Sie sind hier: Home > Politik > Specials > Tod von Osama bin Laden >

Warnung vor anti-amerikanischer Gewalt nach Bin Ladens Tod

Warnung vor anti-amerikanischer Gewalt nach Bin Ladens Tod

02.05.2011, 09:34 Uhr | dapd, AFP, dpa

Warnung vor anti-amerikanischer Gewalt nach Bin Ladens Tod. Nach dem Tod von Osama bin Laden befürchten die USA Anti-Amerika-Proteste und Gewalt (Archivfoto: dpa)

Nach dem Tod von Osama bin Laden befürchten die USA Anti-Amerika-Proteste und Gewalt (Archivfoto: dpa)

Nach dem Tod von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden haben die USA ihre Bürger in aller Welt vor anti-amerikanischer Gewalt gewarnt. Das Außenministerium in Washington richtete sich in seiner Erklärung an "US-Bürger in Gegenden, in denen die jüngsten Ereignisse anti-amerikanische Gewalt auslösen könnten". Auch in Deutschland gibt es ähnliche Warnungen.

Das US-Ministerium riet dringend dazu, Aufenthalte außerhalb von Häusern und Hotels auf das Nötigste zu beschränken sowie sich von Menschenansammlungen und Demonstrationen fern zu halten. Die Warnung werde zunächst bis zum 1. August gelten, hieß es.

Symbolfigur des Terrornetzwerks

Bin Ladens Tod könne Gegenreaktionen nach sich ziehen, sagte Außenminister Guido Westerwelle. Die Bundesrepublik müsse sich der Gefahr stellen und als "wehrhafte Demokratie" den "Terrorismus bekämpfen". Es gehe dabei um "den Schutz unserer Freiheit und Lebensweise". Bin Ladens Tod sei eine "sehr gute Nachricht", sagte Westerwelle. "Heute ist ein guter Tag."

Der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, Martin Schulz (SPD), sagte im Deutschlandfunk, Bin Ladens Tötung werde "in Terrorkreisen als Provokation empfunden". Es sei nun damit zu rechnen, dass Bin Ladens Anhänger "versuchen werden zurückzuschlagen". Das Terrornetzwerk Al-Kaida könne wegen seiner dezentralen Struktur auch ohne Bin Laden funktionieren: "Die Rolle von Bin Laden war die einer Symbolfigur, und die Symbolfigur ist jetzt getötet."

"Nicht das Ende des internationalen Terrorismus"

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz und ehemalige deutsche Botschafter in Washington, Wolfgang Ischinger, rechnet nach dem Tod des Terrorführers mit terroristischen Vergeltungsschlägen gegen die USA und Pakistan. Der Tod von Osama bin Laden bedeute in keinem Fall, dass man jetzt aufatmen und davon ausgehen könne, dass der Spuk vorbei sei, sagte er im Deutschlandradio Kultur.

Er rechne vielmehr damit, dass Al-Kaida versuchen werde, sich an den Amerikanern und der pakistanischen Regierung zu rächen. Dies werde aber "eher nicht" in Deutschland geschehen, sondern anderorts auf der Welt, "dort, wo vielleicht amerikanische Streitkräfte verwundbar sein könnten". "Das ist nicht das Ende des internationalen Terrorismus", betonte Ischinger. Ob Al-Kaida tatsächlich durch den Verlust geschwächt werde, müsse man erst sehen.

"Terrornetzwerk funktioniert dezentral"

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte die Menschen in Deutschland jedoch zu "höchster Wachsamkeit" auf. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass die verschiedenen Terrornetzwerke den Tod Bin Ladens rächen wollen", erklärte der GdP-Vorsitzende Bernhard Witthaut. "Aus diesem Grund brauchen die deutschen Sicherheitsbehörden jede politische und gesetzliche Unterstützung, um ihre Arbeit für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger leisten zu können", sagte Witthaut und forderte zugleich eine Verlängerung der Anti-Terror-Gesetze.

Weitere Nachrichten und Links

"Der Tod Osama bin Ladens wird die Terrorgefahr für Deutschland nicht entschärfen. Das zeigen die Hintergründe der jüngsten Festnahmen des Bundeskriminalamtes", sagte der GdP-Vorsitzende weiter. "Das ursprünglich von Bin Laden begründete Terrornetz funktioniert seit langem dezentral. Aktionsfähige Gruppen gibt es in vielen Ländern, wie der jüngste Bombenanschlag in Marrakesch und die Festnahmen in Düsseldorf und Bochum beweisen."

Bewachung amerikanischer Einrichtungen wird verstärkt

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sieht gar eine erhöhte Gefahr von Terroranschlägen in Deutschland. "Die kurzfristige Gefahr von Racheakten ist gestiegen", sagte Herrmann. Dies gelte besonders für Einrichtungen der USA in Deutschland. Hier würden die Bewachung und der Schutz durch die deutschen Sicherheitsbehörden wohl verstärkt werden. "Man kann jetzt schon sagen, dass man aufmerksamer sein muss", sagte Herrmann. Insgesamt handele es sich bei der Tötung Bin Ladens um eine gute Nachricht für den Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

Linke-Parteichef Klaus Ernst warnt davor, in der Wachsamkeit gegenüber terroristischen Gefahren nachzulassen. "Dadurch ist nicht die Gefahr gebannt", sagte Ernst im ZDF-"Morgenmagazin". Er nannte die Tötung aber einen "moralischen Sieg".

Auch Frankreichs Außenminister Alain Juppé sagte, dass die Gefahr von Anschlägen bestehen bleibe. "Der Kampf ist sicher noch nicht vorbei gegen die größte aller Feigheiten, den Angriff auf Unschuldige", so Juppé im Hörfunk. Den Tod Bin Ladens bezeichnete er als "Sieg aller Demokratien, die gegen diese schreckliche Geißel des Terrorismus kämpfen".

Erfolg nach jahrelanger Fahndung

US-Präsident Barack Obama hatte am Sonntagabend in einer Ansprache verkündet, dass die USA den Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida in einer Kommandoaktion in Pakistan getötet hätten. Bin Laden wird von den USA für die Terroranschläge vom 11. September 2001 verantwortlich gemacht, bei denen fast 3000 Menschen starben. Nach dem Al-Kaida-Chef war über ein Jahrzehnt lang weltweit gefahndet worden.

Ischinger begrüßte die Ansprache von US-Präsident Barack Obama. Es sei außerordentlich wichtig, dass Obama gesagt habe, die USA kämpften gegen den Terrorismus und nicht gegen den Islam. Die Volksseele könne auch in den USA leicht zum Kochen gebracht werden, und Gedanken an Rache und Vernichtung seien dann nicht weit entfernt. Es sei wichtig für Rolle, Ansehen und Identität des Westens, dass "wir eben nicht einen Krieg mit dem Ziel der Vernichtung führen, dass es nicht um Rache geht", sagte Ischinger.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Madeleinetchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deMadeleine

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: