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Atomkatastrophe in Japan: In drei AKW droht der Super-GAU

In drei japanischen Atomkraftwerken droht der Super-GAU

13.03.2011, 22:52 Uhr | t-online.de , AFP , dpa , dapd

Atomkatastrophe in Japan: In drei AKW droht der Super-GAU. In Japan geht die Angst vor einer nuklearen Katastrophe um (Foto: AP)

In Japan geht die Angst vor einer nuklearen Katastrophe um (Foto: AP)

In Japan bahnt sich eine Atomkatastrophe an: Mittlerweile droht in drei japanischen AKW der Super-GAU. Am gefährlichsten ist derzeit die Lage im Kernkraftwerk Fukushima 1. Hier gab es vermutlich in den Blöcken eins und drei eine Kernschmelze. Block drei wird mit extrem giftigem, hochradioaktivem Plutonium betrieben - ein Leck in dieser Anlage hätte verheerende Auswirkungen. Ernste Probleme gibt es aber auch in den Kernkraftwerken Onagawa und Tokai. In Onagawa wurde wegen überhöhter Werte von Radioaktivität der nukleare Notstand ausgerufen, in Tokai fiel eine Pumpe des Kühlsystems aus.

Die Geschehnisse im Live-Ticker:

+++ In Onagawa angeblich keine Radioaktivität ausgetreten +++

[22:50 Uhr] Im japanischen Atomkraftwerk Onagawa, für das am Sonntag der nukleare Notfall ausgerufen worden war, ist nach Expertendarstellung keine Radioaktivität ausgetreten. Die in der Gegend gemessene Radioaktivität über dem Grenzwert könnte vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima stammen, teilten die japanischen Behörden der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA mit. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass alle drei Reaktoren in Onagawa keine Radioaktivität freisetzten. Inzwischen seien die Werte rund um das Werk wieder auf normalem Niveau.

+++ Experten: USA droht keine radioaktive Gefahr +++

Weitere Nachrichten und Links

[ 22:30 Uhr] US-Experten rechnen nicht damit, dass sich Emissionen aus den beschädigten Atomkraftwerken in Japan gesundheitsschädlich auf die Bevölkerung in den Vereinigten Staaten auswirken. Angesichts der Tausenden von Kilometern zwischen beiden Ländern dürfte es in Hawaii, Alaska und im Westen der USA keine gesundheitsschädliche radioaktive Belastung geben, erklärte die US-Atomaufsichtsbehörde (NRC).

+++ Opferzahl steigt auf über 1800 +++

[21:40 Uhr] Nach dem verheerenden Erdbeben und dem anschließenden Tsunami in Japan steigt die Zahl der Todesopfer immer weiter. Am Sonntag bestätigten die Behörden mehr als 1800 Tote. Über 1400 Menschen wurden zwei Tage nach der Katastrophe noch vermisst. Rund 1900 sind verletzt. Die Behörden rechnen allerdings allein in der Region um die von dem Beben und dem Tsunami besonders schwer getroffenen Stadt Miyagi mit mehr als 10.000 Toten.

+++ Bis zu 160 Menschen verstrahlt +++

[ 21:00 Uhr] Nach Aussage der japanischen Atomenergiebehörde waren bis zu 160 Menschen in der Nähe von Fukushima 1 möglicherweise radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Sie wurden in Krankenhäuser gebracht. Bisher hatten die Behörden lediglich von 20 Strahlenopfern gesprochen.

+++ Über 500.000 Menschen obdachlos +++

[20:50 Uhr] In den japanischen Katastrophenregionen mussten bisher etwa 530.000 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Rund 450.000 waren durch das Beben und den Tsunami obdachlos geworden. Weitere 80.000 mussten ihre Unterkünfte verlassen, als die Behörden die Sicherheitszone um die havarierten Kernkraftwerke in Fukushima auf 20 Kilometer ausdehnten.

+++ Merkel lehnt sofortigen Atom-Ausstieg ab +++

[20:13 Uhr] Angesichts des Atomnotstands in Japan will Kanzlerin Angela Merkel voraussichtlich am Dienstag mit den Bundesländern über die Sicherheit der deutschen Kernkraftwerke beraten. "Sicherheit hat absoluten Vorrang. Dem muss sich alles unterordnen", sagte die CDU-Chefin im ARD-"Brennpunkt". Einen sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft lehnt Merkel trotz des Atomnotstands in Japan ab. Die deutschen Kraftwerke seien nach menschlichem Ermessen sicher. Sie halte überdies wenig davon, Atomenergie aus Frankreich einzukaufen. Sie sprach aber von einer "auslaufenden Technologie" und einem möglichst raschen Übergang zu erneuerbaren Energien.

+++ Deutsche Kerntechniker in Japan wohlauf +++

[18:41 Uhr] Zehn deutsche Kerntechniker, die sich während des Erdbebens im havarierten japanischen Atommeiler Fukushima aufgehalten hatten, sind wohlauf und werden am Montag in Deutschland erwartet. Wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes mitteilte, sollten die Fachleute am Abend vom Flughafen der Hauptstadt Tokio ausreisen. Die deutsche Botschaft sei dabei behilflich. Die Deutschen hätten das Kraftwerk nach dem Beben sofort verlassen und waren ins Landesinnere geflohen.

+++ Betreiber: AKW Tokai wird weiter gekühlt +++

[18:26 Uhr] Der Betreiber des Kernkraftwerks Tokai teilte mit, dass die Reparatur des Kühlsystems im Gange sei. Eine Kühlpumpe sei ausgefallen, eine Zusatzpumpe arbeite jedoch und kühle den Reaktor. "Unsere Meereswasserpumpe, die durch einen Dieselgenerator angetrieben wird, ist wegen des Tsunamis ausgefallen, worauf wir eines unserer Kühlsysteme manuell ausgeschaltet haben", sagte Masao Nakano vom Betreiber Japan Atomic Power Company. "Aber die anderen Kühlsysteme und Pumpen arbeiten gut, und die Temperatur des Reaktors ist nach und nach immer weiter gesunken."

+++ US-Senator fordert "Pause" beim Bau neuer AKW +++

[18:15 Uhr] Angesichts des schweren Atomunfalls in Japan hat der einflussreiche US-Senator Joe Lieberman beim Bau neuer Kernkraftwerke in den USA eine "Pause" gefordert. Was nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan passiert sei, müsse zunächst einmal "verdaut" werden, sagte Lieberman dem US-Sender CBS. Dann müsse überprüft werden, ob beim Bau neuer Atomkraftwerke höhere Sicherheitsanforderungen gestellt werden müssten. Gleichwohl sprach sich Lieberman, der dem Senatsausschuss für innere Sicherheit vorsteht, für eine weitere Nutzung der Atomenergie in den USA aus. Zudem hätten die USA bei der AKW-Sicherheit eine "gute Bilanz" vorzuweisen.

+++ Kühlsystem in Tokai ausgefallen +++

[17:21 Uhr] In einem dritten Atomkraftwerk in Japan ist das Kühlsystem ausgefallen. Es handelt sich um das AKW Tokai an der Ostküste südlich von Fukushima, wie die Nachrichtenagentur Kyodo basierend auf Informationen der Agentur für Feuer- und Katastrophenmanagement berichtete. Das Kraftwerk in der Präfektur Ibaraki wurde laut den Betreibern während des Erdbebens am Freitag automatisch abgeschaltet. Das Tokai 2 Kraftwerk ist seit 1978 in Betrieb. Es wird von der Japan Atomic Power Company betrieben.

+++ Kühlung von Block 2 läuft wieder +++

[17:13 Uhr] Reaktor 2 der Anlage Fukushima 2 wird wieder mit einem normalen Notsystem gekühlt. Dagegen muss in die Reaktoren 1 und 3 nach wie vor Meerwasser eingeleitet werden. Das teilte die japanische Atomaufsichtsbehörde NISA mit. Derzeit werde Süßwasser über das normale Kernnotkühlsystem in den Reaktor 2 eingespeist. In dem Meiler war zuvor auch der Druck angestiegen.

+++ Plutonium lauert in Katastrophen-Reaktor +++

[16:31 Uhr] Experten warnen eindringlich vor der Gefahr durch hochgiftiges und hochradioaktives Plutonium. Hochgradig gefährlich sei derzeit die Situation im dritten Reaktor des Atomkraftwerks Fukushima 1, sagte Christoph von Lieven, Energie-Experte bei Greenpeace. Der Reaktor werde mit sogenannten Mox-Brennelementen (Mischoxid-Brennelemente) betrieben, die neben Uran auch Plutonium enthalten, erklärte er. Die Radiotoxizität von Plutonium ist enorm: Schon die Einnahme einer Menge im zweistelligen Milligramm-Bereich gilt als tödlich. Eine Freisetzung von Plutonium wäre deshalb "äußerst bedenklich", sagte Joachim Knebel, Reaktorexperte am Karlsruher Institut für Technologie. Genau das aber könnte im AKW Fukushima 1 jetzt passieren, räumte ein Sprecher der japanischen Regierung ein.

