Sie sind hier: Katastrophe bei der Loveparade 

Sauerland stellt sich Abwahlverfahren - Die SPD fühlt sich veralbert

Sauerland stellt sich Abwahlverfahren - Die SPD fühlt sich veralbert

03.08.2010, 08:43 Uhr | AFP, dapd, dpa

Nach der Loveparade-Katastrophe ist der umstrittene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) bereit, sich abwählen zu lassen. Er weigerte sich aber weiter, sein Amt sofort niederzulegen. Die Duisburger SPD hält die Erklärung für eine "Veralberung". Ein Abwahlverfahren sei bereits beantragt. "Es bedarf nicht seiner Erlaubnis oder Zustimmung, dieses Verfahren einzuleiten."

Weitere Nachrichten und Links

Zahlreiche Politiker und Bürger hatten in den vergangenen Tagen den sofortigen Rücktritt Sauerlands verlangt. Der Politiker will vor weiteren Entscheidungen zunächst an der Aufklärung des Geschehens mitarbeiten. Die SPD wirft ihm vor, auch mehr als eine Woche nach der Katastrophe nichts gelernt zu haben. "Statt endlich mit seinem Abgang den führungslosen Zustand in der Verwaltung zu beenden, klebt er weiter an seinem Stuhl, zum Schaden der Stadt und ihrer Menschen", sagte die Bundestagsabgeordnete und Vizechefin der Duisburger SPD, Bärbel Bas.

Die Duisburger CDU dagegen hat sich hinter Sauerland gestellt. In einer Erklärung vom Montagabend begrüßten Partei und Fraktion "die laufende Aufarbeitung" durch den OB und die Staatsanwaltschaft. Gleichzeitig wandten sie sich gegen "die einseitige Vorverurteilung" Sauerlands. Wenn dem Stadtrat ein Antrag zur Abwahl des OB vorliege, werde die CDU-Fraktion darüber in einer Sitzung beraten und entscheiden. "Diese Entscheidungsfindung wird dann auf dem zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Erkenntnisstand zu den Ursachen der Katastrophe stattfinden", hieß es.

Auch die CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag stellte sich hinter Sauerland: "Die heutige persönliche Stellungnahme von Oberbürgermeister Sauerland verdient Respekt. Ich begrüße seine uneingeschränkte Bereitschaft, zur Aufklärung der schrecklichen Geschehnisse bei der Loveparade beizutragen und Verantwortung zu übernehmen", erklärte Fraktionschef Karl-Josef Laumann.

Unterstützung von EKD-Chef Schneider

Unterstützung erhielt Sauerland auch vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider. "Ich trete sehr dafür ein, dass Herrn Sauerland Gerechtigkeit widerfährt. Er war ja bis vor kurzem ein sehr respektiertes, ja beliebtes Stadtoberhaupt", sagte der Ratsvorsitzende der "Frankfurter Rundschau".

Allerdings sagte er auch, Sauerland werde sein Amt "schlechterdings nicht weiter ausüben können", wenn er öffentliche Auftritte aus Sicherheitsgründen weiterhin meiden müsse. Für einen politischen Repräsentanten sei das "eine völlig unmögliche Lage". Sauerland ist seit Tagen nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten. Auch an der Trauerfeier für die Opfer der Loveparade am Samstag nahm er nicht teil.

Zur Aufklärung regt Sauerland einen Untersuchungsausschuss an. "Ich persönlich wünsche mir die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses des Landtags NRW." Verwaltungsintern habe er eine Untersuchungsgruppe eingesetzt, die den gesamten Sachverhalt im Verantwortungsbereich der Stadt aufkläre. Ein erster schriftlicher Zwischenbericht werde dem Innenausschuss des Landtags zur Sondersitzung diesen Mittwoch zur Verfügung gestellt.

Hilfsfonds des Landes angekündigt

Das Land Nordrhein-Westfalen kündigte einen Hilfsfonds für die Angehörigen und die Schwerverletzten an. In dem Fonds für die Opfer sollen wahrscheinlich staatliche Gelder und Spenden kombiniert werden. Die Einzelheiten würden noch geklärt, so die Landesregierung.

Ob Nordrhein-Westfalen die Anregung von Bundespräsident Christian Wulff aufgreift, einen Ombudsmann einzusetzen, ist noch offen. Wulff hatte vorgeschlagen, dass ein Ombudsmann die Interessen der Hinterbliebenen gegenüber Versicherungen, Amts-Dienststellen und Anwälten vertreten solle. Dies habe sich 2006 beim Transrapid-Unglück in Niedersachsen als hilfreich erwiesen.

Bei der Loveparade in Duisburg waren bei einer Massenpanik 21 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 500 wurden verletzt. Fünf liegen noch im Krankenhaus. Sauerland wird vorgeworfen, die Veranstaltung gegen den Widerstand von Fachbeamten durchgesetzt zu haben, weil er den Imageerfolg für seine Stadt wollte. Es gibt aber auch Vorwürfe gegen den Loveparade-Veranstalter und gegen die Polizei.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

baurtchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal