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Atomkatastrophe in Japan: Feuerwehr-Einsatz in der Strahlenhölle

Feuerwehr-Einsatz in der Strahlenhölle

18.03.2011, 21:55 Uhr | dpa, dapd, AFP, t-online.de

Atomkatastrophe in Japan: Feuerwehr-Einsatz in der Strahlenhölle. Letztes Aufgebot: 140 Feuerwehrmänner kämpgfen gegen den Super-GAU (Foto: AP/dpa)

Letztes Aufgebot: 140 Feuerwehrmänner kämpgfen gegen den Super-GAU (Foto: AP/dpa)

Die Situation im Atomkraftwerk Fukushima I steht auf der Kippe: Frühestens am Samstag kann mit notdürftig reparierten Starkstromleitungen die Kühlung der Reaktorblöcke 1 und 2 wieder aufgenommen werden - doch vielleicht ist es dann schon zu spät. Ganz Japan blickt momentan auf 140 Feuerwehrleute, die - ohne Rücksicht auf das eigene Leben - versuchen, den Super-GAU mit Löschwasser zu verhindern. Der verzweifelte Einsatz in der Strahlenhölle - ein Himmelfahrtskommando.
Lesen Sie die Ereignisse im Liveticker:

+++ Mit Löschwasser gegen die Kernschmelze +++
[21:50] 140 Feuerwehrleute aus Tokio kämpfen momentan verzweifelt gegen die drohende Kernschmelze. Der Fernsehsender NHK berichtete, dass die Männer mit 30 Löschfahrzeugen vor Ort seien. Die Einsatzkräfte verfügen über spezielle Spritzdüsen, mit denen sie 3,8 Tonnen Wasser pro Minute in 22 Meter Höhe spritzen können. Man hoffe, dass wenigstens ein Teils des Wassers das Abklingbecken für Brennmaterial erreiche. Angesichts der hohen Radioaktivität habe man Fünfergruppen gebildet und löse sich nach kurzen Einsätzen ab, meldete NHK. Die außergewöhnliche Maßnahme zur Kühlung soll so lange fortgesetzt werden, bis die Wiederherstellung einer Stromleitung gewährleistet ist und der Strom die Pumpstationen für das herkömmliche Kühlsystem wieder in Gang setzen kann.

+++ Druck fällt ein wenig +++

[21:24] Nach dem massiven Wasserwerfereinsatz im Block 3 des Atomkraftwerks Fukushima ist der Druck in der Reaktorkammer wohl etwas gesunken. Das geht aus dem jüngsten Bericht der japanischen Atomsicherheitsbehörde hervor. In den beiden anderen Blöcken aber zeigen die veröffentlichten Werte eine leicht steigende Tendenz.

+++ Neue Beben drohen +++

[21:20] Dem verheerenden Erdbeben von Japan werden nach Auffassung von Wissenschaftlern voraussichtlich weitere Beben folgen. "Man muss davon ausgehen, dass dieses Erdbeben andere große Erdbeben nach sich ziehen wird", sagte der Geophysiker Hans-Peter Bunge von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der Spannungszustand des gesamten Erdkörpers habe sich verändert. Andere Erdplatten müssten nun zwangsläufig reagieren.

+++ General Electric weist Vorwürfe zurück +++

[20:52] Der amerikanische Hersteller der Katastrophen-Reaktoren hat den Vorwurf von Konstruktionsmängeln zurückgewiesen. Die Reaktoren des Typs Mark 1 entsprächen allen Vorschriften und hätten "in den vergangenen 40 Jahren gut funktioniert", erklärte ein Sprecher des Konzerns General Electric aus dem US-Bundesstaat Connecticut. Das Reaktormodell war in den 1960er Jahren entwickelt worden. Kritiker hatten damals gewarnt, das Modell Mark 1 könne möglicherweise nicht einer starken Druckentwicklung standhalten, wie sie bei einem Ausfall der Kühlsysteme zu erwarten sei. Fünf der sechs Reaktoren im japanischen AKW Fukushima sind Mark-1-Reaktoren von General Electric.

+++ Reguläre Kühlung ab Samstag? +++

[19:16] Im Kampf gegen den Super-GAU in Japan setzen die Krisenmanager ihre Hoffnung aufs Wochenende: Nach der Bereitstellung einer Starkstromleitung wollen sie am Samstag versuchen, die reguläre Kühlung für die Reaktorblöcke 1 und 2 wieder in Gang zu setzen. Am Sonntag könnten dann die Blöcke 3 und 4 folgen, teilte Hidehiko Nishiyama von der Atomsicherheitsbehörde mit.

+++ Feuerwehr startet Kühlaktion +++

[19:11] Die erste Kolonne von Löschfahrzeugen der Feuerwehr aus Tokio hat damit begonnen, kühlendes Wasser auf Reaktorblock 3 des Atomkraftwerks Fukushima 1 zu sprühen. Der Fernsehsender NHK berichtete, dass 30 Löschfahrzeuge vor Ort seien. Die Einsatzkräfte verfügen über spezielle Spritzdüsen, mit denen 3,8 Tonnen Wasser pro Minute in 22 Meter Höhe gespritzt werden können. Man hoffe, dass das Wasser das Abklingbecken für Brennmaterial erreiche. Angesichts der hohen Radioaktivität habe man Fünfergruppen gebildet und löse sich nach kurzen Einsätzen ab, meldete NHK.

+++ Regierung gesteht Fehler ein +++

[18:14] Die japanische Regierung hat eingestanden, dass das Erdbeben und der Tsunami die Reaktion der Behörden auf die Zwischenfälle in den Reaktoren verzögert habe. "Rückblickend hätten wir die Situation etwas schneller bewerten und Informationen rascher koordinieren und weitergeben können", sagte Kabinettssekretär Yukio Edano. Atomexperten hatten Japan seit Tagen vorgeworfen, die Situation in Fukushima herunterzuspielen.

+++ Japaner könnten nach Sibirien ziehen +++

[18:09] Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat den vom Erdbeben betroffenen Japanern vorgeschlagen, nach Sibirien umzusiedeln. Details dazu nannte er aber bei der Sitzung des Sicherheitsrates des Landes nicht. Russland habe Japan auch Plätze für Verletzte in seinen Kliniken angeboten, sagte Medwedew. Auch japanische Kinder könnten zur Behandlung aufgenommen werden. Der Kremlchef sagte nach Angaben der Agentur Interfax: "Wir sollten gegebenenfalls darüber nachdenken, einen Teil des Arbeitspotenzials unseres Nachbarn zu nutzen - vor allem in den dünn besiedelten Gebieten Sibiriens."

+++ Tschernobyl-Lösung für Fukushima? +++

[17:02] Im Kampf gegen den Super-GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima I wird nach einem Bericht von "Spiegel Online" nun auch die sogenannte Tschernobyl-Lösung in Betracht gezogen. Der AKW-Betreiber Tepco erwog erstmals öffentlich, das zerstörte Kraftwerk unter einem Sarkophag aus Sand und Beton zu begraben. "Es ist nicht unmöglich, die Reaktoren mit Beton zu überziehen", teilte Tepco (Tokyo Electric Power) mit. Die japanische Behörde für Atomsicherheit NISA bezeichnete die Tschernobyl-Lösung allerdings als letzten Ausweg. Vielleicht sei das die einzige Möglichkeit, eine katastrophale Ausbreitung von Strahlung zu verhindern, erklärten japanische Ingenieure. Nach der Katastrophe in Tschernobyl wurde der Reaktor dort mit Sand und Beton bedeckt. Der sowjetische Reaktor war 1986 explodiert; das Unglück gilt bislang als weltgrößter Atomunfall.

+++ Stromversorgung ab Samstag? +++

Weitere Nachrichten und Links

[17:01] Die havarierten Reaktoren 1 und 2 sollen ab Samstag wieder mit Strom versorgt werden, berichtete der Sender NHK. Die Einsatzkräfte in Fukushima hoffen, damit die Kühlung des AKW-Wracks wieder in Betrieb nehmen zu können. Derzeit versuchen fast 140 Einsatzkräfte der Feuerwehr mit 30 Spezialfahrzeugen, den besonders gefährlichen Reaktor 3 zu kühlen, der Plutonium enthält. Experten schätzen, dass der Kampf gegen eine nukleare Katastrophe auf der Kippe steht.

+++ Wind dreht - Gefahr für Tokio +++

[16:59] Momentan steht der Wind über dem Katastrophen-Kraftwerk noch relativ günstig für die Japaner - er weht auf den Pazifik. Ab Sonntag aber könnte die radioaktive Wolke wieder Richtung Tokio wehen: "Der Wind dreht am Sonntag auf nördliche Richtungen", sagte Andreas Wagner von der Meteomedia Unwetterzentrale im Gespräch mit wetter.info. Allerdings ist diese Windrichtung zunächst nicht stabil. "Der Wind weht immer nur für ein paar Stunden aus Norden und kann dann schnell wieder drehen", erklärte der Meteorologe. Diese Wetterlage ändert sich jedoch am Montag erneut: Dann bestimmt eine Kaltfront aus Sibirien das Wettergeschehen, und der Wind weht konstant aus Norden - und damit in Richtung der Millionenstadt Tokio. Auch am Dienstag wird der Wind voraussichtlich noch aus Norden wehen.

+++ Tsunami war mindestens 23 Meter hoch +++

[16:50] Der Tsunami, der vor einer Woche die Nordost-Küste Japans verwüstete, war wohl mindestens 23 Meter hoch. Dies habe eine Studie des Forschungsinstituts der Hafenbehörde unter Auswertung von eigenen Messungen und GPS-Daten ergeben, berichtete die Tageszeitung "Yomiuri". Konkret sei die Wellenhöhe in Ofunato in der Präfektur Iwate gemessen worden, wo das Wasser ganze Siedlungen mitriss.

+++ Atomexperte zweifelt an Erfolg +++

[16:14] Der Atomkraftexperte Michael Sailer ist trotz der massiven Anstrengungen der Japaner im Kampf gegen den drohenden Super-GAU höchst besorgt. "Man muss sich vergegenwärtigen, dass wir nicht über einen Reaktor reden, sondern über mindestens drei Reaktoren und vier Brennelemente-Becken, also sieben Anlagen, die dringend Kühlung brauchen", sagte der Geschäftsführer des Öko-Instituts. Selbst wenn es gelänge, bei einem oder zwei davon die Kühlung wieder herzustellen, bedeute das noch lange nicht, dass das bei den anderen gehe. "Ich bin nicht sehr optimistisch."

+++ Opferzahl steigt weiter an +++

[15:54] Die Zahl der Opfer dürfte mittlerweile bei mehr als 17.000 Menschen liegen. Das berichtete die japanische Nachrichtenagter Kyodo. 6911 Leichen sind derzeit offiziell registriert, über 10.000 Menschen werden noch vermisst.

+++ Wasserstoff in Reaktor 4 +++

[15:24] Im havarierten Reaktor 4 des AKW Fukushima sammelt sich erneut explosiver Wasserstoff. Dies geht aus der aktuellsten Analyse des Japan Atomic Industrial Forum hervor. Das Risiko für eine weitere verheerende Wasserstoff-Explosion ist nach Expertenmeinung aber gering. In dem bereits weitgehend zerstörten Reaktorgebäude 4 könne der Wasserstoff relativ schnell entweichen, sagte ein Reaktorexperte.

+++ Steht die Stromleitung bereits? +++

[15:20] Im Wettlauf gegen die nukleare Katastrophe in Fukushima versucht Japan Zeit zu gewinnen. Der AKW-Betreiber Tepco hofft, dass er die havarierten Reaktoren 1 und 2 am Samstag über die wiederhergestellte Stromleitung versorgen kann, berichtete der Sender NHK. Die Helfer hoffen, dass dann die Kühlung des AKW-Wracks in Gang kommt.

+++ 140 Feuerwehrleute im Einsatz +++

[14:41 ] Fast 140 Feuerwehrleute aus Tokio sind momentan am AKW Fukushima eingesetzt. Die Männer rückten mit 30 Fahrzeugen an, berichtete das staatliche Fernsehen NHK. Sie verspritzten 50 Tonnen Wasser auf den havarierten Reaktor 3, um eine Kernschmelze darin zu verhindern. Es handelte sich um Fahrzeuge, die normalerweise für Einsätze an hohen Gebäuden gedacht sind: Mit ihnen können die Feuerwehrleute aus 22 Metern Wasser spritzen.

+++ EU hilft Japan im Kampf gegen Atom-Katastrophe +++

[14:20] Die EU will Japan im Kampf gegen die Folgen des Atomunglücks unterstützen. "Wir stehen mit technischer Hilfe bereit, um beim Herunterkühlen des Atommeilers zu helfen", sagte eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel. Dabei gehe es vor allem um mittel- und langfristige Hilfe: Nach ihren Angaben wird es rund ein Jahr dauern, bis der Reaktor komplett heruntergekühlt ist. In dieser langen Periode könnten die EU-Länder mit Material, technischen Geräten und Experten helfen. Bislang gebe es aber noch keine Anfrage der Regierung in Tokio.

+++ Deutsche zeigen große Solidarität mit Japan +++

[13:00] Ob mit Wohnraumangeboten, Geld oder Kleidung: Viele Deutsche wollen den Menschen im japanischen Katastrophengebiet helfen. Beim Deutschen Roten Kreuz sind nach einer Woche so viele Spenden eingegangen wie zum gleichen Zeitpunkt nach dem Erdbeben in Haiti im Januar 2010. "Die Menschen wollen Solidarität zeigen", glaubt DRK-Sprecherin Svenja Koch. Noch ist jedoch unklar, ob Japan überhaupt Hilfe anfordern wird. Die Katastrophenhilfe der Diakonie bittet deshalb schon nicht mehr speziell um Spenden für Japan. Besser sei es für die allgemeine Katastrophenhilfe Geld zu geben, sagte Sprecher Rainer Lang. Das Geld fließt bei seriösen Spendenorganisationen derzeit direkt an Partner in Japan. Damit werden dann Decken, Medikamente oder Essen finanziert.

+++ Deutlich erhöhte Strahlung 30 Kilometer vor Krisen-AKW +++

[12:32] Noch mehr als 30 Kilometer vom Katastrophen-AKW Fukushima I entfernt ist jetzt eine deutlich erhöhte Strahlenbelastung festgestellt worden. Die Verstrahlung nordwestlich der havarierten Anlage lag bei 170 Microsievert am Donnerstag und 150 Microsievert am Freitag, wie das japanische Wissenschaftsministerium mitteilte. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die höchste Belastung habe dabei in einer Zone gelegen, die bisher nicht evakuiert wurde. Die Menschen hier waren lediglich aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Nach Expertenmeinung nehmen Menschen bei der gemessenen Belastung innerhalb von sechs bis sieben Stunden so viel Strahlung auf, wie sonst innerhalb eines Jahres gerade noch verträglich wäre.
Die Strahlung direkt am Reaktor ist um ein Vielfaches höher: Erst am Donnerstag hatten die Betreiber nach eigenen Angaben wieder 400 Millisievert am Block 3 gemessen. Ein Millisievert sind 1000 Microsievert. Die japanische Regierung hat den Umkreis von 20 Kilometern um das Kraftwerk evakuiert. Wer bis zu 30 Kilometer entfernt lebt, soll im Innern von Häusern bleiben.

+++ Regierungschef: Japan wird die Katastrophe überwinden +++

[12:23] Japans Ministerpräsident Naoto Kan hat sich in einer Fernsehansprache an die Menschen in Japan gewandt. "Japan als Land wird die Katastrophe überwinden und sich erholen", beschwörte er die Bevölkerung. Der Regierungschef sagte mit Tränen in den Augen: Obwohl Japan ein kleines Land sei, habe es ein großes Wirtschaftswachstum erreicht. Dieses Land sei mit der Kraft aller Menschen aufgebaut worden; es werde sich von dieser Katastrophe nicht unterkriegen lassen. Die Menschen dürften nicht pessimistisch sein: "Wir werden Japan neu aufbauen."
Allerdings sagte Kan auch: Die atomare Krise erlaube keinen Optimismus. Den Opfern und Angehörigen der Opfer drückte er sein Beileid und Mitgefühl aus. Der Regierungschef wehrte sich gegen die Kritik, Informationen über die Lage im Krisen-AKW Fukushima zurückzuhalten. Die Regierung habe alle ihr zur Verfügung stehenden Informationen veröffentlicht, betonte er auf Nachfrage von Journalisten.