+++ Noch etwa 50 Deutsche vermisst +++

[16:14 Uhr] Zu rund 50 Deutschen, die in der Krisenregion im Nordosten Japans lebten, besteht nach wie vor keinerlei Kontakt. Ihr Schicksal ist nach wie vor ungewiss, berichtete das Auswärtige Amt. Auch wo sich diese Personen zum Zeitpunkt des Erdbebens und des folgenden Tsunamis in der Region genau aufgehalten haben, ist unbekannt. In dem gesamten Gebiet leben etwa 100 Deutsche.

+++ 600.000 Japaner evakuiert +++

[15:59 Uhr] Nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan sowie wegen des dadurch ausgelösten Atomunfalls sind bereits fast 600.000 Menschen evakuiert worden. Dies teilte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe mit. Etwa 380.000 Japaner aus den von dem Erdbeben und dem Tsunami betroffenen Gebieten seien in gut 2000 Notunterkünften untergebracht worden. Hinzu kämen etwa 210.000 Menschen, die in der Nähe des Atomkraftwerks Fukushima 1 wohnten.

+++ Vulkan Shinmoedake ausgebrochen +++

[15:25 Uhr] Nach Erdbeben, Tsunami und Atomunfällen jetzt auch noch das: Im Südwesten Japans hat der Vulkan Shinmoedake Asche und Gestein in die Atmosphäre geschleudert. Die Asche sei dabei bis in eine Höhe von 4000 Metern gelangt, teilten die Behörden mit. Sie beschränkten zugleich den Zugang im Gebiet um den Vulkan. Der 1420 Meter hohe Shinmoedake war im Januar erstmals seit 52 Jahren wieder ausgebrochen, in den vergangenen zwei Wochen herrschte aber Ruhe.

+++ Notstand jetzt auch in Onagawa +++

[15:13 Uhr] Wegen überhöhter Werte von Radioaktivität musste jetzt auch für ein weiteres Atomkraftwerk der nukleare Notstand ausgerufen werden. Im Kraftwerk Onagawa war nach dem verheerenden Erdbeben zunächst ein Feuer in einem Turbinengebäude ausgebrochen. Zwar soll nach Angaben der Behörden der Brand nach einigen Stunden gelöscht worden sein. Allerdings war später in der Umgebung der Nuklearanlage eine 400fach erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Ob die Anlage möglicherweise ein Leck hat, ist bislang noch unklar. Das teilte die Internationalen Atomenergiebehörde mit.

+++ Strom wird abgeschaltet +++

[14:49 Uhr] In der Region um Tokio wird es ab sofort weitreichende Stromabschaltungen geben. Das sei ein Schritt, um großflächige Stromausfälle zu vermeiden, sagte Japans Ministerpräsident Naoto Kan.

+++ Auch Deutsche noch vermisst +++

[14:32 Uhr] Unter den Opfern der Tsunami-Katastrophe in Japan sind möglicherweise auch Deutsche. Das berichtet "Spiegel Online". Die Bundesregierung habe noch nicht zu allen in dem betroffenen Gebiet lebenden hundert Deutschen Kontakt aufnehmen können, so Außenminister Guido Westerwelle. Bisher gebe es aber keine konkreten Hinweise, dass Deutsche tatsächlich zu Schaden gekommen sind.

+++ Wind treibt Radioaktivität zunächst aufs Meer +++

[14:20 Uhr] Das Wetter scheint auch zu Beginn der neuen Woche auf der Seite Japans zu stehen: Der Wind zieht weiterhin aufs offene Meer hinaus und treibt die radioaktiv verseuchte Luft weg von den Menschen. Allerdings ziehen Tiefdruckgebiete auf. Dann kann sich der Wind vorübergehend drehen, auch in Richtung Tokio. In der Gegend um das betroffene Kernkraftwerk in Fukushima ist nach derzeitigen Prognosen am Dienstag mit länger andauerndem Regen zu rechnen. Dieser könnte eine Teil der vorhandenen Radioaktivität aus der Atmosphäre waschen. Sollte der kaputte Atommeiler permanent Radioaktivität freisetzen, könnte theoretisch eine radioaktiv verseuchte Wolke in rund zwei Wochen Deutschland erreichen. Die Strahlung wäre jedoch stark verdünnt.

