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Fukushima-Betreiber: Strahlung nicht millionenfach erhöht

Verwirrung um Strahlenwerte in Fukushima - Betreiber zieht Messwerte zurück

27.03.2011, 22:43 Uhr | dpa

Fukushima-Betreiber: Strahlung nicht millionenfach erhöht. Wegen der hohen Strahlung im Wasser wurden die Arbeiter in Fukushima abgezogen (Foto: dpa)

Wegen der hohen Strahlung im Wasser wurden die Arbeiter in Fukushima abgezogen (Foto: dpa)

Wie stark ist die Belastung durch radioaktive Strahlung im havarierten Atomkraftwerk im japanischen Fukushima? Die Betreiberfirma Tepco meldete zunächst millionenfach erhöhte Werte, zog die Angaben aber Stunden später wieder zurück. Zwischenzeitlich wurde die gesamte Anlage fluchtartig geräumt, die Rettungsarbeiten mussten eingestellt werden. Im Meer vor Fukushima wurde eine steigende Radioaktivität gemessen.

Das Wasser im Reaktor sei zwar radioaktiv verseucht, der zuvor gemessene Extremwert von millionenfach erhöhter Strahlung sei aber ein Fehler gewesen, erklärte Tepco am Sonntagabend. "Diese Zahl ist nicht glaubhaft", sagte der Sprecher Takashi Kuratia. "Das tut uns sehr leid."

Zuvor hatte Tepco mitgeteilt, das Wasser im Reaktor zwei sei zehn Millionen Mal höher belastet als normal. Mitarbeiter, die die Messungen vornahmen, flohen aus Reaktorblock zwei, bevor eine zweite Messung abgeschlossen war.

Tepco räumte allerdings ein, dass sich in allen vier Reaktoren kontaminiertes Wasser befindet. Wo es herstamme, sei unklar. Regierungssprecher Yukio Edano erklärte, dass das radioaktiv verseuchte Wasser mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" aus einem beschädigten Reaktorkern sickere. Die genaue Ursache sei nicht bekannt. Befürchtet wurde ein Riss oder Bruch in einer der Schutzhüllen um einen Reaktorkern.

Regierung sieht Lage teilweise stabilisiert

Gleichzeitig betonte Edano, dass sich die Lage teilweise stabilisiert habe. "Wir haben verhindert, dass sich die Situation noch weiter verschlimmert", sagte er am Sonntagabend vor Journalisten. Edano räumte auch ein, dass sich die Informationspolitik der Behörden über Atomkrise verbessern müsse. Die Regierung arbeite daran, "detaillierte Informationen rechtzeitig zu veröffentlichen und Begriffe so zu erklären, dass sie einfach zu verstehen sein", erklärte er im Fernsehen.

Minoru Ogoda von der Atomsicherheitsbehörde NISA erklärte am Sonntag, dass sich in jedem der Reaktorblöcke Hunderte Tonnen radioaktiv belastetes Wasser befinden könnten. Die Behörde hatte bereits am Samstag mitgeteilt, dass die Strahlung in den Reaktorblöcken schnell zunehme und das Abpumpen radioaktiven Wassers Priorität habe.

Radioaktives Wasser fließt ins Meer

Das Meer vor Fukushima wird unterdessen zunehmend radioaktiv mit dem Isotop Jod-131 verseucht. Am Sonntag übertraf die Strahlung den zulässigen Grenzwert bereits um das 1850-fache. Am Samstag war es noch das 1250-fache. Tepco räumte ein, dass wahrscheinlich radioaktives Wasser ins Meer geflossen sei. Experten gehen jedoch davon aus, dass sich die Konzentration der radioaktiven Substanzen im Meer schnell verdünnt, so dass derzeit keine größere Gefahr für Mensch und Umwelt bestehe.

Die radioaktiven Wasserlachen wurden bereits am Donnerstag entdeckt. Zwei Arbeiter erlitten im Block 3 Verbrennungen, nachdem sie durch kontaminiertes Wasser gegangen waren. Sie seien einer Strahlung von 2000 bis 6000 Millisievert ausgesetzt gewesen, teilte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit. Die Arbeiter sollen am Montag aus dem Krankenhaus entlassen werden. Nach amtlichen Angaben kann diese Strahlenbelastung bei Personen, die ihr mit ganzem Körper ausgesetzt sind, innerhalb kurzer Zeit zu Strahlenkrankheit und Tod führen.

Sollte tatsächlich ein Reaktorkern betroffen sein, könnte auch die Radioaktivität in der Umgebung von Fukushima deutlich ansteigen. Die wahrscheinlichste Folge wäre eine Kontamination des Grundwassers. Bisher festgestellt wurde eine höhere Strahlenbelastung als normal von Trinkwasser unter anderem im Großraum Tokio sowie Lebensmitteln wie Milch und verschiedene Gemüsesorten.

Zahl der Erdbebentoten über 10.000

Der Rückschlag im Kampf gegen eine Atomkatastrophe in Fukushima überschattete die humanitäre Tragödie, die auch zwei Wochen nach dem Erdbeben und Tsunami vom 11. März für die Menschen an der Nordostküste andauerte. Die Zahl der geborgenen Leichen stieg bis Sonntag auf 10.804, mehr als 16.244 Menschen wurden nach Angaben der Polizei vermisst. Es wird erwartet, dass die endgültige Zahl der Toten über 18.000 liegen wird.

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