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Saif al-Islams überraschender Auftritt: "Werden die Ratten angreifen"

"Wir werden die Ratten angreifen"

23.08.2011, 12:22 Uhr | dpa

Saif al-Islams überraschender Auftritt: "Werden die Ratten angreifen". Gaddafis Sohn Saif al-Islam gibt sich bei seiner Rundfahrt durch Tripolis siegessicher (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Gaddafis Sohn Saif al-Islam gibt sich bei seiner Rundfahrt durch Tripolis siegessicher (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Der Kampf um Tripolis ist noch nicht entschieden: Völlig überraschend ist Gaddafis Sohn und designierter Nachfolger Saif al-Islam in der Hauptstadt aufgetaucht und hat Journalisten auf eine Rundfahrt mitgenommen. Die Rebellen hatten am Sonntagabend seine Festnahme gemeldet. Alles Unsinn, so der 39-Jährige, "ich bin gekommen, um die Lügen zu wiederlegen... wir bewaffnen uns, und werde die Ratten angreifen". Sein älterer Bruder Mohamed ist derweil von Regierungstruppen aus der Hand der Rebellen befreit worden.

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Mohamed hatte sich den Angaben zufolge beim Einmarsch der Aufständischen am Sonntagabend ergeben und war unter Hausarrest gestellt worden. Später sei er mit Hilfe von Regierungstruppen entkommen, hieß es. Der Gaddafi-Sohn hatte am Vortag in einem Telefoninterview des Fernsehsenders Al-Dschasira gesagt, eine Gruppe von Rebellen habe sein Haus umstellt. Während des Gesprächs war Gewehrfeuer zu hören, danach brach der Kontakt ab.

Saif al-Islam Gaddafi erschien in der Nacht vor einem von Journalisten bewohnten Hotel in Tripolis. Er fuhr in einem gepanzerten Fahrzeug vor dem "Rixos" vor. Eine Gruppe von Anhängern jubelte ihm zu. Danach nahm er Journalisten mit auf eine Fahrt in einem bewaffneten Konvoi durch von Regierungstruppen kontrollierte Viertel der Hauptstadt, die vor Gaddafis Residenz endete.

Gaddafi angeblich in Tripolis

Saif al-Islam bestritt, dass die Aufständischen den größten Teil der Hauptstadt unter ihre Kontrolle gebracht haben. Es habe sich um eine Falle gehandelt. "Wir haben den Rebellen das Rückgrat gebrochen", sagte er während der kurzen Unterhaltung mit den Journalisten. Die Rebellen hätten bei ihrem Sturm auf Gaddafis Residenz schwere Verluste erlitten. Auf die Frage, ob sein Vater sich noch in Tripolis befinde und in Sicherheit sei, erwiderte er achselzuckend "selbstverständlich".

"Tripolis ist unter unserer Kontrolle", sagte der Gaddafi-Sohn laut CNN. Auf den Videoaufnahmen wirkt er zuversichtlich, voller Tatendrang und lächelt offen.

Grafik zum Großklicken: Libysche Bevölkerungsgruppen (Quelle: dpa)Grafik zum Großklicken: Libysche Bevölkerungsgruppen (Quelle: dpa) Nach dem kurzen Auftritt am Hotel ist unklar, ob Saif al-Islam aus der Hand der Rebellen freigekommen ist oder sich überhaupt nicht in ihrer Gewalt befunden hat. Wie die BBC berichtete, strahlte der regierungstreue Sender Al-Urubah in der Nacht eine kurze Erklärung des Gaddafi-Sohns aus, in der dieser bestritt, gefangen genommen worden zu sein.

Saif al-Islam Gaddafi wird ebenso wie sein Vater und dessen Schwager, Geheimdienstchef Abdulah Senussi, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht. Der Chefankläger, Luis Moreno-Ocampo hatte am Montag bereits mit Vertretern des libyschen Übergangsrates über eine Auslieferung des 39-Jährigen nach Den Haag gesprochen.

Gaddafi-Treue schießen Scud-Raketen ab

Unterdessen gingen die Kämpfe rund um die Residenz Gaddafis in Tripolis auch in der Nacht weiter. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Arabija unter Berufung auf Angaben der Rebellen berichtete, griff auch die NATO das Anwesen im Stadtteil Bab Al-Asisija an. Es seien schwere Explosionen zu hören gewesen.

Am Montag hätten die Gaddafi-Truppen drei Scud-Raketen in Richtung der Küstenstadt Misrata abgefeuert, sagte eine NATO-Sprecherin. Die Boden-Boden-Raketen seien aus der Umgebung der Stadt Sirte abgeschossen worden. Die Raketen seien in der Küstengegend von Misrata eingeschlagen, höchstwahrscheinlich im Meer oder am Ufer. Berichte über Todesopfer oder Schäden gibt es bisher nicht.

"Es ist noch nicht vorbei"

"Es ist noch nicht vorbei", sagte US-Präsident Barack Obama am Montag in einer Audio-Botschaft zur Lage in Libyen. Noch hätten die Rebellen den Machtkampf in Tripolis nicht endgültig gewonnen. "Doch so viel ist klar: Das Gaddafi-Regime ist am Ende und die Zukunft Libyens liegt in der Hand des Volkes", sagte er.

Zugleich warnte der US-Präsident vor Gewalt: "Wahre Gerechtigkeit kommt nicht durch Vergeltung und Gewalt. Sie kommt durch Versöhnung und durch ein Libyen, das seinen Bürgern erlaubt, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen." Die Rebellen kontrollieren nach ihrem Einmarsch in der Nacht zum Montag nach eigenen Angaben nun bis zu 95 Prozent der libyschen Hauptstadt.

Wo steckt Gaddafi?

Die Residenz des Diktators auf einem schwer gesicherten Militärgelände in Bab Al-Asisija ist aber weiter in der Hand der Regierungstruppen. Ein Bunkersystem unter der Anlage gilt als ein möglicher Aufenthaltsort Gaddafis. Anderen Spekulationen zufolge könnte sich der Diktator in Richtung algerische Grenze oder in seinen Heimatort Sirte abgesetzt haben, der ebenfalls noch von Regierungstruppen kontrolliert wird.

Wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, fanden Rebellen zwei Leichen, bei denen es sich um die von Senussi und die von Chamis al-Gaddafi, eines weiteren Sohnes des Diktators, handeln könnte. Eine Bestätigung dafür gab es aber nicht.

Chamis al-Gaddafi, der eine Eliteeinheit der Truppen seines Vaters im Kampf gegen die Rebellen kommandierte, wurde bereits mehrfach von den Aufständischen für tot erklärt. Das Regime hatte die Angaben jedes Mal zurückgewiesen.

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