+++ Weiteres schweres Beben befürchtet +++

[13:48 Uhr] Japan bereitet sich auf ein weiteres schweres Beben vor. Es gebe eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent, dass das Land in den kommenden drei Tagen von einem Erdbeben der Stärke "sieben oder mehr" erschüttert werde, sagte Takashi Yokota von der Wetterbehörde. Ein solches Beben könnte erneut Gebäude zerstören und einen Tsunami auslösen. Seit der Katastrophe vom Freitag hatte es bereits hunderte kleinere Nachbeben gegeben.

+++ Evakuierte können nicht mehr zurück +++

[13:38 Uhr] Um weitere Explosionen zu verhindern wurde am Atomkraftwerk Fukushima radioaktiv verseuchter Dampf abgelassen. Diese verzweifelte Notfallmaßnahme ist immer noch nicht abgeschlossen. "Es ist völlig unklar, wie viel radioaktiv verseuchter Dampf noch abgelassen werden muss. Es ist völlig unklar wie hoch die Strahlung ist, wie groß die Konzentration strahlender Spaltprodukte ist und wie oft in den nächsten Tagen, Wochen oder Monaten noch kontaminierter Dampf aus den Druckbehältern abgelassen werden muss", sagte Atomexperte Mycle Schneider, der international als Gutachter für Atomanlagen tätig ist. Hunderttausende evakuierte Menschen können auf absehbare Zeit wohl nicht mehr in ihre Heimatorte zurückkehren.

+++ "Schwerste Krise seit 1945" +++

[12:46 Uhr] Das Erdbeben mit darauffolgendem Tsunami hat Japan in die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg gestürzt. Zusammen mit den durch das Beben ausgelösten Unfällen in Atomkraftwerken sei dies "die schwerste Krise der vergangenen 65 Jahre", so Regierungschef Naoto Kan. Besonders die Lage im Atomkraftwerk Fukushima 1 sei sehr ernst.

+++ Kühlsystem von weiterem Kraftwerk kollabiert +++

[12:37 Uhr] Jetzt meldet - neben der Nuklearanlange Fukushima I - auch die Anlage Fukushima II einen atomaren GAU. "Das Hauptkühlungssystem, eine Pumpe die normalerweise Meerwasser in die Anlage pumpt, ist teilweise ausgefallen", sagte ein Mitarbeiter der japanischen Atomaufsichtsbehörde NISA. Dadurch sei der Druck in den Reaktoren derzeit "etwas hoch". Die Sicherheitsexperten wollen jetzt Sicherheitsventile öffnen und Dampf ablassen, um den Druck in den Reaktoren 1, 2 und 4 zu senken. Dadurch wird erneut Radioaktivität in die Umgebung entweichen.

+++ Japan droht Blackout +++

[12:27 Uhr] Nach dem schweren Erdbeben und den Schäden an Atomanlagen im Nordosten des Landes wird es in Japan zu massiven Engpässen in der Stromversorgung kommen. Um große Blackouts zu vermeiden, planen die Stromkonzerne, Energie zu rationieren. Die Maßnahme müsse wohl mehrere Wochen angewendet werden, sagten Regierungsbeamte. Angesichts der drohenden Stromknappheit bat Japan Russland um zusätzliche Lieferungen von Flüssigerdgas. Der russische Regierungschef Wladimir Putin versicherte am Samstagabend, Moskau werde alles tun, um dem Nachbarn zu helfen.

+++ Offiziell mehr als 1000 Tote +++

[12:15 Uhr] Die japanische Polizei hat bestätigt, dass die Opferzahl des verheerenden Erdbebens 1000 Personen überschritten habe. Diese Zahl dürfte jedoch wohl noch deutlich steigen. Der Polizeichef der schwer betroffenen Präfektur Miyagi sagte, er befürchte 10.000 Opfer alleine in Miyagi.

