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Japan erlebt nuklearen Ernstfall

Japan erlebt nuklearen Ernstfall

12.03.2011, 17:17 Uhr | AFP, dpa, dapd

In Japan hat es ein Jahrhundert-Erdbeben gegeben - das Land erlebt eine nukleare Katastrophe.

Weitere Nachrichten und Links

Das Geschehen im Live-Ticker:

Hier geht es zu den neusten Meldungen im Live-Ticker.

+++ Grüne fordern Konsequenzen +++

[13.23 Uhr] Die Grünen haben sich tief besorgt über die Lage nach dem Atomunfall in Japan geäußert und Konsequenzen in Deutschland gefordert. Auch die deutschen Atomanlagen seien für einen derartigen Notfall nicht ausgelegt, sagte Fraktionschef Jürgen Trittin am Samstag in Berlin. Das sei der Grund für den Atomausstieg gewesen. "Umso unverständlicher" sei es, dass Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) so tue, "als sei Deutschland von den Vorgängen in Japan unberührt", betonte Trittin.

+++ Japans Premier spricht nicht von Kernschmelze +++

[13.06 Uhr] Japans Premierminister Naoto Kan hat sich besorgt über die Lage nach dem Atomunfall gezeigt, aber nicht von einer Kernschmelze im beschädigten Atomkraftwerk Fukushima gesprochen. Die Explosion vom Nachmittag werde zu keinem größeren radioaktiven Leck führen, sagte anschließend sein Regierungssprecher Yukio Edano.

+++ Deutsche Helfer erreichen Katastrophengebiet +++

[13.03 Uhr] Erste Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) aus Deutschland sind in dem Katastrophengebiet eingetroffen. Ein vierköpfiges Team sei mittlerweile in der deutschen Botschaft in Tokio, um sich an der Koordinierung der Hilfe zu beteiligen, sagte eine THW-Sprecherin am Samstag in Bonn. Zwei weitere Helfer seien vor Ort, um die Lage in dem Katastrophengebiet zu erkunden. Ein 40-köpfiges Team der THW mit Ortungs- und Bergungsgerät und drei Spürhunden sollte am Abend (MEZ) in Japan eintreffen.

+++ Deutsche Judokas sollen zurückgeholt werden +++

[12.43 Uhr] Die in Japan weilenden deutschen Judokas um Olympiasieger Ole Bischof sollen schnellstmöglich zurückgeholt werden. Dies habe das Präsidium des Deutschen Judo-Bundes (DJB) angesichts der aktuellen Ereignisse "zum Schutz der Gesundheit der Athleten" beschlossen, teilte der Verband auf seiner Homepage mit. Die deutschen Frauen befinden sich im Trainingslager in Tokio, die Männer in Tenri bei Osaka.

+++ Merkel lädt zu Krisentreffen +++

[12.36 Uhr] Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Guido Westerwelle und Umweltminister Norbert Röttgen wollen am Samstagabend bei einem Krisentreffen die Konseqenzen aus dem Reaktorunfall im japanischen Fukushima erörten. Anschließend wird die Kanzlerin ein Statement zur Lage (18.45 Uhr) abgeben. Das sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

+++ Tagesschau.de: Kernschmelze hat stattgefunden +++

[12.32 Uhr] Nach einem Bericht von tagesschau.de soll es im AKW Fukushima eine Kernschmelze gegeben haben. Die japanischen Behörden hätten dies offiziell bestätigt, berichtet ARD-Korrespondent Robert Hetkämper.

+++ Momentan keine Atom-Gefahr für Russland +++

Nach der Explosion im japanischen Atomkraftwerk Fukushima droht nach Ansicht der staatlichen russischen Wetterbehörde Rosgidromet derzeit keine Gefahr für Russland. Der Wind wehe mögliche radioaktive Wolken auf den Pazifik hinaus, sagte Rosgidromet-Chef Alexander Frolow nach Angaben der Agentur Interfax. "Es gibt keinen Grund zur Panik." Unterdessen bereiteten sich etwa 200 russische Rettungskräfte, Mediziner und Psychologen auf einen Einsatz im Katastrophengebiet vor. Die Helfer hätten ein mobiles Krankenhaus dabei, teilte das Zivilschutzministerium in Moskau mit. Kremlchef Dmitri Medwedew hatte Japan Hilfe versprochen. Die politischen Beziehungen zwischen Moskau und Tokio sind wegen eines Streits um die Inselgruppe der Südkurilen im Pazifik stark belastet.

