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Gaddafi: Bizarrer Auftritt im libyschen TV

Gaddafi: bizarrer Auftritt im libyschen TV

22.02.2011, 09:14 Uhr | AFP, dpa, dapd

Gaddafi: Bizarrer Auftritt im libyschen TV. Altes Auto und Regenschirm: Der libysche Staatschef Gaddafi bei seinem TV-Auftritt (Foto: Reuters)

Altes Auto und Regenschirm: Der libysche Staatschef Gaddafi bei seinem TV-Auftritt (Foto: Reuters)

Erstmals seit Beginn der Unruhen in seinem Land hat sich der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi zu Wort gemeldet. Im Staatsfernsehen sagte er in der Nacht zum Dienstag: "Ich bin in Tripolis und nicht in Venezuela." Er trat damit Spekulationen entgegen, wonach er Libyen bereits verlassen haben soll.

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Sonst sagte Gaddafi nichts. Er trug während der nur wenige Sekunden langen Aufnahme, die wie ein Sketch wirkte, einen Regenschirm in der Hand. Er saß dabei in einem alten Auto und murmelte leise vor sich hin. Er habe mit den Jugendlichen auf dem Grünen Platz in Tripolis reden wollen, aber dann habe es angefangen zu regnen, zitiert der arabische Sender Al-Dschasira aus der kurzen Rede, die mit dem Satz "Hört nicht auf die Ansagen der streunenden Hunde!" endete.

Milizen machen Jagd auf Gaddafi-Gegner

Nach einem Augenzeugenbericht machen regierungstreue Milizen inzwischen Jagd auf Gegner von Gaddafi. Mitglieder der "Revolutionskomitees" hätten das Stadtzentrum von Tripolis besetzt, sagte ein Bewohner mit dem Vornamen Fathi, der in der Nähe des zentralen Grünen Platzes lebt. Aus Angst vor Repressalien wollte er seinen Nachnamen nicht genannt wissen. Die Situation am Montag beschrieb er als "sehr, sehr gewaltsam".

"Wir wissen, dass das Regime am Ende ist, und die Libyer weichen nicht zurück", fügte er hinzu. "Das Volk hat nach all dem, was passiert ist, eine eigenartige Entschlossenheit." Die Bewohner der Hauptstadt hofften nun darauf, dass sie aus anderen Teilen des Landes Unterstützung erhielten.

Bei dem Versuch, die Proteste gegen Staatschef Gaddafi niederzuschlagen, hätten libysche Sicherheitskräfte nach Berichten des Senders Al-Dschasira allein am Montag mehr als 150 Menschen getötet. Unterschiedlichen Angaben zufolge wurden seit Beginn der Proteste vor einer Woche bis zu 400 Menschen getötet. Berichte, wonach die Luftwaffe Demonstranten in Tripolis und Bengasi angegriffen habe, wies Gaddafis Sohn Saif al-Islam allerdings zurück. Die Streitkräfte hätten Munitionslager bombardiert, die weit außerhalb bewohnter Stadtgebiete lägen, aber keine Städte, wurde er vom Staatsfernsehen zitiert.

Diplomaten und Soldaten distanzieren sich

Aus Protest gegen die Gewalt der Sicherheitskräfte gegen Regierungsgegner distanzierten sich weitere Diplomaten von dem Regime. Soldaten weigerten sich, weiter auf Demonstranten zu schießen. In der zweitgrößten Stadt Bengasi sollen ganze Militäreinheiten desertiert sein, wie die in Paris ansässige Internationale Menschenrechtsföderation berichtet.

In der Nacht riet auch der ehemalige Gaddafi-Vertraute Nuri al-Mismari dazu, den Kampf gegen die Aufständischen aufzugeben. "Du siehst doch, dass dich das Volk nicht will, nun geh doch endlich", sagte er dem Sender Al-Dschasira. Al-Mismari, der Gaddafi viele Jahre lang wie ein Schatten überall hin begleitet hatte, hatte sich im vergangenen Jahr nach einer "Palastintrige" nach Frankreich abgesetzt.

Zwei Jets der libysche Streitkräfte landeten am Montag auf Malta. Nach Al-Dschasira-Informationen desertierten die Piloten und flohen auf die Mittelmeerinsel, nachdem sie den Befehl erhalten hatten, Demonstranten in Bengasi aus der Luft anzugreifen. Sie hätten um politisches Asyl gebeten, sagte ein Sprecher der maltesischen Armee.

UN-Botschafter: Gaddafis Ende ist nur noch "Frage von Tagen"

Aus Protest gegen die Gewalt kündigten mehrere Mitarbeiter der libyschen UN-Vertretung in New York Gaddafi die Gefolgschaft. In einer Erklärung riefen sie die libysche Armee auf, den Revolutionsführer und sein Regime zu entmachten. Nach Auffassung des stellvertretenden UN-Botschafters Ibrahim Dabbaschi ist das Ende des Machthabers nur noch eine "Frage von Tagen".

Dabbaschi und seine Kollegen forderten, Gaddafi wegen der von ihm zu verantwortenden Verbrechen vor den Internationalen Strafgerichtshof zu bringen. Sie warfen ihm unter anderem "Völkermord" an seinem eigenen Volk vor. Zuvor hatte bereits der einflussreiche katarische Theologe Scheich Jussuf al-Kardawi die libysche Armee zur Ermordung ihres Oberbefehlshabers aufgefordert.

UN-Sicherheitsrat kündigt Krisensitzung an

Im Ausland nimmt die Empörung über die zügellose Gewalt gegen die Demonstranten weiter zu. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte für Dienstagmorgen eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats zur Lage in Libyen angekündigt. Er habe selbst 40 Minuten lang am Telefon mit Gaddafi gesprochen, sagte Ban in Los Angeles. Dabei habe er den Machthaber aufgefordert, die Gewalt zu beenden sowie die Rechte der Demonstranten zu respektieren. Auch US-Außenministerin Hillary Clinton forderte die libysche Führung auf, das "nicht hinnehmbare Blutvergießen" sofort zu beenden.

Fast alle EU-Staaten raten ihren Bürgern inzwischen von Reisen nach Libyen ab. Mehr und mehr Länder planen zudem die Evakuierung von Staatsbürgern aus dem nordafrikanischen Land. Ausländische Unternehmen ziehen bereits Personal aus Libyen ab.

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