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AKW Fukushima: Hochgiftiges Plutonium aus AKW ausgetreten?

Hochgiftiges Plutonium aus AKW ausgetreten?

23.03.2011, 19:28 Uhr | AFP, dpa, dapd

AKW Fukushima: Hochgiftiges Plutonium aus AKW ausgetreten?. AKW Fukushima: Schwarzer Rauch und Spuren von Plutonium: Die Lage an Reaktor 3 spitzt sich zu (Quelle: Reuters)

Schwarzer Rauch und Spuren von Plutonium: Die Lage an Reaktor 3 spitzt sich zu (Quelle: Reuters)

Schlechte Nachrichten aus Japan: Aus dem schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima 1 sind wohl Plutonium und Uran ausgetreten. Die Betreiberfirma Tepco habe erklärt, dass sie insgesamt 13-mal Neutronenstrahlen auf dem Reaktorgelänge gemessen habe. Dies wäre ein Hinweis auf den Austritt der hochradioaktiven und extrem giftigen Substanzen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Tepco spricht von "geringen Mengen" von Plutonium und Uran, so die "Süddeutsche" weiter. Auffallend ist jedoch, dass alle Techniker und Feuerwehrleute ihre Arbeiten sofort abbrechen mussten, und das AKW Fukushima 1 komplett evakuiert wurde. In Tokio sollen Babys und Kleinkinder kein Leitungswasser mehr trinken. Dennoch erklärte die japanische Regierung, dass die Evakuierungszone - 20 Kilometer rund um Fukushima 1 - nicht ausgeweitet werden müsse.

Schwarzer Rauch über Reaktor 3

Die Lage in Fukushima bleibt für die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) sehr ernst. "Die Gesamtsituation gibt uns weiter Anlass zu erheblicher Sorge", sagte der IAEA-Experte Graham Andrew.

Im stark zerstörten Reaktor 3 ist es nach IAEA-Informationen nicht möglich, die Instrumente mit Strom zu versorgen. Dort stieg am Mittwoch schwarzer Rauch auf, und Arbeiter mussten die Anlage verlassen. Dazu habe man noch keine aktuellen Informationen japanischer Behörden, sagte die IAEA-Expertin Elena Buglova. Im Reaktor 1 steigt nach Informationen der UN-Behörde der Druck, im Reaktor 3 war er bis zum Auftreten des Rauches stabil.

Auch im Block 2 wurden die Arbeiten am Mittwoch wegen zu hoher Strahlenbelastung unterbrochen. Angeblich ist die Strahlenbelastung dort momentan so hoch wie nie zuvor. Es wird befürchtet, dass der innere Reaktorbehälter von Block 2 bei einer Explosion in der vergangenen Woche beschädigt wurde.

Trinkwasser in Tokio belastet

Durch die Atomkatastrophe in Japan ist mittlerweile auch das Trinkwasser in Tokio radioaktiv belastet. Im Wasser seien erhöhte Werte von 210 Becquerel pro Liter an radioaktivem Jod 131 festgestellt worden, sagte ein Sprecher der Hauptstadtpräfektur Tokio. Die erhöhten Werte wurden in einer Wasseraufbereitungsanlage in Tokio festgestellt.

Der Grenzwert des japanischen Gesundheitsministeriums liegt für Babys bei 100 Becquerel pro Liter, berichtete der Fernsehsender NHK. Kinder unter einem Jahr sollten deshalb vorerst kein Leitungswasser oder mit Leitungswasser angerührtes Milchpulver mehr trinken. Die Warnung gelte für alle 23 zentralen Bezirke in Tokio und für das westlich gelegene Tama-Gebiet. Bei radioaktivem Cäsium 137 seien keine überhöhten Werte registriert worden.

Zuvor war bereits im Trinkwasser in fünf Orten der Präfektur Fukushima ein für Babys zu hoher Wert an radioaktivem Jod gemessen worden. Für ältere Kinder und Erwachsene liegen die Grenzwerte für radioaktives Jod 131 bei 300 Becquerel pro Kilo. Der Gouverneur der Hauptstadtpräfektur Tokio rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Es bestehe keine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit. Die Warnung sei lediglich eine Vorsichtsmaßnahme, da sich das radioaktive Jod über die Zeit in der Schilddrüse anreichern könne.

Lieferstopp für Gemüse ausgeweitet

Zuvor hatte die Regierung ihren Lieferstopp für Gemüse aus der Gegend um das havarierte Atomkraftwerk in Fukushima ausgeweitet. Das Gesundheitsministerium veröffentlichte eine Liste mit elf Gemüsearten, bei denen nach dem Unglück eine teilweise drastisch erhöhte Radioaktivität festgestellt wurde. Darunter sind Spinat, Broccoli, Kohl und das japanische Blattgemüse Komatsuna.

Regierungssprecher Yukio Edano sagte auf einer Pressekonferenz, der Verzehr dieses Gemüses gefährde zwar nicht die Gesundheit. "Wir sehen aber, dass die Werte hochgehen und müssen damit rechnen, dass sie ein schädliches Niveau erreichen. Daher ist es sinnvoll, die Lieferungen jetzt zu stoppen." Vorsichtshalber sollten Verbraucher kein in der Präfektur Fukushima angebautes Gemüse mehr verzehren.

In Proben fand das Gesundheitsministerium beim Blattgemüse Kukitachina 82.000 Becquerel an radioaktivem Cäsium und 15.000 Becquerel an radioaktivem Jod. Dies übersteigt die zulässigen Grenzwerte um den Faktor 164 beziehungsweise 7. In der Präfektur Ibaraki wurde auch radioaktiv belastete Milch gefunden.

Hohe Belastung auch außerhalb der Sperrzone

Der Regierungssprecher berichtete zudem, auch außerhalb der Sicherheitszone um das Atom-Wrack in Fukushima sei nach Schätzungen der Regierung stark erhöhte radioaktive Strahlung aufgetreten. An manchen Orten, die weiter als 30 Kilometer von dem Kraftwerk entfernt seien, habe die Strahlung zeitweise womöglich bei mehr als 100 Millisievert pro Stunde gelegen. Die natürliche Hintergrundstrahlung liegt bei etwa 2 Millisievert pro Jahr.

Es bestehe allerdings kein Grund, die Evakuierungszone von 20 Kilometern um das Kraftwerk auszuweiten, sagte Edano. Besorgte Anwohner sollten die Fenster geschlossen halten. Die Strahlung ändere sich ständig mit dem Wind. Es sei sehr schwer, genau zu messen, wie sich die Radioaktivität vom havarierten Kraftwerk ausbreite.

Neue Beben erschüttern die Region

Am Mittwochmorgen japanischer Zeit hatten erneut mehrere heftige Erdstöße die Region erschüttert. Der staatliche Wetterdienst registrierte um 7.12 Uhr Ortszeit (23.12 Uhr MEZ) ein Beben mit einer Stärke von 6,0. In der US-Erdbebenwerte wurde eine Stärke von 5,7 gemessen. Das Epizentrum lag 72 Kilometer südsüdöstlich der Stadt Fukushima und 180 Kilometer nordnordöstlich von Tokio. In der Anlage des Atomkraftwerks Fukushima seien keine weiteren Schäden verursacht worden, teilte die Reaktorsicherheitsbehörde NISA mit. Die laufenden Rettungsarbeiten seien auch nicht gestört worden.

Neuen Polizeiangaben zufolge wurden durch die Katastrophe offiziell 9408 Menschen getötet. Allerdings gelten weiterhin 14.716 Menschen als vermisst - es gibt kaum noch Hoffnung, dass sie überlebten. Damit sind der Erdstoß der Stärke 9,0 und der anschließende Tsunami am 11. März die schlimmste Naturkatastrophe in Japan seit dem großen Kanto-Beben 1923. Damals starben mehr als 142.000 Menschen.

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