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Atomunfall in Japan: Kühlsysteme in mindestens vier Atomreaktoren ausgefallen

Japan vor dem Super-GAU: zweiter Reaktor explodiert

14.03.2011, 04:23 Uhr | dpa, dapd

Atomunfall in Japan: Kühlsysteme in mindestens vier Atomreaktoren ausgefallen . Reaktorblock 3 im AKW Fukushima nach der Explosion - die Außenhülle ist weg, nur das Stahlgerüst steht noch (Foto: AP)

Reaktorblock 3 im AKW Fukushima nach der Explosion - die Außenhülle ist weg, nur das Stahlgerüst steht noch (Foto: AP)

Die Katastrophe in Japan nimmt immer dramatischere Dimensionen an: Nach einem heftigen Nachbeben mit anschließender neuer Tsunami-Warnung erschütterte am Montag eine zweite Explosion in einem Atomreaktor das Unglückskraftwerk in Fukushima. Nach Angaben der Regierung soll die Stahlhülle des Reaktorblocks 3 aber standgehalten haben. Bereits vor den neuen Schreckensnachrichten waren an der Küste im Nordosten Tausende Leichen entdeckt worden.

Das Nachbeben der Stärke 6,2 erschütterte um kurz nach 10 Uhr Ortszeit auch die japanische Hauptstadt Tokio. Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenbehörde USGS 140 Kilometer nord-östlich der Hauptstadt - also in Richtung der Atomanlagen in Fukushima. Eine erste Tsunami-Warnung wurde später wieder zurückgenommen.

Wasserstoffexplosion in Reaktor 3

Von den Unglücks-Meilern in Fukushima meldete der Sender NHK wenig später Explosionsgeräusche in der Nähe des Reaktors Nummer 3. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, handelte es sich um eine Wasserstoffexplosion. Eine solche Detonation hatte es bereits am Samstag im Reaktorblock 1 gegeben. Ob es bereits zu Kernschmelzen gekommen ist, war nach widersprüchlichen Angaben auch am Montag noch unklar.

TV-Sender zeigten Rauch über beschädigten Reaktorgebäuden. Es soll elf Verletzte gegeben haben. Techniker in Fukushima arbeiteten seit Freitag daran, Druck abzulassen und eine Kernschmelze zu verhindern. Nach dem Ausfall der Kühlsysteme war die Temperatur der Brennstäbe außer Kontrolle geraten. Das Risiko einer weiteren Explosion im Reaktor 3 des japanischen Kernkraftwerks Fukushima ist nach Angaben der Regierung gering sein. Der zentrale Kontrollraum des Reaktors sei unbeschädigt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Montag.

Stahlhülle angeblich unbeschädigt

Die Stahlhülle von Reaktor 3 sei bei der Explosion aber unbeschädigt geblieben, berichtete der Regierungssprecher unter Berufung auf Angaben der Betreiberfirma. Die Regierung rief die Menschen auf, im Umkreis von 20 Kilometern um das Unglückskraftwerk in ihren Häusern zu bleiben. Trotz einer Evakuierungsanordnung sollen sich noch etwa 600 Menschen in dem Gebiet befinden.

Auch im wenige Kilometer entfernten Atomkraftwerk Fukushima 2 (Daini) gab es in drei Reaktoren Probleme mit den Kühlsystemen. Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) meldete auch das Kernkraftwerk Onagawa Atomalarm der niedrigsten Stufe, wie er bei erhöhten Strahlungswerten in der unmittelbaren Umgebung vorgeschrieben ist.

Am späten Abend teilten die japanischen Behörden der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA jedoch mit, dass in Onagawa keine Radioaktivität ausgetreten sei. Die in der Gegend gemessene Strahlung über dem Grenzwert könnte vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima stammen. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass alle drei Reaktoren in Onagawa keine Radioaktivität freisetzten. Inzwischen seien die Werte rund um das Werk wieder auf normalem Niveau.

