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60 Jahre BRD: Das Wirtschaftswunder war kein Wunder

Der Aufschwung  

Das Wirtschaftswunder war kein Wunder

20.05.2009, 17:08 Uhr | Von Markus Funke, dpa, t-online.de

Ludwig Erhard, der Wirtschaftsminister von 1949 bis 1963, gilt als der Architekt des "Wirtschaftswunders". (Quelle: dpa)Ludwig Erhard, der Wirtschaftsminister von 1949 bis 1963, gilt als der Architekt des "Wirtschaftswunders". (Quelle: dpa)

60 Jahre nach ihrer Gründung steckt die Bundesrepublik Deutschland in einer schweren Wirtschaftkrise. Oft vergleichen Kommentatoren die aktuelle Lage mit der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren. Dabei muss man gar nicht so weit zurückgehen. Vor der Gründung der Republik 1949 befand sich Deutschland in einer weitaus schwierigeren Situation: Die Städte waren zerstört, viele Menschen hungerten und Millionen Flüchtlinge irrten durch das Land. Und doch gelang innerhalb weniger Jahre ein Aufschwung, der als Wirtschaftswunder in die Annalen einging. Das Wirtschaftswunder war aber kein Wunder, sondern das Ergebnis richtiger Weichenstellungen und glücklicher Begleitumstände. Wie war der schnelle wirtschaftliche Aufstieg möglich und wie veränderte sich das Leben der Deutschen durch den neuen Wohlstand? Ein Rückblick für Spätergeborene.

 

Deutsche Konzern-Bosse auf der Anklagebank

Unmittelbar nach Krieg griffen die Alliierten massiv in die Wirtschaft des Nachkriegs-Deutschlands ein. In den großen Industriekartellen wie der IG-Farben sahen die Kontrollmächte einen der Hauptverantwortlichen für Hitlers Machtergreifung. Die Alliierten zerschlugen viele Konzerne und nahmen dabei auch das Führungspersonal ins Visier. Mancher Industriekapitän wie der Chef des Stahlriesen Krupp, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, fand sich wegen der Verstrickung ins nationalsozialistische Regime auf der Anklagebank wieder.

Unser Land wir 60

Nach dem Krieg demontieren die Alliierten vor allem Betriebe in der Schwerindustrie (Quelle: t-online.de)Nach dem Krieg demontieren die Alliierten vor allem Betriebe in der Schwerindustrie (Quelle: t-online.de)

Viele Demontagen

Überdies demontierten die Besatzungsmächte viele Betriebe, vor allem in der Schwerindustrie, um Deutschland die Fähigkeit zur Kriegsführung für immer zu nehmen. Zudem dienten die Demontagen als Reparationen für die massiven Kriegsschäden. Vor allem in der sowjetischen Besatzungszone wurden manche Firmen bis auf die Steckdosen demontiert. Oft mussten die Arbeiter in den Fabriken ihre Arbeitsplätze selber vernichten.

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Katastrophale Versorgungslage

Das alles verschärfte die ohnehin prekäre Lage. Viele Menschen waren arbeitslos und die Versorgung mit Lebensmitteln katastrophal. Bereits während des Kriegs gaben die Behörden Lebensmittelkarten aus. Doch die spärlichen Rationen reichten kaum zum Überleben und vor allem in den ersten Nachkriegjahren konnten selbst die mageren Tagesrationen kaum ausgegeben werden. Die alte Währung, die Reichsmark, war nahezu wertlos. So halfen sich viele Menschen mit Tauschhandel, um zu überleben. Der Schwarzmarkt blühte. Amerikanische Zigaretten etablierten sich als Zweitwährung.

Kirche rechtfertigt Kohlenklau

Die hungrigen Menschen waren dabei oft nicht zimperlich, wenn es um das Organisieren von Lebensmitteln und Heizmaterial ging. Manche Kohlezüge wurden geplündert. Die Not war so groß, dass selbst prominente Kirchenvertreter wie der Kölner Kardinal Frings den Kohleklau in einer Predigt rechtfertigten. Im Volksmund wurde das seither als "Fringsen" bezeichnet.

