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WHO erhöht Alarmstufe - Neue Verdachtsfälle

Schweinegrippe  

WHO erhöht Alarmstufe - Neue Verdachtsfälle

30.04.2009, 11:19 Uhr | dapd

Im Hochsicherheitslabor für Virusforschung werden Proben von Verdachtsfällen und bestätigten Schweinegrippefällen aus Deutschland untersucht (Foto: dpa)Im Hochsicherheitslabor für Virusforschung werden Proben von Verdachtsfällen und bestätigten Schweinegrippefällen aus Deutschland untersucht (Foto: dpa)

Die weltweit grassierende Schweinegrippe hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Ausrufung der zweithöchsten Alarmstufe fünf veranlasst. Dies bedeutet, dass nach Einschätzung der WHO ein globaler Ausbruch der Seuche unmittelbar bevorsteht. Unterdessen gibt es in Deutschland drei neue Verdachtsfälle.

WHO-Chefin Margaret Chan rief alle Länder auf, umgehend ihre Pandemie-Notfallpläne zu aktivieren. Im Falle einer Pandemie wäre die gesamte Menschheit bedroht, sagte Chan. Alarmstufe fünf verweist auf eine weit verbreitete Übertragung von Mensch zu Mensch in mindestens zwei Ländern. Stufe sechs würde eine weltweite Pandemie bedeuten. Der WHO-Grippeexperte Keiji Fukuda sagte, bisher gebe es keine Anzeichen dafür, dass sich die Ausbreitung der Schweinegrippe verlangsame.

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Drei neue Verdachtsfälle in Deutschland

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat derweil bestätigt, dass es in Deutschland drei neue Verdachtsfälle auf Schweinegrippe gibt. Insgesamt würden damit jetzt zehn Verdachtsfälle überprüft, sagte die Ministerin im ARD-Morgenmagazin. Bei drei Menschen wurde bislang die Infektion mit dem Virus festgestellt. Sie sei besorgt über die Entwicklung, "weil wir auch in den letzten Tagen eine sehr starke Dynamik haben". Überall auf der Welt träten auch bestätigte Verdachtsfälle auf.

Vorhandene Medikamente sind wirksam

"Ich bin sehr froh, dass wir in den letzten Jahren sehr intensiv daran gearbeitet haben, dass wir hier in Deutschland einen Pandemieplan haben." Die SPD-Politikerin sagte, die Schweinegrippe könne mit den vorhandenen Medikamenten bekämpft werden. Sie begrüßte es, dass auf Flügen der Lufthansa von und nach Mexiko ein Arzt an Bord der Maschinen sei.

Patient infiziert wohl andere Menschen

Unterdessen wurde bekannt, dass der im Regensburger Universitätsklinikum behandelte Patient möglicherweise zwei Menschen angesteckt hat. Im Kreiskrankenhaus Mallersdorf, wo der 37-Jährige zuvor mehrere Tage lag, könnte er eine Krankenschwester und einen Zimmernachbarn infiziert haben. Der Vorstandsvorsitzende der Kliniken des Landkreises Straubing-Bogen, Alois Lermer, bestätigte Medienberichte, wonach eine Schwester aus dem Raum Landshut vorbeugend mit Grippemitteln behandelt werde. Zudem zeige ein anderer Patient erste Symptome und sei deshalb in der Klinik isoliert worden.

Lauterbach fordert neue Wirkstoffe

Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich für die Entwicklung neuer Grippe-Medikamente aus. Es sei ein Glück, dass das Grippevirus nach bisherigen Erkenntnissen nicht gegen herkömmliche Medikamente resistent sei, sagte der SPD-Politiker im Deutschlandradio Kultur. "Aber wir können uns darauf nicht verlassen. Wir brauchen mehr wirksame Wirkstoffe in Zukunft." Die Impfung alleine könne nicht verhindern, dass bereits erkrankte Menschen unbedingt Medikamente brauchen.

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Krisensitzung der Gesundheitsminister

Die Gesundheitsminister der Europäischen Union wollen am Nachmittag zu einer Krisensitzung in Luxemburg zusammenkommen. Ziel des Treffens ist eine Abstimmung über Maßnahmen zur Vermeidung einer Weiterverbreitung der Krankheit sowie über Diagnose- und Behandlungsmethoden. Die französische Regierung forderte einen Stopp aller Flüge aus der Europäischen Union nach Mexiko, wo die Grippe ihren Ausgangspunkt nahm. Auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt wurde in Luxemburg erwartet.

Obama lässt Grenze offen

US-Präsident Barack Obama erklärte, die Bekämpfung der Seuche habe für ihn höchste Priorität. Die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko bleibe jedoch offen. Alles andere wäre, als würde man die Stalltür schließen, wenn die Pferde schon getürmt seien, sagte Obama. Er betonte, dass die USA sehr wachsam sein müssten, Panik sei indessen nicht angebracht.

Verstorbenes Kleinkind besuchte Mexiko

Unterdessen wurde in den USA der erste Todesfall infolge der Schweinegrippe außerhalb Mexikos bestätigt. Dabei handelte es sich um einen 23 Monate alten Jungen aus Mexiko, der Anfang April mit seinen Eltern zum Besuch von Verwandten nach Texas gereist war. Inzwischen ist die Seuche in mindestens elf US-Staaten aufgetreten, in denen insgesamt schon fast 100 Erkrankungen bestätigt wurden.

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Rund 100 Infizierte und acht Tote in Mexiko

Die mexikanischen Behörden legten derweil neue Opferzahlen vor. Demnach sind in dem Land nunmehr acht Menschen an der potenziell tödlichen Seuche gestorben. Die Zahl der Infizierten gab Gesundheitsminister Jose Cordova mit 91 an. Für die Zeit vom 1. bis zum 5. Mai wurde eine Schließung aller Regierungsbüros und privater Unternehmen angeordnet, deren Dienstleistungen vorübergehend entbehrlich sind.


Einwanderer aus Bangladesh unter den Opfern

Unter den Todesopfern befand sich auch ein Einwanderer aus Bangladesch, wie der oberste Beamte für die Seuchenbekämpfung, Miguel Angel Lezana, mitteilte. Dieser Mann habe kürzlich Besuch von seinem Bruder erhalten, der bei der Einreise krank gewesen sei. Lezana schloss deshalb nicht aus, dass das Virus aus Bangladesch oder Pakistan eingeschleppt worden sein könnte.

Bereits mindestens 114 Erkrankungen weltweit

Mexiko hatte ursprünglich 168 Todesfälle wegen der Schweinegrippe gemeldet, doch erst acht wurden bislang bestätigt. Die WHO meldete bis Mittwochabend mindestens 114 Erkrankungen in mindestens sieben Ländern. In Deutschland wurden bislang drei Infektionen in Bayern und Hamburg bestätigt, die Schweiz meldete ihren ersten bestätigten Fall. Kanada berichtete über sechs neue Fälle, was die Gesamtzahl der dortigen Erkrankungen auf 19 erhöhte. Neuseeland reduzierte die Zahl der bestätigten Infektionen von 14 auf 13.

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