Nordafrika gegen die Briten. Als diese die deutschen Soldaten zurückdrängen, wird Rommel nach Berlin beordert und an den Fronten in Italien und Frankreich eingesetzt. 1944 gerät er unter Verdacht, in das Attentat auf Hitler am 20. Juli verwickelt zu sein. Drei Monate später zwingen ihn Abgesandte des Führers zum Selbstmord.

Aufstieg begann in Afrika

Rommels Aufstieg zum Helden der Nation begann mit seiner Versetzung nach Afrika und folgte einem sorgfältigen Plan: Im November 1941 notierte Propagandaminister Joseph Goebbels in sein Tagebuch: "Ich ... rate dringend, nun, wenn die Schlacht in Nordafrika entschieden ist, Rommel zu einer Art von Volkshelden zu erheben. Das Heer hat es unbedingt notwendig." Die Triumphzüge des Generals sollten von den Misserfolgen im Osten ablenken und den Menschen zu Hause Zuversicht einflößen. "Je schlechter es an der Russlandfront lief, desto öfter tauchte Rommel in der Wochenschau auf", sagt Hecht.

Rommels Sohn unterstützt die Historiker

Rommel war für die Propaganda der Nazis wie geschaffen. Porträts des ehrgeizigen, kühnen, eigenwilligen und listigen Feldherrn zierten unzählige Postkarten und Poster. Rommel mit Staubbrille an vorderster Front, über Karten gebeugt, im Gespräch mit Soldaten, in Gedanken vertieft - "das sind Posen, die immer wiederkommen", so Hecht. Unterstützt werden die Historiker von Rommels Sohn. "Manfred Rommel stand dem Haus der Geschichte schon zu seinen Zeiten als Stuttgarter Oberbürgermeister sehr positiv gegenüber", sagt der Leiter des Museums, Thomas Schnabel: "Die Zusammenarbeit ist extrem konstruktiv."

Fast nie zu politischen Themen geäußert

Wer Erwin Rommel wirklich war, bleibt trotz der umfassenden Recherchen allerdings nebulös. "Es ist sehr schwer zu sagen, wer der Mensch unter dem Mythos ist", meint Hecht. Obwohl der General in seiner fast 30-jährigen Ehe zahlreiche Briefe an seine Frau schrieb, äußerte er sich fast nie zur Judenverfolgung oder anderen politischen Themen. Auch sein Leben als Vater und Ehemann war für die Imagepflege des Feldmarschalls nicht von Belang.

Von den Nazis zum Selbstmord gezwungen

Kurz vor seinem Tod forderte Rommel Hitler in einem Brief zur Kapitulation auf. Der Krieg konnte nicht mehr gewonnen werden; Rommel wollte ihn beenden. Als dann noch herauskam, dass er die Anschlagspläne des Grafen von Stauffenberg zwar nicht unterstützt, aber zumindest gekannt hatte, stellte Hitler Rommel vor die Wahl: Ein Prozess vor dem Volksgerichtshof und Schande über seine Familie - oder Selbstmord und Staatsbegräbnis. Am 14. Oktober 1944 schluckte Rommel eine Ampulle Zyankali.

Mythos lebt nach dem Krieg weiter

Es folgten eine pompöse Beerdigung, Denkmalentwürfe, Nachrufe im Kino und Sonderbeilagen in den NS-Zeitungen. "Sein Tod war der Höhepunkt seiner Inszenierung als Mythos", sagt Hecht. Später knüpften Spielfilme wie "Wüstenfuchs" (1952) oder "Das war unser Rommel" (1953) daran an. Weil Rommel sich von Hitler abgewendet hatte, konnte der Mythos auch nach dem Krieg fortleben.

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