+++ Öko-Institut: Lage sehr kritisch +++

[12.19 Uhr] Die Lage in Japan ist nach Einschätzung des Darmstädter Öko-Instituts "extrem kritisch". "Die Bilder lassen Schlimmes ahnen", sagte Atomexperte Christoph Pistner. "Aber es ist noch nicht wirklich genau abzuschätzen. Das ist alles noch sehr spekulativ", erklärte der Fachmann für Nukleartechnik und Anlagensicherheit. "Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es keine Auswirkungen auf Europa geben. Die Abstände sind einfach zu groß."

+++ Japans Turner in Cottbus geschockt +++

[12.10 Uhr] Mit Entsetzen und Bangen verfolgen die japanischen Turner bei einem Turnier in Cottbus die Auswirkungen des schrecklichen Erdbebens in ihrer Heimat. "Alle sind sehr betroffen", berichtete der deutsche Turn-Cheftrainer Andreas Hirsch. Viele Sportler sahen erst nach der langen Qualifikation am späten Freitagabend und am Samstag die ersten TV-Bilder aus ihrer Heimat und versuchten, Kontakt zu ihren Angehörigen aufzunehmen. "Das ist verheerend", beschrieb Hirsch die Stimmung im japanischen Lager. Im Oktober soll in Tokio die Weltmeisterschaft im Turnen stattfinden. "Darüber denkt jetzt niemand nach", betonte der Trainer angesichts der dramatischen Ereignisse in Japan.

+++ Sicherheitsbehörde erwartet keine ernsten Schäden an AKW +++

[12.02 Uhr] Beamte der japanischen Atomsicherheitsbehörde glauben nicht, dass es am Gehäuse des Reaktors Nummer 1 im Kernkraftwerk Fukushima Eins zu ernsten Schäden gekommen ist. Zu dieser Einschätzung seien sie nach Prüfung jüngster Radioaktivitätswerte nach der Explosion vom Nachmittag (Ortszeit) gekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

+++ 400 Leichen in japanischem Küstenort entdeckt +++

[11.59] In der nordostjapanischen Küstenstadt Rikuzentakata fand die Armee 300 bis 400 weitere Todesopfer. Das berichtete der öffentlich-rechtliche Sender NHK.

+++ Krisenstab in Berlin +++

[11.55 Uhr] In Berlin befasst sich ein Krisenstab mit der Lage in Japan. Außenminister Guido Westerwelle verließ das EU-Außenministertreffen in Ungarn daher vorzeitig.

+++ Greenpeace: Das ist der GAU +++

[11.50 Uhr] Carsten Smied sagte im Gespräch mit t-online.de: "Das ist der Gau, vor dem seit 30 Jahren gewarnt wird." Die Folgen seien nicht absehbar. Im Moment wehe der Wind Richtung See. Wenn radioaktive Wolken über dem Meer abregnen würden, wäre der Pazifik versucht - über den Fisch kämen die Giftstoffe in die Nahrungskette, sagte Smied. Dann würde die Katastrophe in Japan auch Deutschland treffen.

+++ Japan fordert Hilfe aus Großbritannien an +++

[11.43 Uhr] Die japanische Regierung hat Großbritannien offiziell um Hilfe bei der Bewältigung der Folgen des katastrophalen Erdbebens gebeten. Das teilte ein Sprecher des Außenministeriums in London mit. Zu den Rettungsteams, die sofort losfliegen könnten, gehören Mediziner, Hunde-Suchtrupps und Experten für Opfer-Identifikation.

