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Fukushima strahlt aus: Partikel in China, Südkorea, USA und Kanada

Fukushima strahlt aus

29.03.2011, 10:25 Uhr | AFP, dapd, dpa

Fukushima strahlt aus: Partikel in China, Südkorea, USA und Kanada. Experten messen die Strahlung nahe des Unglücksmeilers Fukushima I - mittlerweile gibt es rund um den Pazifik erhöhte Werte von Jod-131. (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Experten messen die Strahlung nahe des Unglücksmeilers Fukushima I - mittlerweile gibt es rund um den Pazifik erhöhte Werte von Jod-131. (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Partikel des radioaktiven Isotops Jod-131 aus der havarierten Atomanlage in Fukushima sind jetzt auch in Südkorea, China und den USA gemessen worden. Die Strahlung sei aber in keinem der Länder gesundheitsgefährdend, erklärten die örtlichen Behörden. Die Situation in Japan bleibt dagegen unkalkulierbar. Die japanische Regierung unterdessen Gerüchte, sie erwäge eine Verstaatlichung des Kraftwerksbetreibers Tepco.

In Seoul und an anderen Orten in Südkorea sind geringe Spuren von radioaktivem Jod in der Atmosphäre gemessen worden. Das koreanische Institut für Nuklearsicherheit (KINS) in Taejon vermute, dass das radioaktive Jod-131 aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima stamme, berichtete der südkoreanische Rundfunksender KBS. Radioaktives Jod sei bisher noch nie in Südkorea in der Luft gemessen worden. Die Konzentration sei jedoch so gering, dass keine Gefahr für die Umwelt oder Gesundheit der Menschen bestehe.

Gemessenes Cäsium könnte aber aus China stammen

Jod-131 sei unter anderem an einer Messstation an der Hanyang-Universität in Seoul in den vergangenen fünf Tagen in Luftproben entdeckt worden. Insgesamt seien Luftproben an zwölf Orten im ganzen Land entnommen worden. An einer Messstelle sei auch radioaktives Cäsium festgestellt worden. Allerdings könne das auch von den Staubwinden aus China stammen.

Am Montag hatte KINS mitgeteilt, dass geringe Konzentrationen an Xenon-133, eines radioaktiven Isotops des Edelgases, im Nordosten des Landes gemessen worden seien. Die radioaktiven Stoffe, die aus dem stark beschädigten Atomkraftwerk Fukushima I entwichen seien, könnten Richtung Nordosten über die russische Halbinsel Kamtschatka geweht und über die Polarregion auch die koreanische Halbinsel erreicht haben, hieß es. Es würden zweimal täglich Luftproben an Messstationen in ganz Südkorea entnommen und auf Radioaktivität hin getestet.

In China sind radioaktive Partikel in der Atmosphäre gemessen worden. Spuren von Jod-131 seinen in den Regionen Jiangsu, Shanghai, Zhejiang, Anhui, Guangdong und Guangxi im Südosten des Landes entdeckt worden, teilte das chinesische Umweltministerium mit. Eine Gefahr für die Gesundheit bestehe jedoch nicht. Bereits am vergangenen Wochenende hatten chinesische Behörden geringe Werte des radioaktiven Jod-131 in der Provinz Heilongjiang im Nordosten des Landes gemeldet.

Spuren von Strahlung im Regen an der US-Ostküste und Ohio

Im Nordosten der USA sind Spuren von Radioaktivität im Regenwasser entdeckt worden. Nach solchen Funden in den Bundesstaaten Massachusetts und Pennsylvania wurden nach Behördenangaben auch in Ohio erhöhte Strahlungswerte in Regenwasser nachgewiesen. Forscher der Case Western Reserve University in Cleveland erklärten, sie hätten eine kleine Menge Jod-131 aus Japan im Regenwasser auf dem Dach eines Campus-Gebäudes gefunden. "Theoretisch kann Jod-131 überall herkommen, wo radioaktiver Abfall produziert wird", sagte Geologie-Professor Gerald Matisoff. "Aber wir wissen, dass es aus Japan stammt", ergänzte er.

Die US-Umweltschutzagentur EPA hatte am Wochenende mitgeteilt, über Funde von erhöhten Strahlungswerten bei Regen in Massachusetts und Pennsylvania informiert worden zu sein. Dass Strahlung aus Fukushima auch in den USA gefunden würde, sei keine Überraschung gewesen, sondern erwartet worden. Die Werte lägen aber noch "weit unter" gesundheitsbedenklichen Bereichen.

Erhöhte Werte von Jod-131 entdeckten Forscher der Simon Fraser Universität auch in Nord-Vancouver in Kanada. Die Wissenschaftler hatten Regenwasser und Algen auf Strahlung getestet. Auch hier besteht nach Aussage der Forscher keine Gefahr für die Gesundheit.

Lage in Fukushima bleibt außer Kontrolle

In Japan ist die AKW-Ruine von Fukushima weiter außer Kontrolle. Die Lage bleibe "unvorhersehbar", sagte der japanische Ministerpräsident Naoto Kan. Er wies Kritik der Opposition zurück, sein Hubschrauberflug über das Atomkraftwerk kurz nach Beginn der Krise habe möglicherweise den Katastropheneinsatz des Betreibers Tepco behindert. Derweil wurde weiter versucht, radioaktiv verseuchtes Wasser aus den Turbinengebäuden der Reaktoren 1 bis 3 abzupumpen. Erst wenn das Wasser beseitigt ist, können die Männer versuchen, die dringend nötigen Kühlsysteme wieder in Gang zu bringen. Im Boden um das Kraftwerk war zuvor hochgiftiges Plutonium entdeckt worden. Die Dosierung ist jedoch nach Angaben des Kraftwerkbetreibers Tepco für Menschen angeblich nicht gefährlich.

Das bisher nachgewiesene Plutonium stamme von Brennstäben der Anlage, die bei dem Erdbeben am 11. März schwer beschädigt wurde. Aus welchem Block genau, ist aber bislang nicht bekannt. Tepco kündigte an, weitere Bodenproben nehmen zu wollen.

Gerüchte um Verstaatlichung Tepcos

Die Nachricht vom Plutoniumleck führte an der Börse in Tokio zu Kursverlusten. Gerüchten zufolge wird in Regierungskreisen eine Verstaatlichung des Betreibers der AKW-Ruine erwogen. Das sei eine Option, sagte der Minister für die nationale Politik, Koichiro Gemba, laut der Nachrichtenagentur Kyodo. Hintergrund ist, dass auf den Betreiber der AKW-Ruine gewaltige Entschädigungszahlungen an die Opfer zukommen dürften. Inzwischen dementierte die japanische Regierung allerdings Verstaatlichungs-Pläne, wie die "Financial Times Deutschland" in ihrer Online-Ausgabe schreibt.

Weitere Nachrichten und Links

Die Regierung hatte zuvor eingeräumt, dass im Reaktor 2 in den vergangenen zwei Wochen vermutlich eine Kernschmelze eingesetzt hatte. Man glaube aber, dass der Prozess mittlerweile gestoppt sei. Was genau in dem Problem-Meiler abläuft, ist immer noch unklar.

Wegen einer hohen Strahlenbelastung im Wasser an Block 2 hatten die Helfer die Wassermenge verringert, die zur Kühlung auf den Reaktorblock gesprüht wurde. Deshalb könnte die Temperatur im Innern wieder ansteigen. Derzeit werden die Geräte überprüft, die zur Wiederherstellung der Kühlsysteme in den Reaktoren notwendig seien.

Hilfsgüter erreichen die Flüchtlinge nur schleppend

Auch mehr als zwei Wochen nach der verheerenden Katastrophe kommen Hilfsgüter aus dem Ausland nur zögerlich bei den Flüchtlingen an. Ein Mitarbeiter einer Botschaft in Tokio kritisierte in der Zeitung "Yomiuri": "Wenn wir mehr konkrete Informationen von der japanischen Regierung bekommen würden, welche Hilfen in bestimmten Gebieten benötigt werden, könnten wir effizienter helfen." Dem Bericht zufolge lagern in einigen Botschaften in Tokio Hilfsgüter aus dem Ausland, die allerdings nicht verteilt werden könnten, da Informationen von der japanischen Regierung ausblieben.

US-Experten beraten Japaner vor Ort

Der Chef der US-Atomregulierungsbehörde (NRC), Gregory Jaczko, sprach nach einem Treffen mit japanischen Regierungskollegen und Atomexperten in Tokio von einer "anhaltend ernsten Herausforderung". Die NRC und das US-Energieministerium haben Dutzende Fachleute nach Japan geschickt, um die Lage einzuschätzen und Experten vor Ort zu beraten.

Bei der Identifizierung der Toten nach dem Erdbeben und Tsunami vom 11. März setzt die Polizei unterdessen auf das Internet. Bei etwa 4000 Leichen, die in den Präfekturen Miyagi, Iwate und Fukushima gefunden wurden, sei noch unklar, um wen es sich handelt, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Polizei veröffentliche deswegen im Internet Informationen zu Kleidung und Größe der Toten, sowie zu persönlichen Dingen, die bei den Leichen gefunden wurden.

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