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AKW Fukushima offenbar schon durch das Erdbeben beschädigt

AKW Fukushima offenbar schon durch das Erdbeben beschädigt

17.05.2011, 15:22 Uhr | t-online.de, dpa, dapd

AKW Fukushima offenbar schon durch das Erdbeben beschädigt. Schon die Erdstöße vom 11. März sollen den Reaktor 1 in Fukushima beschädigt haben (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Schon die Erdstöße vom 11. März sollen den Reaktor 1 in Fukushima beschädigt haben (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat die Kernschmelze im Reaktor 1 offenbar bereits wenige Stunden nach dem Erdbeben am 11. März begonnen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf einen Bericht des AKW-Betreibers Tokyo Electric Power Company (Tepco). Der Reaktor wäre damit von Beginn an außer Kontrolle gewesen.

Bereits das Erdbeben und nicht erst der Tsunami habe den Reaktor 1 beschädigt, schreibt das Blatt unter Berufung auf Tepco-Angaben. Die Atomanlage hätte den Erschütterungen nicht standgehalten und der Reaktorblock 1 sei leckgeschlagen. Dadurch sei Kühlwasser abgeflossen und schon nach fünf Stunden habe die Kernschmelze begonnen.

Bisher hieß es, die Reaktoren seien bei dem Erdbeben nicht beschädigt worden. Erst der Tsunami hätte die Stromversorgung für die Kühlung außer Kraft gesetzt. Dadurch sei die Notstromversorgung angesprungen. Erst als sich deren Batterien leerten, entstanden sukzessive die Probleme, weil die Brennelemente dann nicht mehr gekühlt wurden.

Sollte sich dieses Szenario bewahrheiten, wäre es ein harter Schlag für die internationale Nuklearindustrie: Diese hatte nach dem Unglück immer wieder betont, das Unglück sei ausschließlich vom Tsunami verursacht worden. Da weltweit nur die wenigsten Atomkraftwerke in Tsunami-Gegenden liegen, sei die Kernenergie durch die Ereignisse in Fukushima nicht gefährdet.

Druck im Reaktorblock stark gefallen

Auch die japanische Nachrichtenagentur Kyodo zitierte eine nicht genannte Tepco-Quelle, wonach bereits in der Nacht nach dem Erdbeben die Dosimeter Alarm geschlagen hätten. Techniker hätten vermutet, dass das Gebäude mit radioaktivem Dampf gefüllt ist. Ausgehend von den Daten hätten Experten später bestätigt, dass vermutlich große Mengen radioaktiven Materials in den Reaktor ausgetreten seien.

Bereits Ende März hatte der Ingenieur Mitsuhiko Tanaka auf einer Pressekonferenz den Verdacht geäußert, in Block 1 habe es gleich nach dem Erdbeben einen sogenannten Kühlwasserverlust gegeben. Messungen zwölf Stunden nach dem Erdbeben hätten gezeigt, dass im Reaktordruckbehälter, in dem sich der Kernbrennstoff befindet, der Druck von den üblichen 7 Megapascal auf nur noch 0,8 Megapascal gesunken sei. Gleichzeitig, erklärt Tanaka, "sank der Kühlwasserpegel dort rapide". Im Sicherheitsbehälter dagegen, der den Druckbehälter umgibt, sei parallel der Druck angestiegen, von 0,1 auf 0,8 Megapascal.

Es sei aufgrund dieser Daten "nahezu unbestreitbar", dass es einen Kühlwasserverlust gegeben habe, so Tanaka. Vermutlich habe es einen Rohrbruch am Reaktordruckbehälter gegeben, der nur durch das Erdbeben entstanden sein könne. Viele Experten hätten dass wissen müssen oder wissen können, sagt Tanaka: "Aber sie haben geschwiegen".

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Wasser einfach durch die Schutzhülle gesickert?

Nach dem Bericht der "Süddeutschen" könnte eine frühe Kernschmelze auch erklären, warum Reaktor 1 nicht heißer geworden sei, obwohl er nur wenig Wasser enthalte. Das nukleare Brennmaterial liegt vermutlich zu Klumpen geschmolzen auf dem Reaktorboden und wird dort von dem verbliebenen Wasserrest gekühlt.

Ein Leck im Reaktor erkläre auch das Verschwinden von bis zu 11.000 Tonnen Kühlwasser, die Tepco in den Reaktor und die Druckkammer gepumpt hat. 3000 Tonnen seien im Keller unter dem Reaktor entdeckt worden - vermutlich hochradioaktiv. Da Reaktor 1 mit Reaktor 2 verbunden sei, dürften weiter einige tausend Tonnen Wasser in den Keller des benachbarten Blocks geflossen sein. "Etwas von diesem Wasser dürfte auch ins Grundwasser gesickert sein", zitiert die "Süddeutsche" einen Experten der japanischen Agentur für Nuklearsicherheit.

Angesichts dieser neuen Lage könne Tepco voraussichtlich nicht, wie geplant, die Druckkammer von Reaktor 1 zur Kühlung fluten. Das Risiko, dass noch mehr radioaktives Wasser ins Grundwasser oder ins Meer austrete, sei zu groß, schreibt die "Süddeutsche" unter Berufung auf Goshi Hosono, den Beauftragten des Premiers für das Nuklear-Desaster. Stattdessen müsse ein neuer Kühlkreislauf gebaut werden. Das werde die Stabilisierung des Reaktors verzögern.

Unklarheit über radioaktive Brühe

Tepco versicherte jedoch bereits, man halte an dem Zeitplan vom 17. April fest. Demnach soll das AKW in sechs bis neun Monaten unter Kontrolle sein. Am Dienstag werde aber ein aktualisierter Krisenplan vorgelegt. Der "Süddeutschen" zufolge sei Tepco in seinem Vorgehen nicht mehr sicher: Da man sich bei Reaktor 1 getäuscht habe, sei es denkbar, dass auch die vermuteten Wasserstände in den Reaktoren 2 und 3 nicht stimmten und dass auch diese Kerne geschmolzen seien - zumal die Temperatur in Reaktor 3 seit Anfang Mai stetig gestiegen sei.

Japanische Nachrichtenagenturen berichteten am Dienstag, der Betreiber wolle demnächst damit beginnen, radioaktives Wasser aus dem Turbinengebäude von Reaktor 3 abzupumpen. Es wird geschätzt, dass sich im Turbinengebäude des Meilers rund 22.000 Tonnen verseuchte Brühe angesammelt haben.

In Meiler 2 seien bereits von anfangs rund 25 000 Tonnen etwa 5550 abtransportiert worden, hieß es unter Berufung auf den Betreiber Tepco. Insgesamt sollen 10 000 Tonnen in die Entsorgungsanlage gepumpt werden.

Inzwischen ist ein riesiges Tankfloß unterwegs nach Fukushima. Es kann bis zu 10 Millionen Liter radioaktiv verseuchten Wassers aufnehmen. Das Floß wurde in einer Werft in Yokohama für den Einsatz an der Atomruine umgebaut. Das stählerne Tankfloß trifft voraussichtlich in ein bis zwei Wochen in Fukushima ein. Es ist 136 Meter lang und 46 Meter breit. Bisher diente es im Hafen der Stadt Shimizu in der Provinz Shizuoka als schwimmende Insel für Angler. Arbeiter installieren zurzeit auch zusätzlich Behelfstanks für schwach verstrahltes Wasser. Bis Ende des Monats sollen auf diese Weise zusätzlich Kapazitäten von 28 000 Tonnen entstehen.

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