+++ Auswärtiges Amt rät von Reisen nach Japan ab +++

[11.36 Uhr] Das Auswärtige Amt rät von nicht unbedingt erforderlichen Reisen in den Großraum Tokio und den Nordosten Japans ab.

+++ Japans Regierung weitet Evakuierungsradius aus +++

[11.13 Uhr] Die japanische Regierung hat den Evakuierungsradius um die beschädigten Kernkraftwerke Fukushima Eins und Zwei von 10 auf 20 Kilometer ausgeweitet. Die Provinzregierung habe eine entsprechende Weisung des Premierministerbüros erhalten, meldet die Agentur Jiji. Die radioaktive Strahlung sei nach einem Anstieg wieder am Fallen, so die Agentur Kyodo.

+++ Umweltministerium sieht keine Gefahr für Deutschland +++

[11.10 Uhr] Eine Gefährdung Deutschlands vom beschädigten Atomkraftwerk in Fukushima kann nach den Worten Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) "praktisch ausgeschlossen werden". Diese liege an der großen Entfernung und der Wind- und Wetterlage, sagte Röttgen. In Japan wehe der Wind vom Festland auf den Pazifik und nicht in westliche Richtung.

Nach Röttgens Angaben mehren sich die Informationen, dass im Reaktor eine Kernschmelze im Gang ist. "Dies ist eine Entwicklung, bei der keine Konsequenz ausgeschlossen werden kann", sagte Röttgen. Deutschland habe Japan alle denkbaren Hilfen angeboten. Die Bundesregierung stehe in ständigem Kontakt mit den internationalen Behörden.

+++ Beck fordert Rückkehr zum Atomausstieg +++

[11.05 Uhr] Angesichts des Atomnotstands in Japan hat der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck eine Rückkehr zum Atomausstieg in Deutschland verlangt. "Ich will nicht mit einer so schlimmen Katastrophe Politik machen, aber gerade unter dem Eindruck eines solchen Risikos wünschen sich wohl alle vernünftigen Menschen ganz dringend, das es beim Ausstieg aus der nicht beherrschbaren Kernkraft bleibt", sagte der SPD-Politiker der "Leipziger Volkszeitung". In Japan sehe man, welche Gefahr von der Kernkraft ausgehe. "Niemand bei uns in Deutschland kann verlässlich sagen, ein derartiges Unglück wie in Japan kann hier nicht passieren", sagte Beck. "Wir haben auch kritische Erdbebenzonen, beispielsweise entlang der Rheinschiene."

+++ Nissan und Honda stellen Produktion in Japan ein +++

[10.39 Uhr] Die beiden japanischen Autokonzerne Nissan und Honda stellen nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami in Japan die Produktion in sämtlichen heimischen Fabriken ein. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

+++ Erste deutsche Helfer eingetroffen +++

[10.38 Uhr] Vier Experten des Technischen Hilfswerks kamen in Tokio an, wie ein THW-Sprecher sagte. Sie würden jetzt die Arbeit aufnehmen und in Abstimmung mit der deutschen Botschaft und den japanischen Behörden die Lage erkunden.

+++ Hamsterkäufe und Flucht in Japans Süden +++

[10.36 Uhr] Augenzeugen in Japan berichten von Hamsterkäufen. Einige Bürger seien bereits Richtung Süden aufgebrochen, um sich vor einer möglichen Atomkatastrophe im Nordosten des Landes in Sicherheit zu bringen.

+++ Japans Regierung ruft Bevölkerung zur Ruhe auf +++

[10.30 Uhr] Ein japanischer Regierungssprecher hat die Lage nach der Explosion im Atomkraftwerk Fukushima als eine "vermutlich sehr ernste Situation" bezeichnet. Er rief die Bevölkerung auf, ruhig zu bleiben, meldete der Fernsehsender NHK.

