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Massenpanik in Duisburg: 20 Tote bei Loveparade

Tragödie in Duisburg: 20 Tote bei Loveparade

25.07.2010, 09:03 Uhr | dpa, AFP

Massenpanik in Duisburg: 20 Tote bei Loveparade. Mit Tüchern bedeckte Tote liegen vor dem Tunnel am Eingang zur Loveparade, wo es zu der Massenpanik kam. Die Einsatzkräfte sind fassungslos. (Foto: dpa)

Mit Tüchern bedeckte Tote liegen vor dem Tunnel am Eingang zur Loveparade, wo es zu der Massenpanik kam. Die Einsatzkräfte sind fassungslos. (Foto: dpa)

Tragisches Unglück bei der Loveparade in Duisburg: In Folge einer Massenpanik in einem Tunnel vor dem Veranstaltungsgelände starben am Samstagnachmittag nach Polizeiangaben 20 Menschen, mehr als 342 weitere wurden verletzt, wie ein Polizeisprecher am frühen Sonntagmorgen sagte. Augenzeugen äußerten scharfe Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen bei dem Raver-Spektakel. Am Mittag wollen die Veranstalter auf einer Pressekonferenz Stellung zu den Ursachen der Massenpanik nehmen.

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Das für die Loveparade ausgewählte alte Bahnhofsgelände kann maximal 250.000 Menschen aufnehmen. Zur Loveparade waren nach Angaben der Behörden etwa 1,4 Millionen Menschen nach Duisburg gekommen. Bereits im Vorfeld der Technoparade hatte es Zweifel gegeben, ob das Gelände und der Zugang für die Menschenmassen geeignet sein würden.

Es gab nur einen Zugang zum Festgelände, und der war lediglich durch einen 16 Meter breiten und 100 Meter langen Straßentunnel unter den Bahngleisen zu erreichen. Dort entstand ein unerträgliches Gedränge, als tausende Besucher noch zur Veranstaltung hin, andere wiederum zurück wollten. Nach Angaben von Stadtverwaltung und Polizei waren eine ganze Reihe von Fans auf die schmale Treppe geklettert, die aus dem Tunnel herausführte, und abgestürzt - andere hätten in Panik vergeblich versucht, die Sicherheitszäune um das abgeriegelte Gelände zu erklimmen. Gefallene Besucher sind buchstäblich tot getrampelt worden.

Augenzeugen berichten von einem einzigen Chaos: Polizeibeamte hätten Tausende Menschen davon abgehalten, auf das wegen Überfüllung geschlossene Gelände der Großveranstaltung zu strömen. Viele Besucher seien bei dem Andrang umgekippt. Etwa zehn hätten wiederbelebt werden müssen. Rettungskräfte seien kaum durchgekommen. Die Stadt Duisburg hat eine Hotline eingerichtet, unter der sich Angehörige informieren können: 0203/94 000.

Duisburgs OB: Sicherheitskonzept stichhaltig

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) nannte das Sicherheitskonzept stichhaltig und sagte, wahrscheinlich seien "individuelle Schwächen" Auslöser der Katastrophe gewesen. Die Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen hat dagegen den Veranstaltern der Loveparade eine teils fahrlässige Vorbereitung vorgeworfen. Die 20 Toten und 342 Verletzte seien Opfer "materieller Interessen eines Veranstalters, der unter dem Deckmäntelchen der "Kulturhauptstadt 2010"" Druck ausgeübt habe, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Wolfgang Orscheschek, in einer Mitteilung.

Aus Sicherheitsgründen wurde die Loveparade nicht sofort abgebrochen. Ohnehin herrschten nach der Katastrophe teilweise chaotische Zustände. Die Panik entstand in einem Tunnel der Karl-Lehr-Straße vor dem eigentlichen Loveparade-Gelände am alten Güterbahnhof der Stadt. Bundespräsident Christian Wulff reagierte bestürzt auf das Unglück. Er forderte zugleich eine rückhaltlose Aufklärung. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ erklären: "Ich bin entsetzt und traurig angesichts des Leids und des Schmerzes."

Auch Polizeihauptkommissar Jürgen Kieskemper nannte die Situation "sehr chaotisch". "Wir müssen noch aufklären, was da war." Unmittelbar vor der Meldung über die Massenpanik hatte die Polizei berichtet, das Veranstaltungsgelände sei wegen Überfüllung geschlossen worden. "Die Polizei gibt über Lautsprecher Hinweise an die Teilnehmer und bittet sie, zurück in Richtung Hauptbahnhof zu gehen." Mehr als 2.000 Landespolizisten waren vor Ort, wie Kieskemper weiter sagte. Zusätzlich seien noch 1.200 Bundespolizisten eingesetzt worden.

Zuschauer über Autobahn abgeleitet

Die Notausgänge der Loveparade-Geländes wurden nach dem tragischen Unfall geöffnet. Die Zuschauer wurden nach Angaben der Stadt Duisburg über die Autobahn 59 und die Anschlussstelle Hochfeld auf die Düsseldorfer Straße abgeleitet. Alle noch ankommenden Besucher wurden am Hauptbahnhof angehalten, wieder umzukehren. Die Autobahn ist inzwischen wieder geöffnet. Die Räumung des Geländes habe "reibungslos geklappt", sagte ein Polizeisprecher.

Dass die Veranstalter die Musikparty zunächst weiterlaufen ließen, erklärte der Pressesprecher der Stadt Duisburg, Frank Kopatschek, mit der Sorge um die Sicherheit der 1,4 Millionen Besucher. "Der Krisenstab hat entschieden, die Veranstaltung noch nicht zu beenden, weil im Moment zu viele Menschen auf dem Gelände sind", sagte Kopatschek.

Dritte Loveparade im Ruhrgebiet

Die insgesamt dritte Loveparade im Ruhrgebiet und die 19. insgesamt war am Nachmittag friedlich gestartet. Ab 14 Uhr rollten 15 sogenannten Floats über das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs der Ruhrgebietsstadt. Erstmals fuhren die Paradewagen nicht wie in früheren Jahren durch die Innenstadt, sondern auf einem abgesperrten Gelände im Kreis. Schon zwei Stunden vor dem Startschuss hatte in der Duisburger Innenstadt am Mittag Ausnahmezustand geherrscht, als sich Hunderttausende Elektro- und Technofans ihren Weg dorthin bahnten. Die Polizei hatte die Innenstadt weiträumig abgesperrt, um den zu kontrollieren. Die Loveparade, die bis 2006 in Berlin stattfand und danach in wechselnden Städten des Ruhrgebiets, stand in diesem Jahr unter dem Motto "The Art of Love" (die Kunst der Liebe).

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