+++ 1800 Stationen messen Radioaktivität +++

[11:25 Uhr] In Deutschland sind 1800 Messsonden installiert, die permanent die aktuelle Radioaktivität in Deutschland messen. Damit könne frühzeitig eine Strahlenbelastung aus dem japanischen Atomkraftwerk Fukushima erfasst werden. Zudem gebe es ein hochsensibles Vorwarnsystem bei Freiburg. Diese Messstation soll selbst feinste Konzentrationen von Radioaktivität in der Atmosphäre aufspüren können, berichtete das Bundesamt für Strahlenschutz.

+++ Indizien sprechen für Kernschmelze +++

[11:15 Uhr] Die Wahrscheinlichkeit, dass es bereits eine Kernschmelze gegeben hat, wird jetzt auch von der Atomsicherheitsbehörde als sehr groß angesehen. Radioaktive Isotope in der Luft würden darauf hinweisen, sagte ein Sprecher. Die Ingenieure hätten sich den Reaktorkernen aber nicht weit genug nähern können, um die Lage vollends einschätzen zu können. Im Hinblick auf eine mögliche Kernschmelze widersprechen sich die offiziellen Aussagen von Regierung, Behörden und Betreibergesellschaft.

+++ I.S.A.R.-Team kehrt aus Japan zurück +++

[10:05 Uhr] Das Erkundungsteam der Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany kehrt aus Japan zurück. Die offizielle Begründung lautete, es gebe noch kein internationales Hilfeersuchen der japanischen Regierung. Japan habe sich offenbar dafür entschieden, mit Hilfsteams aus der Region und mit eigenen Kräften die Katastrophe zu bewältigen, erklärte die Hilfsorganisation.

+++ Beben hatte Stärke 9,0 +++

[9:32 Uhr] Das Meteorologische Amt Japans hat unterdessen die Stärke des Erdbebens vom Freitag auf 9,0 nach oben korrigiert. Zuvor hatte die Behörde die Stärke mit 8,9 angegeben. Es ist das stärkste Beben, das seit Beginn der Messungen Ende des 19. Jahrhunderts in Japan registriert wurde und es war auch eines der stärksten weltweit. Die Behörde warnte vor weiteren starken Nachbeben.

+++ "Situation auf der Kippe" +++

[9:12 Uhr] Japan steht nach Meinung des Nuklearexperten Wolfgang Renneberg vor einem Super-GAU, wenn im Atomkomplex Fukushima nicht rasch die Probleme mit der Kühlung gelöst werden. Brennstäbe drohen zu schmelzen und mehrere Reaktorbehälter könnten durch Hitze, Druck, Gase und gestiegene Radioaktivität zerstört werden. "Das ist im Augenblick eine Situation auf der Kippe", sagte der langjährige Leiter der Abteilung für Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium.

+++ THW-Team rückt trotz Strahlung aus +++

[8:14 Uhr] Ein Rettungsteam des Technischen Hilfswerks bereitet nach seiner Ankunft in Japan trotz radioaktiver Strahlung in einigen Regionen seinen Einsatz vor. "Wir fahren jetzt mit einem Bus und zwei Trucks vom Flughafen Narita los", sagte Teamleiter Uf Langemeier. Ziel sei der Ort Tome in der Präfektur Miyagi nördlich der Stadt Sendai. Dort rechnet die japanische Polizei mit 10.000 Toten.

+++ Teilweise Kernschmelze in Reaktor 3 +++

[8:08 Uhr] Im Reaktor 3 des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima 1 ist es nach Angaben eines Regierungssprechers möglicherweise zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen. Wie bereits zuvor am Reaktor Nummer 1 sei die Kühlfunktion ausgefallen. Dadurch sei das Kühlwasser zurückgegangen. "Es kann sein, dass es eine geringe Kernschmelze gab", sagte Yukio Edano. Durch Salzwasserzufuhr seien die Brennstoffstäbe aber inzwischen wieder im Wasser, führte der Sprecher aus. Es könne allerdings sein, dass sich dadurch Wasserstoff unter dem Dach angesammelt habe. Doch selbst wenn es wie beim Reaktor Nummer 1 zur Explosion komme, könne der Reaktor dem widerstehen. Es gebe keine Notwendigkeit neuer Evakuierungsmaßnahmen, sagte Edano.