+++ US-Militär bietet 450 Strahlenexperten an +++

[12:15] Das US-Militär hat Japan Unterstützung durch 450 Strahlenexperten angeboten. Die Einheit könne dem Land bei der Bewältigung seiner Nuklearkrise helfen, sagte der Befehlshaber des US-Pazifikkommandos, Admiral Robert Willard, nach Angaben der japanischen Agentur Kyodo. Ein Team aus neun US-Spezialisten sei bereits nach Japan geschickt worden. Es soll die Behörden unterstützen, den drohenden Super-GAU in den außer Kontrolle geratenen Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima abzuwenden. Die amerikanische Experteneinheit könne unter anderem zur Strahlenmessung und Dekontamination verstrahlter Menschen oder Objekte eingesetzt werden, hieß.

+++ Expertin befürchtet schwere Schäden an Kulturgütern +++

[12:07] Erdbeben und Tsunami haben wohl auch zahlreiche wertvolle Kulturgüter in Japan zerstört. "In der Katastrophengegend im Norden Japans und vor allem um Sendai gibt es viele buddhistische Heiligtümer und Shinto-Schreine", sagte die Japanologin Franziska Ehmcke. "Die könnten natürlich durch Erdbeben und Tsunami in Mitleidenschaft gezogen sein." Zudem seien in der Gegend auch Ausgrabungsorte, die zerstört worden sein könnten. Rund um Sendai gebe es auch andere wichtige Kunst- und Nationalschätze. Zu ihnen zählte die Professorin, die an der Universität zu Köln Japanologie mit Schwerpunkt Kulturgeschichte lehrt, nicht nur historische Gebäude, sondern auch Kunstwerke, Schriftstücke und handgeschnitzte Puppen (Kokeshi).

+++ Gefahr für Tokio: Wind dreht zu Wochenbeginn +++

[11:22] Der Wind am japanischen Unglücksreaktor soll zu Beginn kommender Woche wieder in Richtung der Millionen-Metropole Tokio drehen. "Wie weit sich die Radioaktivität dann ausbreitet, kann man aber noch nicht sagen", sagte Christina Speicher vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Am Dienstag soll der Wind voraussichtlich erneut seine Richtung ändern und wieder auf Nord/Nordwest umschwenken. Zunächst wehe er bis zum Wochenende weiter auf den Pazifik hinaus, wobei er am Samstag auffrische, sagte Speicher. Die am Atomkraftwerk Fukushima freigesetzten radioaktiven Partikel würden so nordostwärts aufs Meer getragen. In der Nacht zum Montag werde der Wind allerdings drehen.
Die Partikel erreichten nach etwa vier Tagen das Seegebiet südlich der Aleuten, sagte Speicher. Die Inselkette liegt zwischen Nordamerika und Asien am Südrand des nordpazifischen Beringmeers. In der Region um Fukushima hat es unterdessen aufgehört zu schneien. Am Himmel wechselten sich Sonne und Wolken ab. Neuer Niederschlag ist nicht in Sicht. Bei Temperaturen zwischen ein und vier Grad ist es aber weiterhin winterlich kalt.

+++ Japanische Sportler gründen Hilfsprojekt +++

[11:14] Nach der Erdbebenkatastrophe wollen mehrere japanische Sportgrößen ihr Heimatland mit einem Hilfsprojekt unterstützen. Der Fonds namens "Team Japan" hat nach fünf Tagen bereits rund 160.000 Euro eingesammelt. Die Initiative gehört zum Wohltätigkeitsprojekt "JustGiving Japan", das den Opfern des Unglücks helfen will. Zu den Athleten, die sich an der Aktion beteiligen, zählt unter anderen Weltklasse-Hürdenläufer Dai Tamesue. "JustGiving Japan" ist eine Initiative von Triathlet Masaru Yumoto und hat nach eigenen Angaben bereits rund 1,4 Millionen Euro zur Verfügung stellen können. Das gesamte Geld soll an gemeinnützige Stellen gehen.

+++ Explosionsgefahr in Reaktor 4 gestiegen +++

[10:53] Über dem Abklingbecken von Reaktor 4 des Kernkraftwerkes Fukushima I wurde jetzt Wasserstoff festgestellt. Das meldete die Vertretung der japanischen Atomwirtschaft JAIF (Japan Atomic Industrial Forum). Wasserstoff führte in den Reaktoren 1, 2 und 3 der Anlage in den vergangenen Tagen zu mehreren Explosionen. Diese beschädigten die Reaktorgebäude und vermutlich auch die Containments, die Sicherheitsbehälter, der Reaktoren 2 und 3. Wasserstoff entsteht bei Temperaturen über 800 Grad Celsius durch eine Aufspaltprozess aus dem Kühlwasser im Becken. Die Explosionsgefahr und damit das Risiko für die mit der Kühlung der Reaktoren und Füllung der Becken beschäftigten Einsatzkräfte ist damit deutlich erhöht.

++++ Rückflüge von Japan nach Europa immer teurer +++

[10:35] Japan-Reisende, die derzeit spontan von Tokio nach Deutschland fliegen möchten, müssen jetzt viel Geld bezahlen - bis zu 8200 Euro für ein Eco-Ticket. Das ergab eine Auswertung des größten deutschen Flugportals fluege.de. Wer Japans Katastrophe lieber stilvoll mit einem First-Class-Ticket entkommen möchte, der muss derzeit beispielsweise für einen Flug von Tokyo nach München sogar über 20.000 Euro bezahlen. Die günstigste First-Class-Variante, wäre sie denn noch vorhanden, hätte sonst 9300 Euro gekostet.
Während die Deutsche Lufthansa unter anderem nur noch Osaka und Nagoya anfliegt, sind 20 andere Airlines mit einigen wenigen Maschinen in Tokio und fliegen nach wie vor Richtung Europa. Die im Schnitt hohen Ticket-Preise beruhen vor allem darauf, dass die günstigen Tarife bereits ausgebucht sind und eine ungewöhnlich hohe Nachfrage nach Plätzen besteht.

+++ Japans Atombehörde stuft Schwere des AKW-Unfalls herauf +++

[10:17] Die japanische Atomsicherheitsbehörde hat die Schwere des AKW-Unfalls in Fukushima heraufgestuft. Dieser habe nun die dritthöchste Stufe auf der Internationalen Bewertungsskala (INES), teilte die Behörde mit. Damit werden die Ereignisse am Kraftwerk in Fukushima nicht mehr als "Unfall" der Stufe vier, sondern als "ernster Unfall" der Stufe fünf bewertet. Die Bewertungsskala hat insgesamt sieben Stufen.

+++ Einschreiten von G7-Staaten stoppt Yen-Höhenflug +++

[09:55] Das gemeinsame Einschreiten der führenden sieben Industriestaaten hat den Höhenflug der japanischen Währung gestoppt. Die G7-Finanzminister und Notenbankpräsidenten hatten in der Nacht zum Freitag in einer Telefonkonferenz beschlossen, gemeinsam gegen den starken Anstieg des Yen vorzugehen. Es ist das erste Mal seit mehr als zehn Jahren, dass die führenden Wirtschaftsnationen gemeinsam am Devisenmarkt einschreiten. Der Yen war zuvor trotz der verheerenden wirtschaftlichen Katastrophen-Folgen gegenüber dem US-Dollar auf den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg gestiegen. Das setzt gerade Japans Exportwirtschaft zusätzlich unter Druck, weil es deren Produkte in wichtigen Märkten verteuert.

+++ "Fukushima 50" bekommen Verstärkung +++

[09:31] Sie werden in Japan bereits "die Fukushima 50" genannt - jetzt bekommen die Männer, die im havarierten Atomkraftwerk in Japan gegen den Super-GAU kämpfen, Verstärkung. Mehr als 120 Männer seien inzwischen am Ort des Geschehens im Einsatz, darunter auch Spezialisten anderer Atomkonzerne, sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Tepco. Japanische Medien berichteten am Freitag, es seien rund 140 Feuerwehrleute auf dem Weg zum Kraftwerk, um die Armee zu unterstützen.

+++ Zeitung: Regierung zwang AKW-Angestellte zu bleiben +++

[08:34] Der japanische Regierungschef persönlich hat den Betreibern des stark beschädigten Atomkraftwerks Fukushima I einem Bericht zufolge verboten, seine Mitarbeiter von der Anlage abzuziehen. Die Zeitung "Mainichi Shimbun" berichtet, dass der Energieversorger Tepco bereits am Montag gegenüber der Regierung Sorge um die Sicherheit seiner Angestellten geäußert habe. Demnach kam der AKW-Betreiber zu dem Schluss, dass es "schwierig" werden würde, das Kraftwerk nach den Explosionen und Bränden an den Reaktoren wieder unter Kontrolle zu bringen. Regierungschef Naoto Kan habe aber die Bitte, die Mitarbeiter abziehen zu dürfen, zurückgewiesen. "Eine Abberufung ist unmöglich", zitiert die Zeitung Kan. "Es geht nicht darum, ob Tepco kollabiert - es geht darum, ob Japan zusammenbricht", soll er demnach entgegnet haben. Die Arbeiter sollten sich also der Strahlung aussetzen und "sterben", deutete ein namentlich nicht genannter Tepco-Vertreter die Anweisung des Regierungschefs.
In der Anlage Fukushima I haben bis zum Erdbeben vor einer Woche bis zu 5000 Menschen gearbeitet. Offiziell hat Tepco bisher nicht erklärt, wie viele Arbeiter noch auf dem Gelände des Kraftwerks sind. Gerüchten zufolge sollen es etwa 70 sein.


(Quelle: RIU) Der Film zeigt eine mögliche Ausbreitung der Radionukleide (Caesium 137 Isotop) nach einer Freisetzung im Reaktor Fukushima I. Die kontinuierliche Freisetzungsmenge ist sehr unklar, deshalb sind die Ausbreitungsrechnungen rein qualitativ zu interpretieren. Maßeinheit: Aktivitätskonzentration Becquerel (Bq) pro Kubikmeter (m3).

+++ Strom für AKW am Samstag? +++

[08:02] Der japanische AKW-Betreiber Tepco hofft, die Reaktoren 1 und 2 am Samstag, spätestens aber am Sonntag mit der wiederhergestellten Stromverbindung versorgen zu können. Das berichtete der Sender NHK. Am havarierten Atomkraftwerk Fukushima I seien seit dem Erdbeben vor einer Woche die Kühlsysteme dreier Reaktoren defekt. Der Strom wird für die Kühlung benötigt, da sonst eine komplette Kernschmelze droht. Über den Zustand der Technik in den teilweise völlig zerstörten Reaktorhallen gibt es allerdings noch keine genauen Angaben - das ist aber der entscheidende Punkt. In einem Gebäude neben Block 1 sei bereits ein Stromverteiler installiert worden, meldete NHK weiter unter Berufung auf Tepco. Nun werde an einer Verbindung zum Transformator am Block 2 gearbeitet.

+++ Mehr Tote als beim Kobe-Beben +++

[07:42] Bei dem Erdbeben und dem Tsunami im Nordosten Japans sind mehr Menschen ums Leben gekommen als bei dem Beben in der japanischen Hafenstadt Kobe im Jahr 1995. Nach neuesten Angaben stieg die Zahl der Toten auf 6539, berichtete der japanische Fernsehsender NHK am Freitag unter Berufung auf die Polizei. Es wird allerdings befürchtet, das weit mehr Menschen der Katastrophe zum Opfer fielen. Bei dem Beben im Raum Kobe kamen 6434 Menschen ums Leben.

+++ WHO hält Strahlenrisiko außerhalb Fukushimas für gering +++

[07:42] Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bleibt das Risiko der Strahlenbelastung nach dem Reaktorunglück in Japan lokal begrenzt. Es gebe "keine Hinweise auf eine signifikante Verbreitung von radioaktivem Material" abseits der unmittelbaren Umgebung des Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi, sagte der Leiter der WHO in China, Michael O'Leary. Außerhalb einer Zone von 30 Kilometern rund um das Kraftwerk besteht nach Auffassung von Gesundheitsexperten nur ein geringes Risiko. Dennoch überwachen China und andere asiatische Länder das Strahlungsniveau nun gründlicher als zuvor.

+++ Tepco: Strahlenbelastung an Krisen-AKW sinkt minimal +++

[07:13] Das Kühlen des havarierten Atomkraftwerkes Fukushima I mit Löschhubschraubern und Wasserwerfern scheint einen minimalen Erfolg gehabt zu haben. Am Donnerstagabend (20.40 Uhr Ortszeit) sei die Intensität der radioaktiven Strahlung leicht zurückgegangen, wie der TV-Sender NHK und die Nachrichtenagentur Kyodo am Freitag unter Berufung auf den AKW-Betreiber Tepco übereinstimmend berichteten. Demnach sank die Dosis um 17 Zähler auf 292 Mikrosievert pro Stunde, wie Messungen am Westeingang des AKW ergaben. Dieser Wert bedeutet, dass Menschen am Ort der Messung in gut drei Stunden so viel Strahlung ausgesetzt sind, wie verteilt über die Spanne eines ganzen Jahres in Deutschland als gerade noch verträglich gelten würde. Näher an den Reaktoren ist die Dosis weitaus höher.

+++ Schweigeminute für die Opfer von Erdbeben und Tsunami +++

[07:08] Genau eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami haben Menschen überall in Japan in einer Schweigeminute der Opfer der Katastrophe gedacht. Das berichtete die britische BBC am Freitag auf ihrer Website. Die Zahl der Toten stieg unterdessen nach einem Bericht des US-Fernsehsenders CNN auf 6406. Vermisst würden 10.259 Menschen.

+++ Indien für weltweite Überprüfung von AKWs +++

[06:50] Angesichts der drohenden Reaktorkatastrophe in Japan unterstützt Indien eine weltweite Überprüfung der Sicherheit von Atomenergie. Die Ereignisse in Fukushima "sollten uns dazu veranlassen, die Strategien für nukleare Sicherheit zu überdenken", sagte der indische Ministerpräsident Manmohan Singh am Freitag in Neu-Delhi. Für die 20 indischen Atomkraftwerke hatte Singh bereits zuvor eine Sicherheitsüberprüfung angeordnet.

+++ Zweiter Kühlversuch gestartet +++

[06:07] Am havarierten Atomkraftwerk Fukushima I haben Feuerwehrleute und Soldaten mit einem zweiten Kühlversuch begonnen. Am Freitagmittag gegen 14 Uhr (Ortszeit) richteten Einsatzfahrzeuge der Armee ihre Wasserfontänen auf die strahlenden Reaktoren. Der Fernsehsender NHK zeigte Live-Bilder vom Start der Aktion, deren Ziel zunächst der Block 3 war - später sollte den Plänen zufolge Block 4 folgen. Auch gab es Überlegungen, Reaktor 1 in die Wasserkühlung einzubeziehen.

+++ Weißer Rauch steigt von beschädigtem Reaktor auf +++

[03:08] Aus einem der beschädigten Reaktoren im japanischen Atomkraftwerk Fukushima I steigt weißer Rauch auf. Ein Sprecher der Atomaufsichtsbehörde sagte, es handele sich um Block 2. Die Ursache sei nicht bekannt. Die Betreiberfirma Tepco teilte unterdessen mit, Arbeiter legten ein Stromkabel, um die Kühlsysteme wieder in Gang zu bringen. Streitkräfte und Feuerwehr bereiteten den Einsatz von Löschfahrzeugen vor, um weiteres Wasser in die Reaktorblöcke zu bringen.

+++ Flüchtlinge zittern vor Kälte - Heizung fehlt +++

[00:44] Erdbeben, Wasserwalze, Atom-Gefahr und nun auch noch die Kälte: Die Lage der nach der Naturkatastrophe obdachlosen Japaner wird angesichts eines Wintereinbruchs immer dramatischer. In Turnhallen ohne Heizung kauern Menschen eng aneinander, um sich gegenseitig Wärme zu spenden. Das belegten Bilder des TV-Senders NHK vom Freitagmorgen aus dem stark verwüsteten Nordosten. Es seien zwar teilweise Öfen und Heizungen vorhanden, aber es mangele meist an Strom und Heizöl für den Betrieb. Auf den TV-Bildern waren zitternde Menschen zu sehen, die Holz oder ähnlichen Brennstoff in Tonnen verfeuerten und sich so wärmten. Japans Wetterbehörde meldete am Freitagmorgen für den Nordosten Temperaturen unter null Grad.
Etwa eine halbe Million Menschen soll derzeit obdachlos sein. Dem Sender NHK zufolge sind mindestens 25 Flüchtlinge in den Lagern schon gestorben. Sie seien meist alt und total entkräftet gewesen - womöglich wären sie ohne den Kälteeinbruch noch am Leben. Neben dem Problem mit der Kälte fehle es weiterhin an Trinkwasser und Essen.

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