Sie sind hier: Home > Politik >

Merkel verteidigt Nutzung der Atomenergie

Merkel verteidigt Nutzung der Atomenergie

15.03.2011, 14:48 Uhr | dpa

Merkel verteidigt Nutzung der Atomenergie. Atomkraft: Die CDU-Politikerin verteidigt ihre Atompolitik (Foto: dpa)

Die CDU-Politikerin verteidigt ihre Atompolitik (Foto: dpa)

Angela Merkel sehr ernst: Wenn in einem so hochentwickelten Land wie Japan ein solcher Atomunfall passiere, könne "auch Deutschland nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagt sie im Kanzleramt. Sie will an diesem Tag nicht über ein Zurückdrehen der Laufzeitverlängerung reden, aber sie weiß sehr wohl, dass sich die Menschen auch in Deutschland nun massiv sorgen.

Weitere Nachrichten und Links

Die Kanzlerin hat angeordnet, dass die Sicherheit in allen 17 deutschen Meilern nun rasch überprüft werden soll. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) betonte, dass besonders die Kühlsysteme im Fokus stehen könnten. Zur Atomkraft selbst geht die Kanzlerin indes nicht auf Abstand: "Wir wissen, wie sicher unsere Kraftwerke sind", sagt Merkel. Heute sei nicht der Tag, um über eine mögliche Änderung der Atompolitik von Union und FDP zu sprechen.

Ganz anders als klingen die Worte ihres Umweltministers Norbert Röttgen: Der bezeichnet die Atomkraft in der ARD zwar als "Brücke" aber als "Auslaufmodell". Die Ereignisse dieser Tage hätten bewusst gemacht, "dass wir eine andere Energieversorgung brauchen."

"Ein Einschnitt für die Welt"

Es klingt etwas zynisch: Aber nach dem Tsunami in Japan und dem folgenden Reaktorunfall in Fukushima Daiichi werden die Karten im laufenden Wahlkampf in drei Bundesländern neu gemischt, das muss auch Merkel befürchten, die betont: "Die Geschehnisse in Japan sind ein Einschnitt für die Welt." Gleichwohl sei nicht damit zu rechnen, dass eine mögliche Atomwolke bis nach Deutschland treiben wird.

Die Bilder der Explosion in der Anlage von Fukushima gehen um die Welt und jeder wird mit einem Schlag daran erinnert: Selbst die sichersten Atomanlagen der Welt sind gegen solche Gewalten nicht gefeit. Anders als bei dem Unglück von Tschernobyl vor 25 Jahren wird die Welt jetzt durch Live-Bilder Zeuge der Katastrophe. Die meist unsichtbare Gefahr der Kernenergie wird Milliarden Menschen vor den Fernsehschirmen vor Augen geführt.

Massendemo gegen Atomkraft

Es ist ein Zufall, aber an diesem 12. März 2011 demonstrieren zeitgleich zum Drama im Reaktor 1 rund 60.000 Menschen in Stuttgart gegen Atomkraft. Die Laufzeitverlängerung von Union und FDP im Herbst hat der Bewegung seit vergangenem Jahr neuen Zulauf beschert; in Berlin demonstrierten im September rund 100.000 Menschen gegen eine Zukunft für die Atomkraft und den Castor-Transport nach Gorleben.

Mit Blick auf notwendige Nachrüstungen der deutschen Kernkraftwerke und dem unzureichenden Schutz gegen Passagierflugzeuge stehen der Regierung unangenehme Wochen bevor. All die im Herbst geäußerten Argumente gegen die längeren Laufzeiten, die die Betriebszeiten der ältesten Reaktoren auf fast 50 Jahre erhöhen, finden nun eine Bestätigung. Die Fraktionschef der Grünen im Europarlament, Rebecca Harms, sagt: "Die Erdbebentragödie zeigt Grenzen der Beherrschbarkeit der Atomtechnik auf."

Schwarz-gelb will politische Diskussion vermeiden

Der Höhenflug der Grünen mit bundesweiten Werten weit über 20 Prozent speiste sich 2010 vor allem aus dem Kampf gegen die Laufzeitverlängerung. In zwei Wochen, am 27. März wird im Atomland Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz gewählt. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagte, eine politische Diskussion in Deutschland sei angesichts der akuten Notlage Japans unangemessen. "Ich halte das, um es ganz zurückhaltend zu sagen, für völlig deplatziert". Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) betonte: "Jetzt geht es nicht um einen parteipolitischen Streit in Deutschland, der kann warten. Aber die Hilfe für die Menschen, die kann nicht warten."

Ein ungenannter führender FDP-Mann gibt aber bereits offen zu: "Das macht den Wahlkampf nicht unbedingt leichter." Denn das Atomthema polarisiert und Union und FDP müssen sich von der Opposition vorwerfen lassen, mit fragwürdigen Gründen den durch den rot-grünen Atomausstieg befriedeten Konflikt wieder zu befeuern.

"Keine Zeit für Rechthaberei"

Auch Umweltschützer und Opposition betonen, zuallererst müsse jetzt an die von dem möglichen Super-GAU betroffenen Menschen gedacht werden. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin erklärte "Spiegel Online", es sei jetzt "keine Zeit für Rechthaberei". Im gleichen Atemzug betonte er aber, es stehe fest, dass auch in Deutschland Atomanlagen stünden, "die genau diesen Störfall nicht beherrschen". Das Atomkraftwerk Neckarwestheim in Baden-Württemberg etwa sei "nicht ausreichend gegen eine Kernschmelze abgesichert und liegt in einem Erdbebengebiet".

Mit Blick auf die Massenproteste in Baden-Württemberg betonte Reiner Baake, der Geschäftsführer Deutschen Umwelthilfe, dass man sich "die unfassbare Aktualität" nicht gewünscht habe. Fünf Reaktorblöcke an den benachbarten Atomkraftwerks-Standorten Fukushima I und II seien außer Kontrolle. Dass die japanische Atomaufsichtsbehörde sich nicht sicher sei, ob eine Kernschmelze begonnen habe, zeige die Dramatik der Lage.

"Nach Russland (Majak, 1957), den USA (Harrisburg, 1979), der Ukraine (Tschernobyl, 1986) ist nun Japan das nächste Land, in dem sich die nukleare Katastrophe realisiert, die nie passieren darf", so Baake. Es sei besonders schmerzlich, auf diese Weise mit all den Mahnungen Recht behalten zu haben.

Atomlobby wiegelt ab

Das Deutsche Atomforum ist um Schadensbegrenzung bemüht. "Eine Verkettung eines derart schweren Erdbebens und eines schweren Tsunamis ist in Deutschland nicht vorstellbar", sagte Sprecher Dieter Marx. Die deutschen Kernkraftwerke seien so ausgelegt, "dass die Schutzziele auch bei starken Erdbeben eingehalten werden".

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Weltbild.detchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal