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CIA spionierte Bin Laden über Monate aus

Der Terrorfürst und seine Nachbarn vom CIA

06.05.2011, 15:21 Uhr | dpa, t-online.de

CIA spionierte Bin Laden über Monate aus. Das Anwesen im pakistanischen Abbottabad, in dem Osama bin Laden unter Beobachtung der CIA stand (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Das Anwesen im pakistanischen Abbottabad, in dem Osama bin Laden unter Beobachtung der CIA stand (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Inzwischen kommen immer mehr Details ans Licht, wie minutiös der US-Geheimdienst die Erstürmung des Bin-Laden-Anwesens geplant hatte. Nach Medienberichten überwachte die CIA das Haus und seine Bewohner schon seit Monaten - aus der Luft, über Handynetze und aus einem benachbarten Haus. Sie erspähten auch einen großen Mann, den sie "the pacer" nannten. War das der meistgesuchte Mann der Welt? Bis zuletzt hatten die Beamten Zweifel.

Faradsch al Libi, Al-Kaidas Nummer drei, hatte bereits im Jahr 2005 den entscheidenden Hinweis gegeben. Er war in Peshawar gefangen genommen worden und sprach in US-Verhören von einem Boten, der direkt von Bin Laden kam. Sein Name: Abu Ahmed, genannt der Kuwaiter. Er führte den Geheimdienst ohne sein Wissen nach Abbottabad, 50 Kilometer nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Abu Ahmed wohnte dort im Gästetrakt eines großen Anwesens: Vor sechs Jahren gebaut, drei Stockwerke hoch, 3000 Quadratmeter groß und von hohen Mauern umgeben.

Heikelste Mission der letzten Jahre

Daraufhin mietet die CIA nach US-Medienberichten ein Haus, von dem aus sie das verdächtige Anwesen gut beobachten kann. In seiner konspirativen Unterkunft muss das kleine Team von Agenten die schwierigste Geheimdienstmission der letzten Jahre durchführen. Sie können nicht nur von Bin Laden und seinen Männern auf dem Anwesen entdeckt, sondern auch vom pakistanischen Geheimdienst enttarnt werden. Die Pakistanis dürfen nichts von der Mission wissen - die USA befürchteten, dass zumindest einige von ihnen mit dem Terroristen gemeinsame Sache machen.

Die Beamten beobachten das Anwesen Tag und Nacht, machen Fotos mit ihren großen Teleobjektiven. Sie richten auch Abhörgeräte auf das Haus und versuchen, Sätze aus dem Inneren des Anwesens aufzufangen. Schließlich sprechen sie sogar pakistanische Nachbarn an, um an noch mehr Informationen zu kommen. Dann bemerken sie den rätselhaften Mann, "the pacer" (der Schreitende), der immer wieder über den Innenhof geht.

Überwachung verschlingt mehrere zehn Millionen Dollar

Nach einiger Zeit glauben sie zu wissen, dass der Mann im zweiten und dritten Stock mit seiner Familie wohnt, berichtet die "New York Times"; die Zimmer dort besitzen undurchsichtige Scheiben. Die Ermittler halten jede Bewegung fest, machen sich ein genaues Bild der Bewohner und lernen deren Tagesablauf kennen. Währenddessen hören Experten die Handy-Gespräche ab, die aus dem Haus geführt wurden. Per Satellit suchen die US-Amerikaner das Gelände nach geheimen Fluchttunneln ab. Die Operation wurde so teuer, dass die CIA sich die Umverteilung von mehreren zehn Millionen Dollar vom Kongress genehmigen lassen musste.

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Für Außenstehende tut sich auf dem Anwesen nichts Auffälliges. Ein pakistanischer Geheimdienstoffizier, der nur wenige hundert Meter entfernt lebt, ist verwundert: "Osama bin Laden und seine Leute haben ihre Anwesenheit hier sehr gut verschleiert.“ Er habe das Grundstück regelmäßig beobachtet. "Doch mir ist dort nichts Verdächtiges aufgefallen.“ Wie dem Offizier geht es den meisten Anwohnern des Viertels Bilal Town, in dem viele ranghohe Angehörige des Sicherheitsapparates leben. Die Kinder des Hauses spielen zwar draußen, werden aber etwas abseits gehalten. Ihr Schulunterricht findet auf dem Anwesen statt.

"Holt er eine Waffe?"

Im Februar 2010 sind sich die Ermittler sicher: In dem Komplex in Abbottabad verbirgt sich ein hochrangiges Al-Kaida-Mitglied, aber ist es auch Bin Laden? Das finden erst die Navy Seals heraus, die in der Nacht zum Montag das Gebäude stürmen. Nach Informationen der "Washington Post" begegnet ihnen der Top-Terrorist in der Tür zu seinem Zimmer im dritten Stock. Er dreht sich um und geht in den Raum zurück. "Du weißt nicht, warum er zurück geht, was er tut, wenn er drin ist. Holt er eine Waffe?", zitiert das Blatt einen Regierungsbeamten. Ein Mitglied der Spezialeinheit schießt Bin Laden daraufhin erst in die Brust, dann in den Kopf.

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