+++ Auswirkungen auf den Luftverkehr +++

[10.10 Uhr] Im Luftverkehr zwischen Japan und Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt werden am Samstag die Maschinen mit Verspätung erwartet. Ein Flug aus Tokio wurde ganz gestrichen. Von Frankfurt aus sollen dagegen alle Flugzeuge wie geplant starten, berichtete ein Flughafensprecher am Morgen.

+++ TV: Anwohner sollen Fenster schließen +++

[9.49 Uhr] Der Fernsehsender NHK riet allen Anwohnern, zuhause zu bleiben und die Fenster zu schließen. Diese Maßnahme galt demnach für Bewohner über den Umkreis der Evakuierungszone von zehn Kilometern hinaus.

+++ Erschütterung vor Explosion in Fukushima +++

[9.35 Uhr] Unmittelbar vor der Explosion in dem beschädigten japanischen Atomkraftwerk in Fukushima hat es eine Erschütterung gegeben. Das berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

+++ Explosion zerstört Dach und Mauern +++

[9.26 Uhr] Nach der Explosion in dem Atomkraftwerk Fukushima 1 sind nach Meldungen des TV-Senders NHK Dach und Mauern des Reaktorgebäudes zerstört.

+++ Tsunami verschont Lateinamerika weitgehend +++

[9.26 Uhr) In Lateinamerika sind die Auswirkungen des Tsunamis nach dem schweren Erdbeben in Japan deutlich geringer ausgefallen als befürchtet. Wegen einer befürchteten Flutwelle waren in den Ländern entlang der Pazifikküste mehrere hunderttausend Menschen in Sicherheit gebracht worden. Bereits am späten Abend konnte in den meisten Regionen jedoch wieder Entwarnung gegeben werden.

+++ Betreiber: Vier Verletzte nach Explosion +++

[9.22 Uhr] Bei der Explosion im japanischen Atomkraftwerk Fukushima sind nach Erkenntnissen des Betreibers Tepco vier Menschen verletzt worden. Das meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

+++ Teile der Reaktorhülle weggebrochen +++

[9.17 Uhr] Nach Fernsehbildern zu urteilen scheint ein Teil der Reaktorhülle bei der Explosion beschädigt worden zu sein. Es wurden wohl auch Mitarbeiter verletzt.

+++ Explosion in Atomanlage Fukushima 1 +++

[8.59 Uhr] In dem japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 hat es der Nachrichtenagentur Jiji zufolge eine Explosion gegeben. Im Fernsehen übertragenen Bildern zufolge war eine weiße Rauchwolke über dem Werk zu sehen, das von dem schweren Erdbeben beschädigt worden war. Den Berichten zufolge war der Grad der in der Anlage gemessenen Radioaktivität zudem 20 Mal so hoch wie normal.

+++ Tsunami erreicht amerikanischen Kontinent und tötet einen Menschen +++

[8.13 Uhr] Nach dem schweren Erdbeben in Japan hat der Tsunami die Westküste des amerikanischen Kontinents erreicht und in den USA mindestens einen Menschen getötet. Wellen in Höhe von bis zu 2,4 Metern schlugen nach Angaben der Behörden am Freitag (Ortszeit) an der Küste der US-Bundesstaaten Kalifornien und Oregon auf. Im nordwestkalifornischen Bezirk Del Norte County starb ein 25-Jähriger, nachdem er von den Wellen ins Meer gerissen wurde. Er wollte mit einigen Freunden Fotos des ankommenden Tsunamis machen.

In Crescent City und in Santa Cruz wurden dutzende Boote beschädigt, sonst wurden aber keine größeren Schäden gemeldet. Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown rief jedoch für vier Küstenbezirke den Notstand aus. Auch Kanada sprach Warnungen für die Küstenprovinz British Columbia aus. In Chile, Ecuador und Peru wurden ganze Küstenbereiche evakuiert. Zuvor hatten die Wellen auch die mexikanische Pazifikküste erreicht, Schäden wurden aber nicht gemeldet.

+++ 50.000 japanische Soldaten für Rettungsaktion entsandt - 190 Militärflugzeuge und 25 Schiffe unterwegs +++

[7.33 Uhr] Angesichts Tausender Vermisster nach dem verheerenden Erdbeben hat Japan ein großes Militäraufgebot für Rettungsaktionen abgestellt. Ministerpräsident Naoto Kan erklärte am Samstag, dass hierzu 50.000 Soldaten entsandt worden seien. Außerdem seien 190 Militärflugzeuge sowie 25 Schiffe in die von dem Erdbeben betroffenen Gebiete unterwegs. "Die meisten Häuser an der Küstenlinie sind weggespült worden", erklärte Kan nach einem Helikopterflug über dem Erdbebengebiet. Der Tsunami habe sehr schwere Schäden verursacht, sagte er.

Unterdessen bestätigten Behörden offiziell bislang 413 Todesopfer. Demnach wurden 1128 Menschen verletzt, 784 weitere gelten als vermisst. Die Polizei teilte mit, allein entlang der Küste der Stadt Sendai seien 200 bis 300 Leichen entdeckt worden. Eine unbekannte Zahl von Opfern ist vermutlich von herabfallendem Mauerwerk verschüttet worden.

Rettungskräften ist es bislang noch nicht gelungen, zu den am schwersten betroffenen Gebieten vorzudringen.

+++ Radioaktives Cäsium ausgetreten - Gefahr von Kernschmelze +++

[7.30 Uhr] In der Nähe des beschädigten japanischen Atomkraftwerks Fukushima ist radioaktives Cäsium festgestellt worden. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Atomsicherheitskommission. Es sei möglich, dass in dem Reaktor eine Kernschmelze ablaufe.

Es sei jedoch derzeit nicht notwendig, den Evakuierungsradius um das Akw von zehn Kilometern zu vergrößern, meldete der Fernsehsender NHK unter Berufung auf die Atomsicherheitsbehörde. Wichtig sei, dass der Reaktor weiter abkühle, zitierte NHK einen Atomexperten. Gelinge dies nicht, könne weiterer Brennstoff schmelzen.

Der Betreiber des AKW habe daran gearbeitet, den Druck aus dem Reaktorgehäuse abzulassen, um eine Kernschmelze zu verhindern, so Kyodo. Trotz dieser Maßnahme seien ungewöhnlich hohe Radioaktivitätswerte in und um das Akw festgestellt worden.

Das Geschehen bis Samstag, 7.30 Uhr:

Nach dem schwersten Erdbeben in der Geschichte Japans bahnt sich eine zweite Katastrophe an: In einem der vom Erdbeben beschädigten Atomreaktoren ist womöglich eine Kernschmelze im Gange. Betroffen sei der Reaktor 1 im 250 Kilometer nordöstlich von Tokio gelegenen Atomkraftwerk Fukushima 1, meldeten die Nachrichtenagenturen Kyodo und Jiji. Nach Einschätzung der Behörde für atomare Sicherheit "könnte sich dort eine Kernschmelze vollziehen". Kyodo meldete weiter, in der Nähe von Fukushima 1 sei radioaktives Cäsium entdeckt worden. Japan rief den Notstand für zwei Reaktoren im Akw Fukushima 1 und drei Reaktoren in Fukushima 2 aus.

Die Brennstäbe seien kurz der Luft ausgesetzt gewesen, als der Pegel des Kühlwassers sank. Es werde nun Wasser in den Reaktor gepumpt. Ein Sprecher der Betreiberfirma Tokyo Electric Power (Tepco) sagte hingegen, es sei keine Kernschmelze im Gange. Es werde versucht, den Kühlwasserstand zu erhöhen, um die Temperatur im Reaktor wieder zu senken.

In den Akws Fukushima 1 und 2 waren durch das Erdbeben am Freitag die Kühlsysteme beschädigt worden, so dass dort eine Kernschmelze drohte. Die betroffenen Reaktoren schalteten sich durch das Erdbeben automatisch ab. Beim Herunterfahren müssen jedoch die Kühlsysteme anspringen, um die dabei entstehenden hohen Temperaturen zu senken. Eine Kernschmelze kann zu einer unkontrollierten Kettenreaktion und zum Austritt starker Radioaktivität führen.

Kyodo meldete weiter, in der Nähe von Fukushima 1 sei radioaktives Cäsium entdeckt worden. Im Kontrollraum eines Reaktors von Fukushima 1 war zuvor bereits eine gegenüber dem Normalwert tausendfach erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Außerdem war der Druck im Reaktor zu hoch.

Mehr als 1000 Tote erwartet

Bei dem verheerenden Tsunami sind wahrscheinlich mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen. Das Beben der Stärke 8,8 bis 8,9 löste eine bis zu zehn Meter hohe Flutwelle aus, die im Nordosten der Hauptinsel Honshu Häuser, Schiffe und zwei Züge fortschwemmte. Bei dem Beben wurde das Kühlsystem eines Atomreaktors beschädigt, die Regierung rief den atomaren Notstand aus.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo stieg die Opferzahl nach dem Beben und dem Tsunami "von Minute zu Minute". Behörden bestätigen offiziell bislang 413 Todesopfer, 1128 Menschen wurden verletzt und 784 weitere gelten demnach als vermisst. Allein in der von einer zehn Meter hohen Flutwelle überschwemmten Stadt Sendai seien 200 bis 300 Leichen an einem Strand gefunden worden.

1200 Häuser wurden in Sendai, der Hauptstadt der am stärksten betroffenen Präfektur Miyagi im Nordosten von Honshu, zerstört. Die Bewohner mussten die Nacht ohne Wasser und Strom verbringen. 

Schiff mit 100 Menschen an Bord mitgerissen

Vor der Küste Miyagis riss die Flutwelle ein Schiff mit etwa 100 Menschen an Bord mit. Nach Angaben von Kyodo und Jiji verschwanden in der Region zudem zwei Züge mit einer unbekannten Zahl an Fahrgästen, nachdem sie von der Flutwelle erfasst worden waren. In der Stadt Ofunato wurden mehr als 300 Häuser zerstört, in der Provinz Fukushima durchbrach die Flutwelle einen Damm und schwemmte mehrere Häuser fort. 

Das Tsunami-Warnzentrum in Hawaii gab für weite Teile des Pazifiks, darunter auch die gesamte US-Westküste, eine Warnung vor Flutwellen heraus. Die ersten Wellen waren zunächst jedoch weit niedriger als befürchtet.

Zum Großklicken: Die Karte zeigt, wie lange die Tsunami-Welle für ihren Weg über den Pazifik braucht. (Karte: AFP) (Quelle: AFP)Zum Großklicken: Die Karte zeigt, wie lange die Tsunami-Welle für ihren Weg über den Pazifik braucht. (Karte: AFP) (Quelle: AFP) Ein Großbrand wurde aus einer petrochemischen Fabrik in Sendai und einer Ölraffinerie im Großraum Tokio gemeldet. Die Erschütterungen waren auch in Tokio deutlich zu spüren. Die erdbebensicheren Wolkenkratzer schwankten nach dem Beben minutenlang.

In weiten Teilen des Landes wurde der Flug- und Zugverkehr eingestellt, in Tokio auch der U-Bahn-Verkehr. Millionen Pendler steckten in der Stadt fest, Straßen waren verstopft und Hotels ausgebucht. Landesweit fiel in acht Millionen Haushalten der Strom aus.

Das Epizentrum des Bebens lag etwa 382 Kilometer nordöstlich von Tokio hundert Kilometer vor der Küste. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte ereignete es sich um 14.46 Uhr Ortszeit (6.46 Uhr MEZ) in einer Tiefe von 24,4 Kilometern.

Fünfstärkstes Beben seit 1900

Die US-Stelle sprach von einer Stärke von 8,9, das japanische Meteorologieamt von 8,8. Beide Stellen erklärten, es handle sich weltweit um das fünftstärkste Erdbeben seit 1900 und das stärkste in der Geschichte Japans. Anschließend erschütterten mehr als 60 Nachbeben das Land.

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