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Libyen-Krieg: Gaddafi-Truppen setzen Streubomben ein

Tödlicher "Regen" geht auf belagerte Stadt nieder

17.04.2011, 09:20 Uhr | AFP

Libyen-Krieg: Gaddafi-Truppen setzen Streubomben ein. Mitten in der Kampfzone von Misrata: Eine Rebellenpatrouille bewacht eine Straßenkreuzung an der umkämpften Tripolis-Straße. (Foto: AFP)

Mitten in der Kampfzone von Misrata: Eine Rebellenpatrouille bewacht eine Straßenkreuzung an der umkämpften Tripolis-Straße. (Foto: AFP)

Die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi haben in der heftig umkämpften Stadt Misrata international geächtete Streubomben eingesetzt. "In der vergangenen Nacht war das wie Regen", beschrieb ein Aufständischer am Freitag die Folgen von Explosionen über der Stadt. Um fehlende NATO-Munition kreist eine andere Diskussion: Briten und Franzosen gehen zum Beispiel die Präzisionsbomben aus.

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Die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) bestätigte den Einsatz der Streubomben, während die libysche Führung dies bestritt.

Herkunftsland: Spanien

Das Gebiet, in dem die Streubomben HRW zufolge einschlugen, liegt rund einen Kilometer von der Frontlinie entfernt, an der sich Gaddafi-Truppen und die Aufständischen bekämpfen. Ableger der Bomben seien offenbar rund 300 Meter von einem Krankenhaus entfernt eingeschlagen, hieß es.

Mitarbeiter seiner Organisation hätten vor Ort mindestens drei Streubomben gefunden, erklärte HRW-Experte Steve Goose. Es sei "abstoßend", dass solche Bomben auch in Wohngebieten eingesetzt würden. Ein Reporterteam der US-Tageszeitung "New York Times" hatte zuerst über die Bomben berichtet, die am Himmel explodierten und weitere kleine Sprengsätze über der Stadt verteilten.

Das Team machte auch Fotos davon. Die Bomben sollen demnach im Jahr 2007 in Spanien produziert worden sein, ein Jahr bevor Madrid die Streubomben-Konvention unterzeichnete. Die Konvention trat 2010 in Kraft.

Regime streitet alles ab

"Wir tun das nie", wies Regierungssprecher Mussa Ibrahim in der Hauptstadt Tripolis die Vorwürfe zum Einsatz von Streubomben zurück. Die Berichte seien "surreal". Human Rights Watch und die Aufständischen müssten Beweise dafür vorlegen.

Nach Angaben von Ärzten in der ostlibyschen Stadt Bengasi wurden in Misrata am Freitag acht Aufständische getötet. Im Tagesverlauf wurden die Schusswechsel und Kämpfe in der Stadt zusehends heftiger und verlagerten sich in Richtung des Stadtzentrums. Den ganzen Tag über waren zudem aus verschiedenen Stadtteilen starke Explosionen zu hören. Die Rebellen richteten rund um ein verlassenes Wohnviertel, in dem sie Anhänger Gaddafis vermuteten, Straßensperren ein.

Der NATO gehen die Präzisionsbomben aus

Nach Angaben der Aufständischen hielten sich die Gaddafi-treuen Soldaten vor allem in einem Gebiet unweit einer Hauptstraße auf, von wo sie Granaten, Mörser und auch die Streubomben abfeuerten. Die NATO müsse diese Gegend beschießen, weil sich dort keine Zivilisten befänden, forderte ein Rebell.

In den Gängen der zentralen Markthalle von Misrata türmte sich Geröll, im Dach klafften Löcher von Granateneinschlägen. In dem Gebäude patrouillierten junge Rebellen mit Kalaschnikows über den Schultern durch die Hallen, um regierungstreue Kämpfer aufzuspüren. Auch Sirte, die Heimatstadt Gaddafis, wurde am Freitag laut der amtlichen libyschen Nachrichtenagentur Jana beschossen.

Panzer dringen in Wohnviertel vor

Der arabische Sender "Al-Dschasira" strahlte in der Nacht zum Samstag Bilder aus, auf denen Panzer der Gaddafi-Streitkräfte zu sehen waren, wie sie in Wohngebiete der Stadt vorrückten. Dies macht es auch den Nato-Flugzeugen nahezu unmöglich, diese Panzer zu bombardieren. Die Schäden in dem dicht bebauten Gebiet könnten enorm sein, viele Menschen könnten getroffen werden.

Unterdessen berichtete die "Washington Post", dass der NATO die Munition ausgehe. Dem Militärbündnis fehlten allmählich Präzisionsbomben und andere Munition, schrieb das Blatt unter Berufung auf NATO- und US-Vertreter. Dies und die begrenzte Zahl von Flugzeugen lasse in Washington die Zweifel wachsen, ob sich die USA weiter zurückhalten könnten. Die USA hatten in der vergangenen Woche das Kommando über den Einsatz der NATO übergeben und 50 Flugzeuge abgezogen.

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