+++ Regierung rechnet mit Kernschmelze in Reaktor 3 +++

[8:01 Uhr] Im Reaktor 3 des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima 1 ist es nach Angaben eines Regierungssprechers möglicherweise zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen. Wie bereits zuvor am Reaktor Nummer 1 sei die Kühlfunktion ausgefallen. Dadurch sei das Kühlwasser zurückgegangen. "Es kann sein, dass es eine geringe Kernschmelze gab", sagte Yukio Edano.

+++ Warnung vor neuer Explosion +++

[7:56 Uhr] Die japanische Regierung hält eine weitere Explosion in der Atomanlage Fukushima 1 für möglich. "Wir können nicht ausschließen, dass sich im Bereich des Reaktors 3 wegen einer möglichen Ansammlung von Wasserstoff eine Explosion ereignen könnte", sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Sollte dies eintreten, werde dies aber "kein Problem" für den Reaktor bedeuten. Am Samstagnachmittag hatte sich in dem AKW bereits eine Explosion ereignet, die das Gebäude rund um Block 1 zerstörte.

+++ Eilmeldung +++

[7:55 Uhr] Ein japanischer Regierungssprecher warnt vor einer möglichen Explosion in einem weiteren Atomkraftwerk.

+++ Weitere 600 Tote an Japans Küste gefunden +++

[7:44] An den Küsten der Provinzen Miyagi und Iwate sind mehr als 600 Leichen gefunden worden, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Insgesamt gehen die Behörden bisher von mehr als 2000 Toten aus. Die Zahl ergibt sich aus den bislang offiziell gemeldeten rund 800 Toten und den Vermissten. Allerdings wird erwartet, dass die Zahl der Todesopfer noch weiter steigt. In der Krisenregion im Nordosten Japans hatten die Behörden zu Zehntausenden von Menschen bisher noch keinen Kontakt.

+++ 400 Mal erhöhte Radioaktivität in Provinz Miyagi +++

[7:23 Uhr] In der nordöstlichen japanischen Provinz Miyagi haben Atomexperten eine 400 Mal höhere Radioaktivität als normal gemessen. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Betreibergesellschaft Tohoku. Ein Sprecher des Unternehmen sagte, die Reaktoren in der Region seien stabil. Um das AKW Onagawa sei eine erhöhte Radioaktivität festgestellt worden. Man gehe davon aus, dass dies nicht von dem Reaktor stamme. Es bestünden keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen, hieß es. Experten vermuten, dass der Wind Radioaktivität aus der Provinz Fukushima herübergeweht habe. Dort waren AKW beim Erdbeben beschädigt worden.

Die Geschehnisse bis 6.30 Uhr:

Ob eine teilweise oder vollständige Kernschmelze bereits im Gang ist oder war, blieb weiter unklar. Nach Angaben von Hisanori Nei von der Atomsicherheitsbehörde wird die Möglichkeit als groß angesehen, dass es in dem Akw Fukushima Eins schon vor der Explosion vom Samstag zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen ist. Es sei das erste Mal, dass in Japan zu einer Kernschmelze kam, wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press weiter berichtete.

Kühlung in weiterem Reaktorblock ausgefallen

In dem Gebiet um die beiden Atomkraftwerke in Fukushima mussten bis Sonntagmorgen rund 200.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Mit der Evakuierung will die Regierung die Bewohner vor radioaktiver Strahlung schützen. Die Regierung in Tokio rief große Unternehmen auf, Strom zu sparen.

In der Nacht zu Sonntag fiel in einem weiteren Reaktorblock des Kraftwerks Fukushima Eins die Kühlung aus, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Damit waren sechs der insgesamt zehn Reaktoren in den beiden Kraftwerken Eins und Zwei ohne Kühlung. In dem neuen Problemreaktor - mit der Nummer 3 - ließen Experten zeitweise radioaktiven Dampf nach außen ab. Es werde Wasser zum Abkühlen der Brennstäbe eingeführt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Sonntag. Die Radioaktivität in diesem Reaktor sei aber gering und unter Kontrolle.

Japanische Techniker hatten schon zuvor aus anderen Reaktoren Dampf und Luft entweichen lassen. Denn durch den Ausfall der Kühlung nach den Erdbeben steigen Temperatur und Druck in den Akw.

Widersprüchliche Aussagen zu Kernschmelze

Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan zeigte sich zwar besorgt über die Lage, sprach aber nicht von einer Kernschmelze. Allerdings hatte die Atomsicherheitskommission schon vor der Explosion erklärt, in dem Reaktor laufe möglicherweise eine Kernschmelze ab. Die japanische Behörde sprach von einer teilweisen Kernschmelze, wie Kyodo meldete - das wäre der erste Fall dieser Art in Japan.