Teil 2: Wie das Wirtschaftswunder das Leben der Deutschen veränderte

Viele Betriebe hatten den Bombenkrieg überstanden

Trotz aller Probleme gab es nach dem Krieg auch gute Vorraussetzungen für den späteren wirtschaftlichen Aufschwung. Ein Großteil der Industrie in den westlichen Besatzungszonen hatte den Bombenkrieg überstanden. Die West-Alliierten stoppten die Demontagen den westlichen Besatzungszonen. Die Amerikaner legten 1948 den berühmten Marshall-Plan auf, mit dem sie die kriselnde Wirtschaft in Europa mit Milliardenhilfen, Krediten und Lebensmittellieferungen unterstützen. Davon profitierte auch Deutschland. Überdies waren reichlich qualifizierte Beschäftigte vorhanden, die so arm waren, dass sie auch für wenig Geld arbeiten würden. 

Nach der Währungsreform füllten sich die Schaufenster mit neuen Waren (Quelle: dpa)Nach der Währungsreform füllten sich die Schaufenster mit neuen Waren (Quelle: dpa)

Währungsreform brachte Wirtschaft in Schwung

Ein wichtiger Grundstein für den Aufschwung war die Währungsreform von 1948 unter der maßgeblichen Beteiligung von Ludwig Erhardt, der als der Vater des Wirtschaftswunders in die Geschichte einging. Mit dem Umtauschverhältnis von 10 zu 1 - am Ende gab es für die meisten nur 6,50 DM für 100 Reichsmark - wurde auf einen Schlag überschüssiges Geld aus dem Kreislauf gezogen, aber auch die Vermögen vieler Bürger über Nacht wertlos.

Volle Schaufenster

Der Schwarzmarkt verschwand, auf einmal gab es alles in den Läden. Legendär sind die Schlangen der Bürger vor den Ausgabestellen des Kopfgeldes von 40 DM. Eine Zeitzeugin erinnert sich: Edith Tschalke war damals 22 Jahre alt und gönnte sich von dem Geld eine neues Kleid. Der Rest ging ziemlich schnell für Lebensmittel drauf. So wie Edith Tschalke ging es vielen Deutschen: Das neue Geld wurde ausgegeben statt gespart - denn den Haushalten fehlte es an allem. Die Industrie bekam aber so Einnahmen, die sie wieder investieren konnte.

Widerstand gegen die Soziale Marktwirtschaft

1949 kam der nächste Baustein des Wirtschaftswunders dazu - das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft. "Wohlstand für alle", rief Erhard als Devise aus. Ja zur Privatwirtschaft, aber Nein zum "liberalistischen Freibeutertum" und dem "freien Spiel der Kräfte". Widerstände gab es viele. Die Alliierten, die SPD und selbst Teile der CDU hielten eine stärkere Rolle des Staates für notwendig. Zudem sprang die Wirtschaft nicht sofort an. Die Arbeitslosigkeit stieg weiter an. Die Arbeitslosenquote betrug 1950 zwölf Prozent, Erhards Kurs wurde immer mehr in Zweifel gezogen. Immerhin normalisierte sich die Lebensmittelversorgung wieder. Schon im Frühjahr 1950 wurden die Lebensmittelkarten abgeschafft.

Korea-Boom hilft der Industrie

Den entscheidenden Durchbruch brachte erst der Korea-Krieg 1951. Die Produktion in der westlichen Welt wurde verstärkt auf Rüstungsgüter umgestellt - und das öffnete ein Fenster für deutsche Waren. Alles zahlte sich auf einmal aus, vor allem der Fokus auf Maschinen, Konsumgüter, Autos und Kunststoffe. Auftrieb gab der Exportwirtschaft zudem, dass die deutschen Autos, Kühlschränke und Traktoren nicht in den überall knappen Dollar bezahlt werden mussten, sondern in harter D-Mark.


Teil 2: Wie das Wirtschaftswunder das Leben der Deutschen veränderte

 

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