Probleme auch im AKW Tokai

Auch im Kernkraftwerk Tokai etwa 120 Kilometer nordnordöstlich von Tokio gab es Probleme mit der Kühlung. Wie der Betreiber Japan Atomic Power Company (JAPC) mitteilte, fiel eine der beiden Pumpen schon während des Erdbebens am Freitag aus. Das andere Pumpsytem arbeite aber weiter, der Reaktor laufe normal und es bestehe kein Risiko, dass Strahlung austrete, versuchte JAPC zu beruhigen.

Erwartete Nachbeben mit einer Stärke von bis zu 7,0 könnten die angeschlagenen Reaktoren weiter gefährden, warnten Experten. Ein Nachbeben der Stärke 6,2 hat am Montag um kurz nach 10 Uhr Ortszeit die Hauptstadt Tokio erschüttert. Vertreter der Umweltorganisation Greenpeace wiesen außerdem darauf hin, dass Reaktor 3 in Fukushima mit sogenannten Mox-Brennelementen (Mischoxid-Brennelemente) betrieben werde, die Plutonium enthielten. Plutonium sei nicht nur hochradioaktiv, sondern auch hochgiftig.

Weitere Nachrichten und Links

Strahlungswerte um Fukushima weiter überschritten

Die erlaubten Grenzwerte für radioaktive Strahlung sind nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo am frühen Montagmorgen (Ortszeit) vor der Explosion im beschädigten Kernkraftwerk Fukushima erneut überschritten worden. Schon am Sonntag waren in dem japanischen AKW Spitzenwerte von mehr als 1200 Mikrosievert statt den erlaubten 500 Mikrosievert gemessen worden. Es hieß, die Belastung sei bislang aber so niedrig, dass keine Gefahr für die Gesundheit der Menschen bestehe. Nach Aussage der japanischen Atomenergiebehörde waren bis zu 160 Menschen möglicherweise radioaktiver Strahlung ausgesetzt und wurden in Krankenhäuser gebracht. Die Katastrophenschutzbehörde sprach zwischenzeitlich von 15 Kontaminierten im unmittelbaren Umfeld des Kraftwerks, berichtet "The Japan Times".

Mehr als 170.000 Menschen wurden im Umkreis von 20 Kilometern um das Kraftwerk mittlerweile evakuiert.

Vulkanausbruch im Süden Japans

Das ganze Ausmaß der Naturkatastrophe ist auch zwei Tage nach dem schwersten jemals in Japan gemessenen Beben noch nicht überschaubar.

Ein Vulkan im Süden des Landes ist nach dem schweren Erdbeben indes wieder aktiv. Der Shinmoedake stoße Gestein, Asche und Gas aus, meldete der japanische Wetterdienst. Zuvor war der Vulkan mehrere Wochen nicht aktiv gewesen. Er liegt auf der Insel Kyushu rund 1500 Kilometer vom Epizentrum des Erdbebens der Stärke 9,0 vom Freitag entfernt.

Stromversorgung wird unterbrochen

Laut dem japanischen Fernsehsender NHK sind etwa 380.000 Menschen in Notunterkünften untergebracht, viele ohne Kontakt zu Hilfskräften und abgeschnitten von der Stromversorgung. Nach Schätzungen der Behörden sind bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mindestens 1,4 Millionen Haushalte ohne Wasser und 2,5 Millionen Haushalte ohne Strom. Vielerorts werden Benzin und Lebensmittel knapp. Auch in der Hauptstadt Tokio muss die Energieversorgung deswegen zeitweise abgestellt werden. Ministerpräsident Naoto Kan sprach von der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg und rief die Japaner angesichts der Katastrophe zur Einheit auf.

Die Zahl der Todesopfer steigt immer weiter. Die Behörden bestätigten mehr als 1800 Tote. Über 1400 Menschen werden zwei Tage nach der Katastrophe noch vermisst. Rund 1900 sind verletzt. Die Behörden rechnen allerdings allein in der Region um die von dem Beben und dem Tsunami besonders schwer getroffenen Stadt Miyagi mit mehr als 10.000 Toten.

Die Regierung verdoppelte die Zahl der Soldaten für den Rettungseinsatz von 50.000 auf 100.000. Auch viele ausländische Helfer nahmen inzwischen die Arbeit auf. Viele Landstriche sind jedoch noch immer unzugänglich.

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