Die Zahl der Menschen, die in der Nähe der Kraftwerke insgesamt verstrahlt wurden, stieg laut Kyodo auf mehr als 20. Diese Zahl könnte aber nach anderen Angaben auch schon höher liegen. Besonders dramatisch ist die Lage am Sonntag weiterhin am Reaktor 1 des Kraftwerks Fukushima Eins. Bei einer Explosion wurde am Samstag ein Teil des Gebäudes zerstört. Der innere Reaktorbehälter sei aber nicht beschädigt, teilte der Betreiber Tepco mit.

Borsäure soll Kettenreaktion verhindern

In der Nähe des Atomkraftwerks sei radioaktives Cäsium festgestellt worden, berichtete die japanische Atomsicherheitskommission. Die Strahlungswerte sollen erst gestiegen und dann wieder gesunken sein. Am Sonntag meldete Kyodo unter Berufung auf die Betreiber, die Radioaktivität liege über dem Grenzwert.

Techniker von Betreiber Tepco leiten seit Samstag ein Gemisch aus Meerwasser und Borsäure in den Reaktor. Bor "fängt" Neutronen und trägt dazu bei, die Kettenreaktion in einem Atomreaktor zu stoppen. Es ist so etwas wie eine Notbremse für einen Reaktor. Das Auffüllen mit dem Wasser-Säure-Gemisch im Reaktorkern sollte bis zu zehn Stunden dauern. Bis zum Ende der Aktion könnten zehn Tage vergehen.

Zahl der Todesopfer steigt

Bei dem Erdbeben und dem anschließenden Tsunami kamen in Japan vermutlich mehr als 2000 Menschen ums Leben. Die Zahl ergibt sich aus den offiziell gemeldeten Toten von rund 800 und den Vermissten. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Angaben der Polizei. Allerdings wird erwartet, dass die Zahl der Todesopfer noch weiter steigt.

Unterdessen arbeiten die Rettungskräfte auf Hochtouren. 390.000 Menschen sind nach Medienberichten vor den verheerenden Zerstörungen der Naturkatastrophe geflohen. In fünf Provinzen des Landes wurden mehr als 1400 Notlager - unter anderem in Schulen und Gemeindehäusern - eingerichtet. Vielerorts werde mit Tankwagen Trinkwasser herangeschafft. Augenzeugen berichten von Hamsterkäufen in Supermärkten. Die Regierung will die Zahl der Soldaten zur Unterstützung der Rettungseinsätze auf 100.000 verdoppeln, wie Medien berichteten.

Internationale Hilfe

Rund 70 Staaten boten der japanischen Regierung Hilfe an. Aus Deutschland trafen Helfer des Technischen Hilfswerks in Tokio ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff sagten Unterstützung zu. Das Auswärtige Amt riet von nicht erforderlichen Reisen in den Großraum Tokio und den Nordosten Japans ab.

Merkel (CDU) kündigte als Konsequenz aus dem Vorfall die Überprüfung der Sicherheitsstandards bei den deutschen Atomkraftwerken an. "Die Geschehnisse in Japan, sie sind ein Einschnitt für die Welt", sagte Merkel am Samstagabend in Berlin. Die Oppositionsparteien SPD, Grüne und Linke erinnerten an die jüngste Laufzeitverlängerung für deutsche Atommeiler und betonten, die Kernkraft sei auch hierzulande nicht beherrschbar.

Ereignisse erinnern an Harrisburg

Das gewaltige Beben hatte Japan am Freitag erschüttert. Seitdem gibt es viele Nachbeben. Nach revidierten Angaben hatte das Großbeben eine Stärke von 9,0. Das gab die Meteorologische Behörde in Tokio am Sonntag bekannt. Zuvor hatte sie die Stärke mit 8,8 beziffert, während US-Seismologen 8,9 gemessen hatten.

Die Ereignisse in Japan erinnern unter anderen an den Störfall im US-Kraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg 1979. Damals kam es in dem AKW in Pennsylvania zu einer teilweisen Kernschmelze. Auf der sogenannten INES-Skala wurde er mit der Schwere 5 eingestuft. Der weit dramatischere Reaktorbrand in Tschernobyl sieben Jahre später hatte die höchste Stufe 7.

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