Sie sind hier: Home > Politik >

Frankreich: Milch und Regenwasser radioaktiv belastet

Milch und Regenwasser in Frankreich radioaktiv belastet

13.04.2011, 16:49 Uhr | t-online.de , AFP , dpa

Frankreich: Milch und Regenwasser radioaktiv belastet. Leicht verstrahlt: Milchkühe in Frankreich (Foto: Imago) (Quelle: imago images)

Leicht verstrahlt: Milchkühe in Frankreich (Foto: Imago) (Quelle: imago images)

Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima sind nun auch Lebensmittel in Europa, den USA und Kanada leicht verstrahlt. So meldet das unabhängige französische Forschungsinstitut zur Messung von Radioaktivität "CRIIRAD" erste Spuren von radioaktivem Jod-131 in Proben von Regenwasser und Milch im Südosten Frankreichs.

Die Proben wurden in den Départements Drôme und Ardèche am 27. und 28. März genommen. Sie zeigten eine leichte Strahlung von 8,5 Becquerel an. Zum Vergleich: Die EU hat wie Japan 500 Becquerel pro Kilo als Grenzwert für Lebensmittel angegeben, die mit radioaktivem Jod-131 oder Cäsium-134 verunreinigt sein könnten.

Auch Gemüse und Salat könnte Strahlung aufweisen

Auch Freilandgemüse und Salat könne in der nächsten Zeit eine zwar schwache, aber messbare und ansteigende Strahlung anzeigen, heißt es. Auch Treibhausware, die mit Regenwasser gegossen wird, könnte betroffen sein. CRIIRAD will die Strahlenbelastung in den nächsten Wochen in Frankreich weiter überwachen.

Noch seien die Strahlenmengen extrem niedrig. "CRIIRAD" warnt aber, dass die Belastung von Luft und Wasser in den nächsten Wochen auf mehre hundert oder auf tausend Becquerel pro Quadratmeter ansteigen könnte - je nach den Wetterbedingungen. Es gebe aber keinen Grund zur Panik, betonte "CRIIRAD" laut der "taz". Niemand müsse Jodtabletten einnehmen.

Zeitgleich hatte das staatliche Institut zum Schutz vor Radioaktivität und Nuklearsicherheit (IRSN) Jod-131 in französischer Milch nachgewiesen. Die Belastung betrug in einer Probe vom 25. März weniger als 0.11 Becquerel pro Liter. Nach einem Bericht der "taz" liegen der EU-Kommission jedoch keine entsprechenden Informationen vor.

Bisher nur sehr schwache Belastung

Bereits drei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Japan und der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima hatten sich französischen Behörden um eine mögliche Verstrahlung des Trinkwassers gesorgt. Wasserproben aus Seen und Speicherbecken sollten zeigen, ob sich die gefährlichen radioaktiven Stoffe Cäsium 137 und Jod 131 auf stehenden Gewässern abgesetzt hätten, erklärten die französische Gesundheitsbehörde DGS.

Das französische Institut für Strahlenschutz (IRSN) hatte mehrfach betont, dass die in der Luft gemessene Konzentration radioaktiver Elemente aus Fukushima in Frankreich bislang "sehr schwach" sei und keinerlei Gefahr für die Gesundheit darstelle. Cäsium 137 und Jod 131 sind sogenannte Beta- und Gammastrahler, die für den Menschen schädliche Strahlung abgeben, wenn sie in den Körper gelangen oder auf der Haut kleben bleiben. Der Kontakt mit Cäsium 137 und Jod 131 kann zu Krebserkrankungen führen.

Weitere Nachrichten und Links

Röntgenbelastung beim Zahnarzt ist höher

Auch in Deutschland, Kanada und den USA wurden bereits Ende März, Anfang April radioaktive Teilchen entdeckt. Eine Gesundheitsgefahr besteht dort nach Expertenangaben aber nicht. So wurden im Wasser der kanadischen Stadt Vancouver radioaktive Spuren aus dem japanischen AKW Fukushima entdeckt. Allerdings sind die Werte "verschwindend gering", hieß es aus dem kanadischen Gesundheitsministerium. "Der Anteil von radioaktivem Jod-131 im Regenwasser stieg sieben Tage nach dem Reaktorunglück in Fukushima an, ist seitdem aber wieder deutlich gesunken'", sagte auch der Atomforscher Kris Starosta von der Simon-Fraser-Universität in Vancouver. Ebenso betroffen war das Trinkwasser.

Der deutsche Atomphysiker Prof. Jens Dilling vom kanadischen Nationallabor für Teilchen- und Atomphysik in Vancouver sagte zu den kanadischen Werten: "Die Radioaktivität aus Japan hat zu keiner Zeit ein gesundheitliches Risiko bedeutet. Ein Besuch beim Zahnarzt mit ein paar Röntgenaufnahmen bringt eine höhere Strahlenbelastung mit sich."

Milch in Kalifornien auffällig

Leicht erhöhte Strahlungswerte in der Milch aus Kalifornien und dem nördlich angrenzenden US-Staat Washington hatten auch British Columbia Anfang des Monats vorübergehend besorgt. Die kanadische Behörde für Nahrungsmittelkontrollen (CFIA) in Ottawa stellte seitdem fest: "Die derzeit gemessenen Strahlenwerte stellen keine Gefahr für Pflanzen, Lebensmittel oder die Bevölkerung dar. Sollte sich die Lage ändern, werden wir entsprechend vorgehen."

Keine Gesundheitsgefahr in Deutschland

Auch in Deutschland war bereits radioaktives Jod aus Fukushima gemessen worden. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) registrierte die Station Schauinsland bei Freiburg am 26. März einen Wert von 530 Mikrobecquerel je Kubikmeter Luft. Der Wert war bereits einen Tag später auf 300 gesunken, und lag am 12. April nur noch bei und 100 Mikrobecquerel. Die Werte liegen nach Angaben des BfS noch immer ein Vielfaches unter der natürlichen gemessenen Strahlenbelastung. "Das ist viel weniger als die natürliche Radioaktivität, die in Deutschland herrscht", sagte Anja Schulte-Lutz vom BfS gegenüber t-online.de "Eine Gefahr für die Gesundheit muss bei uns niemand befürchten."

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOUniceftchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal