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Atomunfall in Japan: Fukushima im Moment der Katastrophe

Fukushima im Moment der Katastrophe

24.03.2011, 19:50 Uhr | t-online.de, dpa, dapd

Atomunfall in Japan: Fukushima im Moment der Katastrophe. 11. März 2011: Der Tsunami hat soeben das Kraftwerk Fukushima geflutet - mit verheerenden Folgen (Foto: AP)

11. März 2011: Der Tsunami hat soeben das Kraftwerk Fukushima geflutet - mit verheerenden Folgen (Foto: AP)

Der Moment, in dem die Katastrophe ihren Lauf nimmt: Eine Luftaufnahme vom 11. März zeigt das Kraftwerk Fukushima 1, kurz nachdem der Tsunami es überrollt hat. Nicht nur mit den Folgen des Erdbebens der Stärke 9,0 und dem Tsunami, der ganze Ortschaften auslöschte, müssen die Japaner zurecht kommen. Ein atomarer Super-GAU droht, weil das Wasser die Stromversorgung in der Atomanlage Fukushima zerstört.

Die beiden Atomkraftwerke in Fukushima werden von einer 14 Meter hohen Flutwelle getroffen. Das sei mehr als doppelt so hoch wie Experten bei der Planung der Anlagen in den 1960er Jahren erwartet hatten, wie der Fernsehsender NHK unter Berufung auf den Kraftwerksbetreiber Tepco berichtet.

Atomanlagen halten Flutwelle nicht stand

Die Anlage Fukushima 1 sei für einen Tsunami von maximal 5,70 Metern Höhe ausgelegt worden, Fukushima 2 für eine Höhe von 5,20 Metern, so Tepco. Die Gebäude mit den Reaktoren und Turbinen wurden zehn bis 13 Meter über den Meeresspiegel errichtet, berichtete NHK. Bei der Katastrophe wurden sie teilweise überschwemmt. Tepco hatte bereits offengelegt, dass die Kraftwerke nur für ein Beben der Stärke 8,0 bis 8,3 ausgelegt worden waren.

Die Kühlsysteme fallen in mehreren Reaktoren aus, es droht eine Kernschmelze. 50 Mitarbeiter der Betreiberfirma Tepco begeben sich auf ein Himmelfahrtskommando, indem sie im verstrahlten Kraftwerk bleiben und versuchen, die Kühlung wieder in Gang zu bekommen. Immer wieder müssen sie ihre Arbeit unterbrechen und sich zurückziehen, wenn die Strahlungswerte zu hoch werden. Die Anwohner rund um das Kraftwerk werden evakuiert; eine leichte Erhöhung der Radioaktivität wird auch noch in Tokio festgestellt. Lebensmittel aus der Präfektur Fukushima dürfen nicht mehr vertrieben werden, weil sie radioaktiv belastet sind.

Auch zwei Wochen nach dem Beben ist die Lage an dem AKW angespannt. Weiterhin steigt weißer Rauch über dem havarierten Kraftwerk auf. "Nach gegenwärtiger Lage dürfen wir nicht zu optimistisch sein", sagt Regierungssprecher Yukio Edano.

Radioaktive Strahlung - ab welcher Dosis wird es gefährlich? (Grafik: dpa)Radioaktive Strahlung - ab welcher Dosis wird es gefährlich? (Grafik: dpa) Drei Arbeiter bekamen bei ihrem Einsatz eine gefährlich hohe Strahlendosis ab. Zwei der Männer mussten mit Verbrennungen an den Beinen ins Krankenhaus gebracht werden. Sie seien 170 bis 180 Millisievert ausgesetzt gewesen, hieß es. Bislang sei ihr Zustand stabil, sie zeigten keine Symptome einer Strahlenerkrankung wie Übelkeit oder Schmerzen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Tepco berichtete. Zur Beobachtung werden sie nun in eine Spezialklinik nach Chiba gebracht. Dort, südlich von Tokio gelegen, befindet sich das nationale Institut für Strahlenforschung.

Alle drei Männer hatten an Reaktor 3 gearbeitet. Sie wollten Kabel reparieren, um das Kühlsystem des Reaktors wieder zum Laufen zu bringen. Edano berichtete auf einer Pressekonferenz, die Arbeiter hätten in radioaktiv belastetem Wasser gestanden.

Die Strahlenbelastung in der Luft werde ständig gemessen, sagte Edano. Dass die Arbeiter in das belastete Wasser getreten seien, sei allerdings eine "unvorhersehbare Situation" gewesen. "Wir werden die anderen Arbeiter aufklären, dass sie nicht den gleichen Fehler machen."

17 Arbeiter verstrahlt

Insgesamt erlitten damit seit Beginn der Katastrophe 17 Arbeiter des Kraftwerks eine Strahlenbelastung von mehr als 100 Millisievert. Die Regierung hatte für Arbeiter in Kernkraftwerken den Grenzwert für die maximal erlaubte Strahlenbelastung von 100 auf 250 Millisievert pro Jahr hochgesetzt. Diese Dosis sei gerade noch verträglich, sagte Edano. Die Betreiberfirma Tepco hatte davor festgelegt, dass die Arbeiter am AKW nicht mehr als 150 Millisievert pro Einsatz abbekommen dürften. Zuvor hatte der Grenzwert für Arbeiter 100 Millisievert betragen.

Als Folgen eines Strahlenunfalls mit einer Dosis von 1000 bis 6000 Millisievert nennt das Bundesamt für Strahlenschutz unter anderem die Symptome Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Haarausfall. Bei höheren Dosen könnten etwa Schock und Blutungen auftreten.

Dampf über mehreren Reaktorblöcken

Nach dem Unglück wurden aus dem Reaktor 3 einige Arbeiter abgezogen. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete, Tepco habe Arbeiter im Erdgeschoss und Untergeschoss des Reaktors angewiesen, sich in Sicherheit zu bringen.

Aus Block 3 der Atomanlage trat am Donnerstag unterdessen kein schwarzer Rauch mehr aus. Am Vortag waren wegen des Rauchs Einsatzkräfte in Sicherheit gebracht worden. Fernsehbilder zeigten aber, wie weißer Dampf über den Blöcken 1, 2 und 4 aufstieg. Es sei das erste Mal, dass dies auch bei Block 1 beobachtet werde, berichtete der Sender NHK. In diesem Reaktor kam es am 12. März - einen Tag nach dem Erdbeben und Tsunami - zu einer Wasserstoffexplosion, bei der das Reaktorgebäude erheblich beschädigt wurde.

Unterdessen traten auch Probleme in dem ansonsten unkritischen Reaktorblock 5 auf. Das Pumpsystem des Reaktors sei defekt, so dass die Kühlung ausgefallen sei, sagte ein Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA. Die Situation sei momentan stabil, es müsse aber mit steigenden Temperaturen sowohl im Reaktor als auch im Abklingbecken für abgebrannte Kernbrennstäbe gerechnet werden. Es sei geplant, die Pumpe möglichst bald zu reparieren.

Salz aus dem Meerwasser könnte Probleme bereiten

Die Hitzeentwicklung macht nach Behördenangaben die weitere Kühlung mit Meerwasser von außen erforderlich. Erst wenn das Pumpsystem der Reaktorblöcke wieder ans Stromnetz angeschlossen ist und die Pumpen repariert sind, kann die reguläre Kühlung mit Süßwasser über die in den Reaktorkern führende Hauptkühlleitung aufgenommen werden.

Immer mehr Lebensmittel verseucht

Zur radioaktiven Verstrahlung von Lebensmitteln sagte Regierungssprecher Edano, leider breite sich diese Folge des AKW-Unglücks weiter aus. In der japanischen Hauptstadt Tokio allerdings sank die Belastung des Leitungswassers mit radioaktivem Jod am Donnerstag wieder unter den für Säuglinge festgelegten Grenzwert von 100 Becquerel pro Liter, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldete.

Zuvor hatten die Behörden in einem Wasserwerk einen Wert von 210 Becquerel im Trinkwasser von Tokio registriert und daraufhin empfohlen, Kinder unter zwölf Monaten kein Leitungswasser trinken zu lassen. In den Geschäften war kaum noch abgefülltes Wasser in Flaschen zu bekommen. Jüngste Messungen in Tokio ergaben einen Wert von 79 Becquerel. In der Stadt Kawaguchi in der Nähe von Tokio sowie in drei weiteren Präfekturen wurde allerdings eine leicht erhöhte Strahlung im Leitungswasser gemessen.

Für Erwachsene und ältere Kinder beträgt der Grenzwert in Japan 300 Becquerel pro Kilo. Regierungssprecher Yukio Edano betonte, dass die Grenzwerte sehr streng seien. In Deutschland dürfen Milch und Säuglingsnahrung mit mehr als 370 Becquerel pro Liter nicht mehr in den Handel.

Erhöhte Strahlung in weiteren Gebieten

In der weiteren Umgebung des Atomkraftwerks Fukushima wurde am Donnerstag eine leicht erhöhte Strahlung festgestellt. In der 75 Kilometer nordwestlich gelegenen Stadt Fukushima wurde ein Wert von 5,43 Mikrosievert pro Stunde gemessen, wie der Fernsehsender NHK berichtete. In Minamisoma, rund 30 Kilometer nördlich des Kraftwerks, waren es 1,42 Mikrosievert und in Iwaki, 50 Kilometer südlich, wurden 1,68 Mikrosievert registriert.

Erstmals empfahl Regierungssprecher Edano den Bewohnern in Windrichtung der Anlage auch unmittelbar außerhalb eines Radius' von 30 Kilometern, sich nicht im Freien aufzuhalten und die Fenster von Gebäuden geschlossen zu halten.

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