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Afrikas Eliten scheitern: Gier und Eigennutz haben Tradition

Das Scheitern der Eliten Afrikas

15.08.2011, 10:29 Uhr | Von Laszlo Trankovits, dpa, dpa

Afrikas Eliten scheitern: Gier und Eigennutz haben Tradition. Afrika: Schiere Not und überwältigender Reichtum bilden einen extremen Gegensatz (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Schiere Not und überwältigender Reichtum bilden einen extremen Gegensatz in Afrika (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Profi-Fußballer oder Politiker sind die Traumberufe der meisten Jugendlichen in Südafrika. Sie wissen, dass der schnelle Weg zum Reichtum nicht nur auf dem grünen Rasen, sondern auch in Amtsstuben möglich ist. Das ist selbst im demokratischen Schwellenland Südafrika nicht anders als im übrigen Afrika. Ein politisches Amt bedeutet Macht und staatliche Geldtöpfe - und eröffnet Optionen für Vetternwirtschaft und Korruption. Kaum etwas erklärt mehr die bittere Armut der Menschen in dem an Rohstoffen so reichen Kontinent.

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Die Zeiten der verrückten und oft blutrünstigen Staatschefs mit pompösem Lebensstil wie Kaiser Bokassa I. (Zentralafrikanische Republik), Idi Amin (Uganda) oder Sese Seko Mobutu (Zaire, jetzt Kongo) gehören zwar der Geschichte an. Heute gibt es nur noch wenige schillernde Potentaten wie Simbabwes Präsidenten Robert Mugabe, der in einem protzigen Palast voller Säulen, Gold und Plüsch residiert, sein Land ruiniert und seine Bürger brutal unterdrückt.

Gier und Eigennutz haben Tradition

Auch wenn die meisten Staatschefs ziviler geworden sind: An Gier und Eigennutz der Eliten Afrikas scheint sich auch Jahrzehnte nach der Befreiung aus kolonialistischem Joch nicht viel geändert zu haben. Dabei geht es weniger darum, dass sich der König des armen Swasilandes, Mswati III., ein deutsches Luxusauto für 374.000 Euro bestellt. Oder der Präsident Kameruns, Paul Biya, mit seiner Familie für den Frankreich-Urlaub locker 800.000 Euro ausgibt. Wirklich erschreckend ist, dass es "eine unglaubliche Armut und Not gibt, während gleichzeitig das Vermögen der Oberschicht oft märchenhafte Dimensionen annimmt", so der deutsche Ex-Diplomat Volker Seitz.

"Afrika hat zwischen 1970 und 2008 einen illegalen Kapitalexport in Höhe von 854 Milliarden Dollar verschmerzen müssen, konservativ geschätzt", schreibt das Politikinstitut Global Financial Integrity (GFI) in Washington. "Diese Summe übertrifft bei weitem alles was Afrika an Entwicklungshilfe bekommen hat", so GFI-Direktor Raymond Baker. Solange sich an der Kapitalflucht nichts ändere, habe Afrika keine wirkliche Chance zur Entwicklung.

Eliten zweigen Geld für sich ab

Statt dass die wenigen Reichen in Afrika in die eigene Wirtschaft investieren, kaufen sie lieber Aktien in Frankfurt, Häuser in Paris oder Bankanteile in New York. Das Geld gelangt auf meist illegalen Wegen aus dem Land. Aber auch öffentliche Gelder werden von Regierungen gerne verschwendet: Uganda hat für 740 Millionen Dollar sechs russische Jagdbomber gekauft - während die Region mit einer Hungersnot fertig werden muss.

Zwei Länder schwimmen dank ihres Ölreichtums in besonders viel Geld: Nigeria und Angola. Allein 2009 wurden laut GFI aus Angola sechs Milliarden Dollar und aus Nigeria 27,5 Milliarden Dollar außer Landes gebracht. Seit 1958 habe Nigeria ungefähr 300 Milliarden Dollar an Öleinnahmen gehabt, berichtete der indische Wirtschaftsexperte vom Politikinstitut Carnegie Council (New York). "Unglücklicherweise leben noch immer 70 der 150 Millionen Nigerianer von weniger als zwei Dollar pro Tag, weil ein großer Teil der Erlöse von der Elite für sich selbst abgezweigt wurde." Nigeria habe das Pech, politische Führer zu haben, "die nicht sehr ethisch handeln".

"Ausbeutungsmentalität kopiert"

Demagogen wie Mugabe machen Kolonialismus und Konzerne für das Elend Afrikas verantwortlich. Neuerdings gibt es auch Vorwürfe gegen China, das massiv in Afrika investiert. Inzwischen aber gibt es auch viele Afrikaner, die Klagen und Beschuldigungen satthaben und die einen Abschied Afrikas aus der ewigen Opferrolle fordern.

"Afrikaner werden nie erhobenen Hauptes gehen können, solange sie nicht aufhören, ständig nach Sündenböcken zu suchen", schrieb der südafrikanische Kolumnist Barney Mythombothi. Sogar Nigerias Ex-Präsident Olusegun Obasanjo gab sich jüngst erstaunlich selbstkritisch: Nach dem Abzug der Kolonialmächte "haben wir uns zurückgelehnt und gewartet. Als Konsequenz wurden wir zur Dritten Welt der Dritten Welt."

Anders als Asiens Eliten "haben unsere Führer einfach die Ausbeutungsmentalität ihrer einstigen Unterdrücker kopiert", meint der südafrikanische Wirtschaftsexperte Moeletsi Mbeki, Bruder des Ex-Präsidenten Thabo Mbeki. In Afrika werde kaum in Ausbildung, Landwirtschaft oder Zukunftsindustrien investiert. "Afrika ist arm, weil es von nicht funktionierenden, kleptokratischen Regimen dominiert" werde, schimpfte der Ökonom George B.N. Ayittey (Ghana). Kein Wunder, dass auf der Liste der "gescheiterten Staaten" 14 der ersten 20 Länder in Afrika liegen.

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