Erst löste die Schweinegrippe Panik aus, jetzt überzieht ein bislang kaum bekanntes Grippe-Virus die Ukraine (Foto: dpa)
Die Ukraine bekommt eine seit Mitte Oktober grassierende Grippe-Epidemie nicht in den Griff. Laut Angaben der "Bild"-Zeitung starben bereits 189 Menschen. Die Schweinegrippe ist dabei aber offenbar nicht das Hauptproblem - mit dem H1N1-Virus waren vergleichsweise wenige der Erkrankten infiziert. Knapp 53.000 Menschen mussten bis zum 10. November im Krankenhaus behandelt werden.
Wie das ukrainische Gesundheitsministerium mitteilte, summierte sich die Zahl der Patienten mit Grippesymptomen und schweren Atemwegserkrankungen inzwischen auf mehr als eine Million.
Verschiedene Erreger als Auslöser?
Der ukrainische Präsident Viktor Yushchenko sagte internationalen Medienberichten zufolge in einem TV-Interview: "Anders als bei Epidemien in anderen Ländern kommen in der Ukraine drei verschiedene Erreger von schweren Virusinfektionen zusammen - zwei der saisonalen Grippe und einer der sogenannten Kalifornien-Grippe." Wie die "Bild" berichtete, greife dieses Virus die Lungen an und führe zu einer schweren Entzündung.Noch keine Hinweise auf Mutation
Eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts sagte gegenüber t-online.de, dass es keine Hinweise auf ein anderes Virus gebe. Auch dem Auswärtigen Amt zufolge handelt es sich nicht um einen veränderten H1N1-Erreger. Britische Wissenschaftler sollen nun Proben untersuchen und so klären, um welche Art von Virus es sich handelt. Dies berichteten verschiedene internationale Medien.Aufruf zur Grippeimpfung
Vize-Gesundheitsminister Wassil Lasorischinez rief seine Mitbürger auf, sich gegen die normale Grippe impfen zu lassen. Gleichzeitig bat er die Weltgesundheitsorganisation WHO, seinem Land 15 Millionen Impfdosen gegen die Schweinegrippe zur Verfügung zu stellen. Die Grippewelle hatte die ukrainischen Behörden völlig unvorbereitet getroffen. Damit sich das nicht wiederholt, ermahnte Präsident Viktor Juschtschenko sein Land, sich schon jetzt auf eine zweite Welle vorzubereiten.Panik wegen Schweinegrippe
Nach einer Serie von Todesfällen hatte die ukrainische Regierung wegen der Grippe-Epidemie landesweit die Schulen geschlossen und größere Veranstaltungen verboten. Besonders stark war der Westen des Landes betroffen. Das Nachbarland Slowakei hatte als Reaktion darauf zwei Grenzübergänge geschlossen und Reisende stichprobenweise auf Fieber und andere Grippesymptome kontrolliert.Grippe-Panik behindert Wahlkampf
Am 17. Januar sollen in der Ukraine Präsidentschaftswahlen abgehalten werden. Die zum Teil panischen Reaktionen der Bevölkerung auf die hohen Krankenstände spielen im einsetzenden Wahlkampf eine große Rolle.