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Libyen: Mit Luftangriffen und Panzerfeuer gegen die Aufständischen

Mit Luftangriffen und Panzerfeuer gegen die Aufständischen

07.03.2011, 09:26 Uhr | AFP, dapd, dpa

Libyen: Mit Luftangriffen und Panzerfeuer gegen die Aufständischen. Libyen: Bei den Kämpfen um Bin Dschawad wurden viele Menschen verletzt (Foto: AFP)

Bei den Kämpfen um Bin Dschawad wurden viele Menschen verletzt (Foto: AFP)

In Libyen haben sich Aufständische und Anhänger von Machthaber Muammar al-Gaddafi erneut schwere Kämpfe geliefert. Regierungstruppen flogen Luftangriffe gegen Rebellen, die in Richtung der Hauptstadt Tripolis marschierten. Gaddafis Milizen konnten offenbar die Stadt Bin Dschawad zurückerobern. Augenzeugen berichteten, diese seien zudem mit Panzern gegen Rebellen in der Stadt Misrata vorgegangen.

Misrata wurde bislang von den Rebellen kontrolliert. Die Panzer hätten Mörsergranaten und Panzerartillerie auf das Zentrum der Stadt im Nordwesten des Landes abgefeuert, berichtete ein Augenzeuge. Zudem seien Schüsse aus automatischen Waffen zu hören.

Die Aufständischen zogen sich derweil nach eigenen Angaben aus der umkämpften Stadt Ben Dschawad rund hundert Kilometer östlich von Sirte zurück. Die Küstenstadt Ras Lanouf werde "unsere Verteidigungslinie" sein, sagte einer der Aufständischen. Ein anderer Rebell sagte, die Regierungstruppen seien besser bewaffnet und hätten mit schweren Waffen angegriffen. In Ben Dschawad kamen bei Gefechten mit Gaddafi-Truppen nach Angaben eines Arztes mindestens zwei Menschen ums Leben.

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In Al-Sawija schlugen die Rebellen dagegen offenbar eine Offensive regierungstreuer Truppen zurück. Eine Journalistin des britischen Senders Sky News berichtete, eine Panzerkolonne sei in die Stadt eingerückt und habe das Feuer eröffnet. Anschließend sei es aber offenbar den Rebellen gelungen, den Angriff zurückzuschlagen. Sie habe auf dem zentralen Platz mehrere von Aufständischen eroberte Panzer gesehen, die teilweise gebrannt hätten. "Das ist ein echtes Massaker", berichtete ein Arzt telefonisch als Al-Sawija. Gaddafis Truppen hätten viele Menschen getötet.

Schüsse in Tripolis

Am Sonntagmorgen war in der libyschen Hauptstadt Tripolis schweres Maschinengewehrfeuer ausgebrochen. Die anhaltenden Schüsse seien auch am Flughafen und nahe der Residenz von Staatschef Muammar al-Gaddafi zu hören gewesen, berichteten Augenzeugen.

Ein Regierungssprecher sagte, bei den Schüssen handele es sich um Freudensalven, da es dem Militär gelungen sei, Al-Sawija, Ras Lanouf, sowie die Städte Misrata und Tobruk wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Aufständische und Augenzeugen widersprachen diesen Darstellungen. Auch die durch Luftangriffe attackierte Stadt Ras Lanouf sei weiter in Hand der Aufständischen, berichteten Journalisten.

Gaddafi warnt Westen vor Chaos

Gaddafi warnte derweil in einem Interview mit der französischen Zeitung "Le Journal du Dimanche" den Westen vor Chaos, sollte er gestürzt werden. Wenn seine Macht weiter geschwächt werde, drohe Europa eine Einwanderungsflut aus Libyen, Piraten würden sich an der Küste festsetzen und das Terrornetzwerk Al-Kaida werde sich ausbreiten. "Ihr werdet Bin Laden vor eurer Tür haben", sagte der Revolutionsführer. Seiner Ansicht nach ist der Volksaufstand in Libyen von Al-Kaida gesteuert.

In dem Interview zeigte Gaddafi Unverständnis für die Haltung der internationalen Gemeinschaft. "Ich bin erstaunt, dass niemand versteht, dass dies ein Kampf gegen den Terrorismus ist", sagte er. "Unsere Geheimdienste arbeiten zusammen. Wir haben euch in den letzten Jahren viel geholfen. Also warum hilft uns nun im Gegenzug niemand, wenn wir hier in Libyen gegen Terrorismus kämpfen?", fragte er und warnte zugleich vor einem Heiligen Krieg der Islamisten im Mittelmeerraum.

Gaddafi forderte in dem Interview zudem eine Untersuchung der Vorfälle in Libyen durch eine Kommission der UNO oder der Afrikanischen Union (AU). Diese Kommission würde ungehindert arbeiten können, versicherte Gaddafi.

Aufständische halten britische Soldaten fest

Beobachter befürchteten, dass die Kämpfe noch Wochen oder Monate andauern und das Land in einen Bürgerkrieg abgleiten könnte. Nach Angaben der UNO sind bisher fast 200.000 Menschen vor den Kämpfen zwischen den Truppen Gaddafis und Regierungsgegnern aus dem Land geflohen. Zudem seien rund zehntausend Menschen derzeit auf dem Weg zur ägyptischen Grenze, wo sie in zwei oder drei Tagen eintreffen dürften, teilte das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten mit.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte weitere Sanktionen gegen Gaddafis Regime. "Was in Libyen geschieht, erfüllt mich mit größter Sorge", sagte er der "Welt am Sonntag". Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen müsse sich erneut mit der Lage befassen. "Gezielte Sanktionen sind notwendig gegen diejenigen, die für die Verbrechen gegen das libysche Volk verantwortlich sind", sagte Westerwelle.

Der von den Regimegegnern gebildete Nationalrat forderte die internationale Gemeinschaft auf, mit einer Flugverbotszone Gaddafi daran zu hindern, "sein eigenes Volk zu bombardieren". Ein Eingreifen ausländischer Truppen auf libyschem Boden wurde hingegen strikt abgelehnt.

Nach einem Bericht der "Sunday Times" halten Aufständische eine Spezialeinheit der britischen Armee im Osten Libyens fest. Die bis zu acht SAS-Soldaten seien gefangen genommen worden, als sie einen britischen Diplomaten durch das von Aufständischen kontrollierte Gebiet begleiteten. Das unerwartete Auftauchen der Spezialeinheit habe die Aufständischen verärgert, worauf die Männer festgesetzt worden seien. Die Rebellen fürchteten demnach, dass Gaddafi die Präsenz ausländischer Truppen im Land für seine Zwecke instrumentalisieren könnte. Gegen Abend wurden die Männer wieder freigelassen.

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