Sie sind hier: Home > Politik > Specials > Die Syrien-Krise >

Libyen: Gaddafis Truppen greifen Al-Sawijah mit Artillerie und Panzern an

"Die Panzer schießen überall auf uns"

08.03.2011, 21:46 Uhr | AFP, dpa

Libyen: Gaddafis Truppen greifen Al-Sawijah mit Artillerie und Panzern an. Fernsehbilder zeigen, wie libysche Rebellen vor einer einschlagenden Bombe flüchten, die ein Kampfflugzeug abgeworfen hat (Foto: AFP)

Fernsehbilder zeigen, wie libysche Rebellen vor einer einschlagenden Bombe flüchten, die ein Kampfflugzeug abgeworfen hat (Foto: AFP)

Truppen von Libyens Staatschefs Muammar al-Gaddafi haben am Dienstagabend nach unbestätigten Angaben die west-libysche Stadt Al-Sawijah mit Artillerie und Panzern angegriffen. "Die Panzer schießen überall auf uns", berichtete ein Augenzeuge im Kurzmitteilungsdienst Twitter. "Sie verschonen kein Haus, keine Moschee, keine Schule."

Die Details dieses Berichts konnten aus anderen Quellen vorerst nicht bestätigt werden. Al-Sawijah war aber bereits am vergangenen Wochenende heftig umkämpft. Die Regimetruppen waren mehrfach in das Zentrum der Stadt 50 Kilometer westlich von Tripolis eingedrungen, mussten sich aber wegen des Widerstands stets wieder zurückziehen.

Wieder Luftangriffe

Einheiten Gaddafis setzten ihre Angriffe auf die von den Rebellen gehaltenen Städte fort. Kampfflugzeuge griffen Ras Lanuf an, dabei wurden mindestens vier Menschen verletzt. Die Stadt Sintan 120 Kilometer südwestlich von Tripolis befand sich weiter in der Hand der Aufständischen, wurde aber von Regierungstruppen belagert.

Angesichts der anhaltenden Angriffe mit Kampfflugzeugen auf libysche Aufständische mehren sich in der arabischen Welt Forderungen nach einer Flugverbotszone. Nach dem Golfkooperationsrat sprach sich auch die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) für ein Flugverbot aus. Laut dem französischen Außenministerium unterstützt auch die Arabische Liga ein Flugverbot. Sie trifft sich diese Woche zu einer Sondersitzung zu Libyen, die am Dienstag auf Samstag verschoben wurde.

Derzeit arbeiten Frankreich und Großbritannien an einer Entschließung des UN-Sicherheitsrats für ein Flugverbot über Libyen. Die libyschen Aufständischen hatten dies vergangene Woche gefordert. Vor der Einrichtung einer Flugverbotszone müsste allerdings die libysche Luftabwehr zerstört werden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte vor einer überhasteten Entscheidung. Eine Flugverbotszone sei "eine Option - die muss aber durchdacht und auch durchgesetzt werden", sagte er der "Schwäbischen Zeitung".

Weitere Nachrichten und Links

Rebellen stellen Ultimatum

Die Behauptung, Gaddafi habe den Aufständischen einen Dialog angeboten, nannte ein Regierungsvertreter in Tripolis "dummes Zeug". Der Präsident des oppositionellen Nationalrats in Bengasi, Mustafa Abdel Dschalil, sagte, eine Gruppe von Anwälten aus Tripolis habe angeboten, bei Verhandlungen mit Gaddafi zu vermitteln, der Rat habe diese Vermittlung jedoch abgelehnt. Dschalil erneuerte jedoch sein Angebot, Gaddafi Straffreiheit zu gewähren, wenn er das Land innerhalb der nächsten 72 Stunden verlasse und die Angriffe auf die Rebellen aufhörten.

Der Internationale Strafgerichtshof leitete allerdings schon Ermittlungen gegen Gaddafi wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein. Diese müssten schnell vorangetrieben werden, um auch eventuelle Kriegsverbrechen zu untersuchen, sagte Chefankläger Luis Moreno-Ocampo.

Bundesmarine bringt Flüchtlinge in Sicherheit

Drei Tage nach ihrem Ablegen in Tunesien trafen am Dienstag drei Schiffe der Bundesmarine mit mehr als 400 Flüchtlingen an Bord in Ägypten ein. Die aus Libyen geflohenen Ägypter seien nach Alexandria gebracht worden, teilte das Bundesverteidigungsministerium mit.

Die US-Regierung erteilte Forderungen nach Waffenlieferungen an die Gegner Gaddafis vorerst eine Absage. Die EU einigte sich am Dienstag auf Expertenebene im Grundsatz auf eine Ausweitung ihrer Sanktionen gegen die libysche Führung.

Opposition will von EU anerkannt werden

Die libysche Opposition will von der EU so schnell wie möglich als einzig legitime Autorität in dem nordafrikanischen Land anerkannt werden. Das forderte der frühere libysche Planungsminister und das Gründungsmitglied des Nationalrats, Mahmud Dschebril, am Dienstag in einer Rede vor Abgeordneten des Europaparlaments in Straßburg. Zugleich bat er die EU um Militärhilfe sowie um wirtschaftliche, humanitäre und medizinische Unterstützung.

"Wir würden jede Hilfe schätzen, die es dem libyschen Volk ermöglichen würde, dieser Revolution ein glückliches Ende zu setzen», sagte Dschebril bei dem Treffen mit den EU-Parlamentariern, das auf Einladung des früheren belgischen Ministerpräsidenten Guy Verhofstadt zustande kam. Dschebril sprach sich für eine Flugverbotszone über Libyen aus, lehnte eine weitergehende ausländische Militärintervention auf libyschem Boden jedoch ab. Den Menschen müssten lediglich die Mittel gegeben werden, den Aufstand selbst zu führen.

Kritik an Ashton

Das Treffen der Parlamentarier mit der libyschen Opposition gilt als Niederlage für die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, der es bislang nicht gelang, Vertreter der libyschen Opposition zu kontaktieren. Zahlreiche EU-Abgeordnete kritisieren die Unfähigkeit Ashtons, den Anforderungen des ihr übertragenen Mandats nachzukommen. Ashton soll am Mittwoch an einer Debatte über die Lage in Libyen in Straßburg teilnehmen und dabei auch libysche Oppositionsvertreter treffen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal