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Fukushima: Aus GAU wird Super-GAU

Fukushima: Aus GAU wird Super-GAU

12.04.2011, 12:09 Uhr | dpa, AFP

Fukushima: Aus GAU wird Super-GAU. Atomkatastrophe in Japan: Die erste Explosion in Fukushima am 12. März. Alles, was seitdem passierte, wird nun auch offiziell als schlimmer eingestuft als bislang (Foto: dpa)

Die erste Explosion in Fukushima am 12. März. Alles, was seitdem passierte, wird nun auch offiziell als schlimmer eingestuft als bislang (Foto: dpa)

Für die Atomkatastrophe im Atomkraftwerk Fukushima I hat Japan nun offiziell die höchste Gefahrenstufe ausgerufen: Stufe 7 - wie beim Reaktorunglück in Tschernobyl. Dabei geht es nicht etwa um eine neue Entwicklung in den havarierten Reaktorblöcken, vielmehr bewerten die Behörden die Ereignisse seit Erdbeben und Tsunami am 11. März neu - und schlimmer.

Die japanische Atomsicherheitsbehörde (NISA) erklärte am frühen Dienstagmorgen in Tokio, das Unglück werde auf der sogenannten INES-Skala (Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse) auf die höchste Stufe 7 angehoben - umgangssprachlich spricht man dann vom Super-GAU. Bislang galt noch die Stufe 5. "Wir haben die Einstufung angehoben, weil die Auswirkungen der Strahlung umfassend sind: in der Luft, im Gemüse, in Leitungs- und Meerwasser", erklärte NISA-Vertreter Minoru Oogado.

Die Menge der Radioaktivität, die bislang aus dem Atomkraftwerk Fukushima ausgetreten sei, entspreche etwa zehn Prozent der Menge, die in Tschernobyl freigesetzt wurde. Langfristig könnte das radioaktive Leck jedoch die in Tschernobyl freigesetzte Menge noch übertreffen, befürchtet der AKW-Betreiber Tepco nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo. Die NISA erklärte, die Menge der ausgetretenen radioaktiven Partikel sei ein Faktor bei der Entscheidung gewesen, die Stufe 7 auszurufen. Die Strahlung stamme überwiegend aus dem Reaktor 2, wo es am 15. März zu einer Explosion gekommen war.

INES-Skala seit Tschernobyl

Die INES-Skala unterscheidet bei atomaren Unfällen sieben Stufen. Stufe 7 steht dabei für einen "katastrophalen Unfall" wie im Jahre 1986 in Tschernobyl, wenn ganz offensichtlich Radioaktivität in erheblichem Maße austritt. Atomare Zwischenfälle oder meldepflichtige Ereignisse in Kernkraftwerken müssen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien gemeldet werden.

Die international gültige Skala wurde nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 eingeführt, um die Öffentlichkeit einheitlich über die Schwere eines Atomunfalls zu informieren zu können. Auf dieser siebenstufigen INES-Skala (Englisch: "International Nuclear and Radiological Event Scale") hatte bisher nur der Tschernobyl-Unfall vor fast genau 25 Jahren die höchste Einstufung 7 bekommen.

Nachbeben und kleines Feuer

Unterdessen wurde Japan am Dienstagmorgen erneut von zwei starken Nachbeben erschüttert, die über der Stärke 6 lagen. Die Erdstöße brachten sogar Häuser in Tokio ins Wanken; mehrere U-Bahnen mussten vorübergehend anhalten. Die Arbeiter im Atomkraftwerk Fukushima wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Die Pumpen zur Kühlung der Reaktorblöcke wurden aber nach Angaben des Betreibers Tepco nicht unterbrochen - wie es bei dem stärkeren Nachbeben am Montag geschehen war. Inzwischen versuchen die Arbeiter in Fukushima weiter, die Atomruine unter Kontrolle zu bringen. Seit dem Hauptbeben vor einem Monat - es hatte die Stärke 9,0 gehabt - gab es inzwischen Hunderte von Nachbeben.

Auf dem Gelände des AKW Fukushima brach am Dienstag vorübergehend ein Feuer aus. Betreiber Tepco erklärte aber, das Feuer in der Nähe von Reaktor 4 sei klein gewesen und rasch gelöscht worden. Es habe keine Auswirkungen auf die Arbeiten zur Kühlung der Reaktoren gehabt. Der Brand hatte sich laut Tepco in einem Behälter für Batterien ereignet, der in einem Gebäude nahe dem Reaktor aufbewahrt wurde. Das Feuer sei am Morgen gegen 6.38 Uhr entdeckt und innerhalb von sieben Minuten gelöscht worden. Es war nicht klar, ob der Brand im Zusammenhang mit einem Erdbeben der Stärke 6,3 stand, das kurz zuvor die Region erschüttert hatte.

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