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Syrien: Tötung eines Oppositionellen mobilisiert Kurden

Tötung eines Oppositionellen mobilisiert weltweit Kurden

09.10.2011, 14:28 Uhr | Von Zeina Karam, AP, AFP, dapd

Syrien: Tötung eines Oppositionellen mobilisiert Kurden. Syrische Regimegegner halten Fotos eines getöteten kurdischen Oppositionellen vor der syrischen Botschaft in Berlin. Einige von den Demonstranten sind zuvor in die Botschaft eingedrungen. (Quelle: dpa)

Syrische Regimegegner halten Fotos eines getöteten kurdischen Oppositionellen vor der syrischen Botschaft in Berlin. Einige von den Demonstranten sind zuvor in die Botschaft eingedrungen. (Quelle: dpa)

Die Tötung eines kurdischen Oppositionsführers in Syrien hat für einen internationalen Aufschrei der Empörung gesorgt und die bislang größten Proteste unter der Minderheit im Norden des Landes ausgelöst. In Berlin und Hamburg drangen Regimegegner in die syrische Botschaft und das Honorarkonsulat ein.

Am Samstag schlossen sich in der syrischen Stadt Kamischli nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten Zehntausende einer Prozession zur Beerdigung von Maschaal Tammo an. Syrische Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer auf die Trauernden und töteten mindestens fünf Menschen.

Zahlreiche weitere Menschen seien dabei verletzt worden, teilten die Aktivisten weiter mit. Die Demonstranten nutzten den Gedenkmarsch für politische Forderungen und verlangten den Rücktritt von Präsident Baschar Assad: "Geh, geh!" riefen sie.

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Weltweite Proteste

Der kurdische Oppositionsführer Maschaal Tammo war am Freitag von vermummten Bewaffneten in seiner Wohnung getötet worden. "Ganz Kamischli ist heute auf den Straßen, die Beerdigung entwickelt sich zu einem massiven Protest", sagte der Aktivist Mustafa Osso. Klagerufe von Trauernden waren während des Telefonats zu hören. Osso sagte, mehr als 50.000 Menschen seien zur Beerdigung Tammos gekommen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich "bestürzt" über Tammos Ermordung. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton bezeichnete gezielte Anschläge als "absolut inakzeptabel". Die USA erklärten, Assads Regierung versuche mit den gezielten Angriffen auf Oppositionsführer, ihre Taktik zu verschärfen. Frankreich zeigte sich "schockiert" von der "brutalen Gewalt". Auch die Türkei verurteilte die "abscheuliche Ermordung" Tammos.

In mehreren Ländern Europas demonstrierten Exil-Syrer gegen die Ermordung Tammos. In Berlin drangen rund 30 Menschen in der Nacht auf Sonntag in die syrische Botschaft ein. Nach anfänglichen Protesten auf der Straße hätten sie den Zaun um das Gelände aufgebrochen und seien in das Gebäude gestürmt, teilte die Polizei mit.

In Hamburg stürmten 30 Demonstranten Räume des syrischen Honorarkonsulats. Sie schlugen Fenster und Türen ein und beschmierten die Wände mit arabischen Schriftzeichen. Vier Menschen wurden festgenommen. In London kletterten Demonstranten auf das Dach der syrischen Botschaft und schwenkten die kurdische Flagge.

Kurden stürmen syrische UN-Mission in Genf

Auch in Genf protestierten am Samstagnachmittag etwa 40 kurdische Syrer vor der syrischen UN-Mission. Fünf davon gelang es, in eines der Büros der Mission in einem mehrstöckigen Gebäude einzudringen. Sie schwenkten syrische Flaggen und warfen Dokumente aus dem Fenster auf die Straße. Die fünf Eindringlinge wurden später festgenommen, wie ein Sprecher der Genfer Polizei sagte.

Vor Tammos Beerdigung seien zahlreiche Sicherheitskräfte nach Kamischli verlegt worden, teilte das Aktivisten-Netzwerk Örtliche Koordinierungskomitees mit. Die Stadt sei komplett abgeriegelt worden, nachdem zur Trauer um Tammo ein Generalstreik ausgerufen worden war. Die Zusammenstöße hätten begonnen, als Demonstranten versuchten, eine Statue von Assads Vorgänger und Vater Hafis Assad umzustürzen.

Der 53-jährige Tammo war in den vergangenen Monaten einer der führenden Organisatoren der Protestbewegung in Kamischli. Er saß früher als politischer Gefangener in Haft, war Sprecher der Kurdischen Zukunftspartei und Mitglied des Exekutivkomitees des neugegründeten Syrischen Nationalrats. Viele Oppositionsanhänger machen das Regime in Damaskus für seine Ermordung verantwortlich.

Kurden beklagen Diskriminierung

Die Angehörigen der kurdischen Minderheit in Syrien beklagen bereits seit langem die Diskriminierung durch die Behörden. Präsident Assad gewährte im April vormals staatenlosen Kurden die syrische Staatsbürgerschaft, um angesichts der aufkeimenden Proteste dem Unmut der Kurden entgegen zu treten. Kurden machen rund 15 Prozent der syrischen Bevölkerung aus.

Zwar nahmen einzelne Angehörige der Minderheit immer wieder an den Protesten gegen die Regierung teil, doch haben sich die kurdischen Organisationen bislang nicht offiziell auf die Seite der Opposition gestellt.

Ein Vertreter der Regierungsgegner sagte, viele Syrer hofften auf eine kurdische Unterstützung der Protestbewegung. Die sensiblen Beziehungen zwischen Arabern und Kurden würden sie davon aber noch abhalten. "Es gibt einen Mangel an Vertrauen auf beiden Seiten. Die Kurden haben Angst. Sie wurden immer von den Entscheidungsprozessen ausgeschlossen und das fürchten sie auch für die Zukunft", sagte ein Oppositionsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Syrisch-kurdische Oppositionsparteien im Irak fordern internationales Eingreifen

In der autonomen Kurdenregion im Irak forderten syrisch-kurdische Oppositionsparteien ein internationales Eingreifen. "Die Ermordung von Maschaal Tammo ist ein Beweis für das barbarische Wesen des syrischen Regimes", sagte der Sprecher der Syrischen Linkspartei, Nureddin Othman.

Auch in Duma, einem Vorort von Damaskus, schossen Sicherheitskräfte nach Angaben von Aktivisten auf Teilnehmer eines Trauermarschs. Ein 14-jähriger Junge sei getötet worden, zehn weitere Menschen seien verletzt worden, erklärten die Örtlichen Koordinationskomitees und die Menschenrechtsorganisation "Syrian Observatory for Human Rights" mit Sitz in London.

Die syrische Opposition arbeitete unterdessen weiter an der Organisation ihrer Bewegung. Die Koordinierung der Regierungsgegner ist nach den Worten des Vorsitzenden des neu gebildeten Nationalrats für den Erfolg einer demokratischen Revolution in Syrien dringend nötig. Er rechne damit, dass seine Organisation in den kommenden Wochen anerkannt werde, sagte Burhan Ghaliun am Samstag in Stockholm.

Im vergangenen Monat wurde die Gründung des Rats in der Türkei bekannt gegeben. Bislang hat jedoch niemand das Gremium anerkannt. Ghaliun war einer von fast 100 Oppositionellen, die in der schwedischen Hauptstadt Wege zum Sturz des Regimes von Präsident Assad erörtert haben.

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